Beleidigung

Knöllchen kostet Rapper Bushido 19.500 Euro

Rapper Bushido muss für seine Sprüche zahlen: Wegen eines Knöllchens hat er in Berlin-Steglitz einen Ordnungsamtsmitarbeiter beleidigt. Dafür muss er nun Strafe zahlen. Der Millionär dürfte mit dem Urteil allerdings sehr zufrieden sein.

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In einem seiner Rap-Songs wären die Sprüche kaum bemerkt worden. Es war einfach der falsche Ort zur falschen Zeit und vor allem der falsche Ansprechpartner: ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Der Mann hatte den Rapper Bushido am 7. Oktober 2010 vermutlich gar nicht erkannt, als ihn dieser verbal zu attackieren begann. Er hatte sich das Kennzeichen von Bushidos Wagen notiert und anschließend Strafanzeige erstattet. Und so kam es zu diesem Urteil einer Strafrichterin, das am Dienstag im Saal 4107 des Moabiter Strafgerichts verkündet wurde: Der Angeklagte Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido muss wegen Beleidigung eine Geldstrafe von 19.500 Euro zahlen.

Tatort war die Schloßstraße 88 in Steglitz. Tatzeit, so zumindest ist es im Polizeiprotokoll notiert, gegen 20.30 Uhr. Nach Auskunft der zuständigen Amtsanwältin soll es um Bushidos falsch geparkten Wagen gegangen sein. Der Ordnungsamtsmitarbeiter schrieb einen Strafzettel über 15 Euro aus. Bushido kam dazu. Was sicher ungünstig war. Vielleicht war er ohnehin nicht gut gelaunt. Vielleicht hat er auch, wie Psychologen es nennen, eine doch recht geringe Frustrationstoleranz. Den Ermittlungen zufolge kam es jedenfalls zu einer Diskussion, in deren Verlauf sich Bushido stark im Ton vergriff. Im Protokoll sind Bemerkungen wie „Idiot“, „Vollidiot“ und Sätze wie „Wenn du kein Bulle bist, du Idiot, dann tu nicht so, als wenn du was zu sagen hast“ vermerkt. Es gab noch eine verbale Steigerung, die aber nicht zitierfähig ist.

Der Rapper war wegen dieses Vorfalls am 8. August schon einmal zu einer Gerichtsverhandlung geladen worden und machte, so empfand es der Großteil der zahlreich erschienenen Journalisten, seinem Namen wenig Ehre. Stammt der Künstlername Bushido doch aus dem Japanischen und bedeutet „Weg des Kriegers“. Und an diesem Tag führte der Weg des Kriegers eben nicht nach Moabit. Stattdessen informierte Bushidos Verteidiger, dass sein Mandant bedauerlicherweise ganz plötzlich erkrankt sei.

Bei Prozesstermin Nummer zwei war schon von vornherein klar, dass Bushido nicht erscheinen muss – und er kam dann auch nicht. Grund dafür ist eine juristische Konstruktion: Bushido hatte wegen der schon erwähnten Beleidigungen zunächst einen Strafbefehl erhalten. Er sollte 70 Tagessätze à 300 Euro, unterm Strich also 21000 Euro, zahlen. Außerdem kam noch ein vom Richter verhängtes Fahrverbot von vier Wochen hinzu. Gegen diesen Strafbefehl legte der Rapper Einspruch ein. Allerdings beschränkte sich der Einspruch nur auf die verhängte Strafe, die Bushido offenbar zu hoch erschien. Den Tatablauf inklusive der Beleidigungen gab er zu. Folgerichtig war seine Anwesenheit vor Gericht auch nicht mehr notwendig.

In dem nur 15 Minuten dauernden Prozess war dann auch der Rest schnell absolviert. Bushidos Eintragungen im Strafregister wurden verlesen: Im Juli 2006 verurteilte ihn in Thüringen das Amtsgericht Stadtroda zu einer Geldstrafe wegen Fahrens ohne Führerschein. Im Januar vergangenen Jahres gab es eine zweite Verurteilung, diesmal vom Amtsgericht Tiergarten. Bushido musste 10500 Euro zahlen, weil er zwei Polizisten beleidigt hatte. Der Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers ist also, so die Amtsanwältin, „einschlägig vorbestraft“. Dennoch ließ sie Milde walten und folgte Bushidos Verteidiger, der dafür plädierte, die Zahl der Tagessätze etwas zu reduzieren und auf das Fahrverbot gänzlich zu verzichten. Und so sah es auch dann die Richterin.

Bushido dürfte also sehr zufrieden sein. Das Fahrverbot ist für den leidenschaftlichen Autofahrer vom Tisch. Und die Geldstrafe kann den Selfmade-Millionär, wie er sich selber nennt, kaum erschüttern. In einem Interview sagte er: „Wenn morgen einer zu mir sagen würde, ich gebe dir 60.000 Euro, wenn du mit ins Konzert kommst, würde ich ablehnen: Kein Bock.“ Er sitze lieber mit seiner Frau vor dem Fernsehgerät, sagte er.

Ein braver Bushido also? Ein gewandelter Rapper? Mal schauen.