Der Mann ist ein Weltstar, und davon haben wir nicht viele. Schon gar nicht, wenn sie nicht vor der Kamera stehen, wie das Marlene Dietrich und Romy Schneider taten. Regisseure schaffen es selten, zu einem Star-Status zu kommen. Und wenn, dann meist nur mit Popcorn-Kino wie Roland Emmerich.
Werner Herzog aber hat das auch mit Kunstfilmen geschafft, ja sogar mit Dokumentationen. Das soll ihm erst mal einer nachmachen. Herzog führte Regie in 57 Filmen, er ist Produzent und Schauspieler (auch in einem Tom-Cruise-Film wie „Jack Reacher“), darüber hinaus inszenierte er ein Dutzend Opern und schrieb mehrere Bücher. Das „Time“-Magazin wählte ihn vor vier Jahren unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Am Freitag nun wurde Herzog mit einer Lola für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die einzige Auszeichnung, die von vornherein feststand.
Herzog wuchs in einem bayerischen Bergdorf an der Grenze zu Österreich auf. Das Filmhandwerk brachte er sich selbst bei. Bei der Berlinale 1968 holte er mit „Lebenszeichen“ den Silbernen Bären für den besten Erstlingsfilm. Die Natur als Stilmittel zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Extreme Landschaften wie die Sahara („Fata Morgana“, 1971), der Dschungel Südamerikas („Aguirre, der Zorn Gottes“, 1972, „Fitzcarraldo“, 1982) oder Steinzeithöhlen („Die Höhle der vergessenen Träume“, 2010) sind Teil der Inszenierung.
Ebenso extreme Figuren, fünfmal von Klaus Kinski verkörpert. „Nosferatu“ und „Woyzeck“ markierten 1979 den Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit. Über seine Hassliebe zu dem jähzornigen Star drehte Herzog 1999 den Dokumentarfilm „Mein liebster Feind“.
Menschen an Orten, wo sie nicht hingehören: Das ist das Leitmotiv des heute 70-Jährigen, in Spiel- wie in Dokumentarfilmen. Und damit ist er, seit er in die USA zog, fast noch erfolgreicher. 2009 wurde seine Antarktis-Doku „Encounters at the End of the World“ für einen Oscar nominiert. Für den Kinofilm „Tod in Texas“ (2011) und die TV-Dokumentation „On Death Row“ (2012) begab sich Herzog sogar in den Todestrakt von US-Gefängnissen, wo Insassen auf ihre Hinrichtung warten. Das war, wie er selbst bekundete, sein extremster Film gewesen.
BM





