Kino

Sänger Sasha spielt in Wortmann-Komödie sich selbst

Für den Film "Das Hochzeitsvideo" stand der Wahlhamburger nach langer Überredungskunst des Regisseurs Sönke Wortmann mal wieder vor der Kamera.

Foto: Michael Rauhe

Es brauchte seine Zeit, dann aber war er gebrochen. Jener gute Vorsatz, niemals sich selbst zu spielen. Der Beharrlichkeit Sönke Wortmanns ist es geschuldet, dass Sasha nun vom 10. Mai an in „Das Hochzeitsvideo“, der neuen Komödie des Regisseurs, im Kino zu sehen ist. Eben als das, wofür er dem breiten Publikum bekannt ist: als Sänger. „Wir entschieden uns für eine Version von mir: schlau und Arschloch“, sagt er und lächelt, als wolle er diese Aussage widerlegen. Und überhaupt, von einem Widerling ist der 40-Jährige zumindest in diesem Gespräch im noblen „Soho House“ in Mitte weit entfernt. Gewohnt charmant und höflich gibt er sich, schwärmt von der Hochzeit als einem „romantischen Akt“, an dem ihn nur der Zwangspart störe. „Deshalb würde ich nie in einer Kirche heiraten.“

An Versionen seiner Person mangelt es indes tatsächlich nicht, denn im Laufe seiner Karriere hat er seine Wandelbarkeit hinlänglich unter Beweis gestellt. 1998 gelingt Sascha Schmitz als Sasha der Durchbruch. Mit sanftem Pop, eingängigen Melodien, Hundeblick. Die Single „If You Believe“ verkauft sich mehr als 500.000 Mal und ist weltweit erfolgreich. Das überwiegend weibliche Publikum liebt ihn, die Kritiker weniger. Zu weich ist er für deren Geschmack, zu erwartbar. „Wenn man erst mal ein bestimmtes Image hat, dann ist es nicht leicht, dieses wieder loszuwerden“, resümiert er diese Zeit.

Neue Identität als Dick Brave

Also muss eine neue Identität her, eine Kunstfigur. Als Dick Brave mit Gel-Tolle, 50er-Jahre-Outfit und handgemachten Rockabilly-Klängen schafft er den gewollten Bruch mit der Softie-Sänger-Rolle. Ursprünglich als Gag auf einer Weihnachtsfeier für Freunde und Bekannte geplant, reift Dick Brave zum Verkaufsgaranten. Derzeit tourt er wieder, nach einer achtjährigen Pause, mit seiner Band The Backbeats durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Was als Nächstes kommt, das könne er nicht sagen. Er sei beständig auf der Suche nach Herausforderungen – angekommen ist Sasha noch lange nicht.

Das Spiel mit den Pseudonymen, es hat ihn bereits als Jugendlichen gereizt. Aufgewachsen in der Kleinstadt Soest in Westfalen, träumt er von der Flucht auf die großen Bühnen der Republik. Als 15-Jähriger gründet er seine erste eigene Band Bad to the Bone, später folgt „Junkfood“, ehe er sich als Solokünstler behaupten will. Neben der Musik ist es vor allem die Film- und Theaterwelt, zu der sich der Sohn einer aus einer Schaustellerfamilie stammenden Mutter hingezogen fühlt. „Ich habe mich zweimal an einer Schauspielschule beworben, bin aber nie zum Auswahlverfahren gegangen“, erzählt er. „Ich hatte Angst.“ Zu viel Ehrfurcht sei da gewesen, zu wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Manches sei ihm sicher dadurch entgangen, sagt Sasha heute. Geblieben aber ist das Schauspiel als Hobby, als „Leidenschaft“. In Filmen wie „Ossi's Eleven“ oder „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ übernimmt er kleinere Rollen. Das genügt ihm. Beides zu verbinden, das Singen und das Spielen, davon halte er nichts: „Musical ist für mich weder Fisch noch Fleisch.“

Kombinieren möchte Sasha dafür zukünftig Hamburg und Berlin. Seit einigen Monaten besitzt er in Friedrichshain eine Zweitwohnung, in die er sich zurückzieht, wenn es ihm in seiner langjährigen Wahlheimat an der Elbe zu eng wird. „Ich bin gerne in Berlin. Hier ist für mich Urlaub“, sagt er. Die Hauptstadt sei lebendig und sprudelnd, voller Inspiration. Vielleicht kreiert er hier auch das nächste Pseudonym. Wenn Sascha Schmitz mal nicht mehr Sasha sein möchte.