Milliardärin Bettencourt

Entmündigte L'Oréal-Erbin will ins Ausland fliehen

Die 88-jährige L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt leidet angeblich unter Demenz und Alzheimer. Jetzt wird sie entmündigt. Doch damit ist das Drama noch nicht vorbei.

Eine alternde Milliardärin, geldgierige Berater, vermeintliche Freunde, Neid und Intrigen: Der Familienstreit, der seit Monaten hinter den sonst so makellosen Kulissen des französischen Kosmetikkonzerns L'Oréal tobt, hat alle Zutaten für ein Hollywood-Drama. Doch ein Happy End ist bisher nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Denn entmündigte ein Gericht in Courbevoie bei Paris Konzernerbin Liliane Bettencourt. Die reichste Frau Frankreichs, deren Vermögen das amerikanische Magazin „Forbes“ auf 17 Milliarden Euro schätzt, darf künftig nicht mehr alleine entscheiden.

Bettencourt, die am Freitag ihren 89.Geburtstag feiert, leidet einem medizinischen Gutachten zufolge unter Demenz und Alzheimer. Sie wurde nun unter die Vormundschaft ihres ältesten Enkels Jean-Victor Meyers gestellt. Die Verwaltung des Vermögens und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben bei dem weltgrößten Kosmetikkonzern, an dem sie 30 Prozent hält, übertrug das Gericht ihrer Tochter Françoise Meyers und deren Söhnen Jean-Victor und Nicolas.

Bettencourt will gegen Urteil ankämpfen

Bettencourts Anwälte kündigten an, gegen die Entscheidung in Berufung gehen zu wollen. Sie zweifeln die Rechtmäßigkeit des medizinischen Gutachtens an.

Nachdem sich die L'Oréal-Erbin mehrfach geweigert hatte, sich freiwillig einer entsprechenden Untersuchung zu unterziehen, hatte nämlich ein Gericht eine Zwangsuntersuchung angeordnet. Die Gutachter hatten Bettencourt deshalb im Juni einen Überraschungsbesuch abgestattet.

Nach Informationen der Tageszeitung „Le Monde“ konnte die alte Dame dabei mehrere Fragen des Tests nicht beantworten. Die Gutachter stellten fest, dass sie unter Alzheimer und Sprachstörungen leidet und teilweise desorientiert ist.

Dennoch gibt sich Bettencourt in der Öffentlichkeit immer noch kampfbereit. In der Sonntagszeitung „ Le Journal du Dimanche “ drohte sie bereits an, sie werde sich ins Ausland absetzen, sollte sie unter Vormundschaft gestellt werden. Ihre Tochter sei schuldig an all den Problemen. „Sie rühren daher, dass sie meine Stelle einnehmen will. Aber ich bin noch da. Ich fühle mich sehr wohl an meinem Platz“, erklärte sie. Denn sie sei von guter Gesellschaft umgeben. Genau das jedoch zweifelt Bettencourts Tochter Françoise Meyers an.

Sie argwöhnt bereits seit Langem, dass vermeintliche Freunde und Berater die Schwäche ihrer Mutter ausnutzen. Die beiden Frauen fechten deshalb seit Jahren einen erbitterten Streit in aller Öffentlichkeit aus. Ausgelöst wurde er durch den Fotografen François-Marie Banier , dem Bettencourt Geschenke im Wert von insgesamt rund einer Milliarde Euro vermachte: Gemälde, Immobilien, Schecks und Lebensversicherungen.

Mehrere Versuche der Entmündigung

Meyers hatte deshalb bereits in der Vergangenheit mehrfach versucht, ihre Mutter entmündigen zu lassen. Im Dezember dann hatten sich die beiden streitlustigen Damen wieder versöhnt und ein Friedensabkommen geschlossen. Im Juni jedoch stellte Meyers erneut einen Antrag auf Vormundschaft, da sie nun Pascal Wilhelm, einen Rechtsanwalt Bettencourts, verdächtigte, die Schwäche ihrer Mutter auszunutzen. Er soll die Milliardärin überredet haben, 140Millionen Euro in das Online-Glücksspiel-Unternehmen eines anderen Mandanten zu investieren.

Die diversen Prozesse, die sich Bettencourt und ihre Tochter lieferten, lösten in Frankreich gleich mehrere Affären aus, die auch die konservative Regierung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Bedrängnis brachten. Die Milliardärin soll die konservative Regierungspartei UMP während der letzten Präsidentschaftswahlen 2007 mit illegalen Parteispenden in Höhe von 150.000 Euro unterstützt haben . Ein Gericht in Bordeaux befasst sich inzwischen mit den Vorwürfen. Zudem soll die Polizei im Auftrag des Innenministeriums Journalisten von „Le Monde“ bespitzelt haben, die sich mit den Vorfällen befassten.

In Frankreich gilt der Familienzwist jedoch noch aus einem anderen Grund als brisant. Die Regierung fürchtet, dass der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé den Streit nutzen könnte, um sich L'Oréal einzuverleiben. Französische Politiker wollen jedoch mit allen Mitteln verhindern, dass der Kosmetikkonzern in ausländische Hände fällt. Nestlé ist der zweitgrößte Aktionär von L'Oréal und hat sich in einem Abkommen eigentlich verpflichtet, seinen Anteil nicht zu erhöhen oder zu verkaufen, so lange Bettencourt lebt.

Die dürfte jedoch nicht so schnell aufgeben. „Es wäre ein Albtraum, wenn ich von meiner Tochter abhängig wäre. Dann könnte ich nicht mehr schlafen.“

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