Scheidung von Seal

Heidi Klum will wieder Klum heißen

Ende einer Traumehe: Heidi Klum hat nach fast sieben Jahren Ehe mit Seal das Ende der Beziehung offiziell gemacht.

Die Zahlung ging ein um 15.43 Uhr Ortszeit. 395 Dollar Gebühren, beglichen per Scheck. Damit war der Scheidungsantrag, abgestempelt am 6.April 2012 vom Superior Court in Los Angeles und nach kalifornischer Regelung auf Englisch und Spanisch verfasst, perfekt. Auf Seite 5 unten rechts: die ausladende Unterschrift der Antragstellerin – Heidi Samuel. Die elfte und letzte Seite ist nur mit einem großen L unterschrieben. L wie Laura Wasser, die Scheidungskönigin von Kalifornien. Sie hat Angelina Jolie gegen Billy Bob Thornton vertreten, Britney Spears gegen Kevin Federline, Robyn Moore gegen Mel Gibson.

Zuletzt wurde sie von Arnold Schwarzeneggers Frau Maria Shriver engagiert, und nun ist es die Ehe von Henry und Heidi Samuel alias Seal und Heidi Klum, die mithilfe der 43-jährigen Anwältin, die selbst schon fast ein Star und wie ihre Mandantinnen hin und wieder in „Elle“ und „Vogue“ zu sehen ist, beendet wird. Knapp drei Monate nachdem die Trennung des Paares bekannt wurde, hat das 38 Jahre alte Model nun die Scheidung eingereicht. Und obwohl sie eigentlich nie mit dem gemeinsamen Familiennamen Samuel in Erscheinung getreten ist, hat sie auch gleich beantragt, in Zukunft wieder ihren Mädchennamen Klum zu tragen.

Zerschlagene Hoffnungen

Durch das Tragen und Nichttragen und dann wieder doch Tragen der Eheringe hatte man zuerst noch geglaubt, die beiden könnten zu ihrer alten Form zurückfinden, vielleicht noch besser werden sogar, ein noch überzeugenderes Remake ihres Traumpaardaseins schaffen. Eines jetzt, das den Gang durch ein tiefes Tal überlebt hat. Aber offenbar ist seit Januar nicht viel passiert, was Heidi Klum hätte veranlassen können, ihrer fast sieben Jahre währenden Ehe mit Seal noch eine Chance zu geben.

Während sich der 49 Jahre alte Sänger unmittelbar nach der Trennung in die großen Talkshows des Landes einladen und zu seinem Privatleben befragen ließ, schwieg seine Frau beharrlich. Die Hintergründe der Trennung ließ auch er unkommentiert, nicht aber das Verhalten seiner Frau. „Wenn man seine Ehe so öffentlich lebt, wie wir unsere öffentlich gelebt haben“, sagte Seal – diesmal einem Radiosender in Australien –, „wenn man regelmäßig sein Eheversprechen erneuert, gibt man den Menschen das Bild einer idealen Beziehung, wie sie sich viele erhoffen.“ Die Leute, so Seal weiter, hätten „zumindest eine Art Erklärung verdient“.

Tatsächlich war all die Jahre statt schiefen Haussegens nur maximales Familienglück festzustellen – mit vier Kindern zwischen zwei und sieben Jahren (Klums ältestes Kind aus einer Beziehung zu Flavio Briatore, der Tochter Leni angeblich noch nie gesehen hat, wurde von Seal adoptiert), innigen Küssen vor der Kamera, einem Musikvideo, in dem sich das Paar in intimen, zärtlichen Momenten zeigt, Urlaubsfotos für alle über Twitter, gemeinsamen Auftritten in Klums „Topmodel“-Sendung, wo „der Seal“ gerne mal vorbeikam und „die Mädchen“ in seine Konzerte mitnahm.

Heidi trug (trägt noch immer) seinen Namen als Tattoo auf ihrem Unterarm, und sie versprach ihm sechsmal aufs Neue die ewige Treue. Aber seit es tmz.com gibt, die Promi-Webseite aus Los Angeles, die nach der Thirty Mile Zone, dem Gebiet rund um die Hollywoodstudios mit einem Radius von dreißig Meilen, benannt ist, bleibt nichts Privates lange geheim. Wie „TMZ“-Reporter genau arbeiten, ist ein Geheimnis, aber offenbar reicht das Netz der Informanten bis in die Gerichte. Der Antrag wurde noch am selben Tag veröffentlicht, an dem er eingereicht wurde.

Berichtet wird nun überall, Heidi Klum habe auf dem Antragsformular „unüberbrückbare Differenzen“ als Scheidungsgrund angegeben, und es wird spekuliert darüber, was das nur bedeuten mag. Nun, sie hätte nicht allzu viele Alternativen gehabt. Wer seine Ehe annullieren lassen will, kann ein wenig ins Detail gehen: Der Partner/die Partnerin könnte zum Beispiel ein Betrüger sein, vielleicht auch gewalttätig oder körperlich nicht in der Lage für das Eheleben. Vielleicht ist der Partner/die Partnerin Bigamist/in oder die Eheleute führen eine inzestuöse Beziehung. Wer aber, wie Heidi Klum, eine reguläre Scheidung einreicht, kann nur wählen zwischen den genannten „irreconcilable differences“ oder aber, und das wäre wohl abwegig, „incurable insanity“ – unheilbare Geisteskrankheit.

"Emotionen wie ein Tornado"

Es ist etwa vier Wochen her, da äußerte sich Heidi Klum, die eigentlich nie anders als fröhlich, selbstbewusst und vielleicht etwas kühl in der Öffentlichkeit auftritt, dann doch noch zu ihrer Trennung. Und es wirkte, als gingen die Worte direkt an die Adresse ihres zukünftigen Ex-Mannes. „Die Emotionen im Körper sind wie ein Tornado“, sagte sie der „Elle“. „Wir stehen in der Öffentlichkeit, also sind die Höhen sichtbar.“ Sie glaube aber nicht, dass deshalb auch die Tiefen in Magazinen gedruckt und besprochen werden müssen – „vor allem wegen unserer Kinder“.

Das Sorgerecht für Lou, Johan, Henry und Leni will sich Heidi Klum mit Seal teilen, wohnen sollen sie jedoch bei ihr. Weil sie bei der Eheschließung eine Gütertrennung vereinbart haben, sollte wohl keiner von beiden finanzielle Ansprüche erheben können. Eine Schlammschlacht soll es nicht werden, dafür will auch Laura Wasser sorgen, die im Klatsch-Jargon gern „Disso-Queen“ (Dissolution = Scheidung) genannt wird. Sie nimmt eine Fähigkeit für sich Anspruch, die „TMZ“ nun nicht gerade vorweisen kann: Diskretion.