Debütalbum

Lana del Rey besingt das alte Thema der Popmusik

Das YouTube-Phänomen Lana del Rey hat ihr erstes Album herausgebracht. Zwölf Lieder sind das, in denen sie die alte Geschichte von einer Frau erzählt, die einen Mann liebt, von dem sie weiß, dass er ihr wehtun wird – sehr künstlich, so künstlich wie die Sängerin selbst.

Foto: dpa / dpa/DPA

Es ist schlicht, ein wenig kitschig, ja, aber am Ende doch immer wahr. Wahr ist das Thema, von dem Lana del Reys Lieder handeln, und es ist natürlich das große alte Thema der Popmusik: die Liebe. Bei der US-Sängerin mit den rotblonden Locken bedeutet sie Schmacht, Sehnsucht und Schmerz, und das getragen von einer so vollen, samtigen Stimme, dass die 25-Jährige regelmäßig mit der verstorbenen Soul-Diva Amy Winehouse verglichen wird. Es wäre ein Wunder, wenn del Rey mit ihrem Debütalbum nicht ähnlich erfolgreich wird: „Born To Die“ ist am Freitag erschienen.

Seit del Reys Single „Video Games“ an einem Sommertag im August auf der Internet-Plattform YouTube auftauchte, lechzen die Fans nach mehr. Zu schön war diese melancholische Retro-Pop-Ballade, dessen Video den Glanz des alten Hollywood der 60er Jahre beschwört, all das in verblichenen, verwaschenen Bildern, der Super-8-Optik, die Nostalgiker so lieben. Mehr als 20 Millionen Mal wurde der Clip zu der großen Liebeshymne bis heute im Internet angeklickt, die Musikkritiker jubeln seitdem, und der Hype um Lana, diesem Mädchen mit dem Schmollmund und der großen Stimme, will nicht abreißen.

Melancholisch, morbid, aber immer feierlich

Jetzt also kommt das Album. Zwölf Lieder sind das, in denen del Rey die alte Geschichte von einer Frau erzählt, die einen Mann liebt, von dem sie weiß, dass er ihr wehtun wird. „Don't make me sad, don't make me cry“ (Mach mich nicht traurig, bring mich nicht zum Weinen), fleht sie im feierlichen Titelsong „Born To Die“ – aber natürlich ist dieses Flehen vergebens. Nie besingt del Rey das Glück der Liebe, nie die Vollendung des Traums. Es ist zwar stets diese kompromisslose Liebe für die Ewigkeit, aber eine, die quälen wird: „There is no remedy for memory“ (Es gibt kein Mittel gegen Erinnerung), haucht Lana und schwört später ihrem „Million Dollar Man“: „I'd follow you down, down, down“ (Ich folge dir nach unten, unten, unten).

All das klingt getragen und melancholisch, oft düster, manchmal morbid, aber immer feierlich, immer groß, was wohl auch an den Streichern liegt und den Chorelementen, von denen die Lieder leben. „Born To Die“ ist damit eine Mischung aus Sixties-Soul und modernem Pop, der auch mit Hip-Hop-Elementen spielt. Im Grunde aber sind es Lieder, bei denen man die Augen schließen muss. Wer das nicht kann, sollte Lana abschalten und Lady Gaga hören.

So künstlich deren Musik klingt, so künstlich ist am Ende aber auch del Rey selbst, die Sängerin. Eine, die kein Fleischkleid tragen würde, sondern auf den Glamour der Sechziger setzt. Del Rey wurde als Retro-Diva erfunden, und das muss man genau so sagen, denn vor drei Jahren gab es diese große Stimme schon einmal auf CD: Von Lizzy Grant, wie Lana del Rey eigentlich heißt. Das Mädchen aus New York wollte aber niemand so recht hören. Also kreierte das Produzententeam Guy Chambers und Eg White, die schon Robbie Williams und Adele Ruhm bescherten, eine melancholische White-Trash-Diva mit Sehnsuchtsblick.

Denn zu den Gerüchten um Lana del Rey gehört auch das der schäbigen Wohnwagensiedlung, in der sie angeblich mal leben musste. Ob das stimmt oder nicht – del Reys Vater ist ein nicht gerade armer Internetunternehmer – gehört zu den Rätseln dieser gehypten Sängerin, von der im Grunde ja auch egal ist, ob sie Lana oder Lizzy heißt, Fleischkleid oder Schlauchkleid trägt, so lange sie weiter so schöne Lieder über die Liebe singt.

Lana del Rey ignoriert Internet-Klatsch – meistens

Aber Lana del Rey gibt nicht viel auf Klatsch und Tratsch im Internet. „Was Menschen im Internet über mich verbreiten, ist mir nicht wichtig.“ Im Gespräch gab sie allerdings zu, dass sie es nicht immer schaffe, so kühl und distanziert zu reagieren. „Verletzt es meine Gefühle? Ja!“ Sie habe noch nie wirklich Persönliches preisgegeben, betonte die US-Sängerin, aber trotzdem werde darüber geschrieben. „Was ich wirklich möchte, ist als Songwriter in der Musikbranche respektiert zu werden, und das werde ich ja.“

Bisher lebe sie ein ziemlich ruhiges Leben: „Wenn ich kein Makeup drauf habe, dann sehe ich nicht wie Lana del Rey aus, dann erkennt mich niemand.“ Vorwürfe, sie sei ein Kunstprodukt wehrte sie ab. „Ich habe doch nichts versteckt, ich habe zum Beispiel meinen Namen nicht im Geheimen geändert“, sagt sie dazu, dass sie bürgerlich eigentlich Lizzy Grant heißt. „Ich bin nicht in eine andere Person geschlüpft, ich habe nur den Namen geändert, weil ich fand, dass er besser zu meiner Musik passt.“

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