Offener Brief

Alice Schwarzer kanzelt Bushido ab

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat einen offenen Brief an Bushido verfasst. Schwarzer kanzelt den Berliner Rapper ab für seine Songs und seine Haltung gegenüber Frauen - einschließlich seiner Mutter. Auch CSU-Chef Horst Seehofer und Filmproduzent Bernd Eichinger bekommen ihr Fett weg.

Wer sich mit Frauenrechtlerin Alice Schwarzer anlegt, der muss ihr geistig gewachsen sein und einstecken können. Egal ob Frau, wie einst Verona Pooth, oder Mann – wie jetzt Bushido. Der Berliner Rapper, der früher Schlagzeilen machte mit menschenverachtenden Songs, versucht seit Neuestem einen auf Anzugträger zu machen. Schließlich hat er Umgang mit Bernd Eichinger, mit Hannelore Elsner und Moritz Bleibtreu, die sein Leben verfilmen. Den Stinkefinger zeigt er seither nicht mehr regelmäßig, aber der Antrieb zu Unverschämtheiten ist ungebrochen.

Bushido hatte sich kürzlich im Gespräch mit einem Internet-Video-Portal ein Interview mit der Feminismus-Ikone ausgemalt, das er mit den Worten beschließen wolle: „Ey, F….! F… dich ins Knie!“

„Zeiten ändern dich“, heißt der Film, in dem sich Bushido selbst spielt. Doch in seinem Kopf ist das Proletentum verankert, aus dem er zu fliehen versuchte. Am Wochenende, ausgerechnet auf einem Gynäkologie-Kongress, wunderte sich Alice Schwarzer, warum Bushido zu feige sei, auf ihren offenen Brief zu antworten, den sie auf ihrer Homepage veröffentlichte. Und mit dem sie ihm doch so köstlich den Spiegel vorgehalten und vielen Deutschen aus der Seele gesprochen hat. „Hey Bushido, als ich dich vor drei Jahren in meine Talkshow einlud, um mit dir über deine kruden und menschenverachtenden Songs zu reden, da hast du gekniffen.“ So beginnt Schwarzer ihren Brief an Bushido.

Bezeichnend: Schwarzer wählt das „du“ als Anrede, nicht das respektvollere „Sie“. „Das Fass mit mir machst du jetzt auf, weil dein Film läuft. Und da kannst du jede Werbung gebrauchen. Was läge da näher als ein öffentlicher Fight mit Alice Schwarzer? Ich tu dir den Gefallen aber nicht. Ich kann dich nicht ernst nehmen. Du redest viel von Ehre und Respekt, aber du redest davon, wie der Blinde von der Farbe. Und jetzt ist es dir noch nicht einmal zu blöd, für deinen PR-Gag auch noch obszön über deine eigene Mutter zu labern. Dabei liebst du sie angeblich so. Nicht zuletzt, weil sie ein Leben lang zu bedingungslos zu dir gehalten hat.“

Dann wird Schwarzer noch deutlicher in der Formulierung dessen, was sie über Bushido denkt: „Ja, schon klar. Du bist irgendwie zerrissen. Zwischen dieser deutschen, ergebenen Mutter und diesem tunesischen, abwesenden Vater. Der schwach war – aber stark genug, deine Mutter regelmäßig zu verprügeln. Und welche Lehren hast du als Muttersohn daraus gezogen? Die gewalttätigen Männer zu verachten? Im Gegenteil. Du identifizierst dich mit dem Täter! Auch du verachtest die Frauen. Wir sind für dich nur F…., die man von hinten f…..!“

Er sei in Wahrheit nie von Mutters Rockzipfel weggekommen. „Jetzt gehst du also Mainstream in Berliner Salons, trägst steingraue Edeljackets und dinierst mit deiner Filmmutti Hannelore Elsner im Borchardt oder machst Smalltalk mit CSU-Seehofer. Der hält dich vermutlich, ganz wie dein midlifekrisender Filmproduzent Eichinger, für ein Sesam-öffne-dich zur rebellischen Jugend. Du bist aber nur ein kleinbürgerlicher Spießer!“

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.