Hartmut Engler ist entspannt und hat gute Laune. Obwohl sein Flugzeug wegen der Schneemassen mit Verspätung in Berlin ankam und er bereits den ganzen Vormittag Interviews zur neuen CD „Pur: Live – Die Dritte“ gibt, kann den 49-jährigen Sänger so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Nächstes Jahr feiert der Musiker aus dem schwäbischen Bietigheim-Bissingen nicht nur seinen 50. Geburtstag, sondern auch das 30-jährige Bühnenjubiläum seiner Band Pur.
„Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es unsere Band so lange geben wird“, sagt der 49-Jährige nicht ohne Stolz. „Wir haben als kleine Schülerband angefangen und hatten das bescheidene Ziel, ein paar Jahre lang professionell Musik zu machen. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Ehrgeiz hatten, denn sonst wäre ich heute vermutlich ein frustrierter Lehrer, der jeden Morgen vor seiner Klasse steht und sich fragt: 'Warum bin ich nicht Musiker geworden?“, erzählt Engler.
Das Anglistik- und Germanistikstudium in Stuttgart brach er vor dem ersten Staatsexamen ab, weil „Pur“ einen Plattenvertrag bekamen. Heute gehört die Band zu den erfolgreichsten Musikgruppen Deutschlands. „Die Highlights waren für mich immer die ersten Male: Das erste Konzert, der erste Song im Radio, die erste goldene Schallplatte“, berichtet Engler. „Pur“ begeistern mit ihrer Musik die Menschen. Ihre Hits wie „Lena“ oder „Funkelperlenaugen“ stürmen die Hitparaden und sind bis heute Klassiker im Repertoire der Band, die Stadien wie die Arena auf Schalke mit ihren Fans füllt.
Doch der musikalische Höhenflug fordert auch seinen Tribut. „Mitte der 90er-Jahre gab es eine Zeit, in der ich über hundert Kilo gewogen habe. Ich war nicht fit, habe kaum Sport getrieben. Heute achte ich auf meine Ernährung und gehe regelmäßig joggen“, berichtet Engler. Auch privat musste der Sänger Rückschläge verkraften. 2003 trennte er sich von Ehefrau Claudia Gassow, mit der er zwei Söhne hat. Die darauf folgende Beziehung mit Schweizer Sängerin Nubya geht 2008 in die Brüche. Engler gerät in eine schwere Krise, bekommt Depressionen, trinkt zuviel Alkohol.
„Ich war nie Alkoholiker“, stellt der Sänger klar. „Sondern ich hatte eine Depression. Zu der Zeit war einfach alles zu viel, auch der Alkohol. Aus dieser Phase wollte ich wieder raus. Ich wollte wieder lachen können“. Nach einem Klinikaufenthalt geht es für den Musiker wieder bergauf. Geholfen haben Engler Freunde und seine neue Liebe Katrin, mit der er seit 2009 glücklich ist. Gemeinsam mit seinen Söhnen feiern sie Weihnachten in der schwäbischen Heimat. „Und dann geht es in die Sonne. Silvester feiern wir unter Palmen“. Steffi Staiger




