Wissenschaft

Vulkanausbruch auf Hawaii gibt Forschern Rätsel auf

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Vulkan auf Hawaii spuckt weiter Lava

Vulkan auf Hawaii spuckt weiter Lava

Der Vulkan Mauna Loa auf Hawaii ist am Sonntag ausgebrochen und spuckt seither Asche und Lava in den Himmel. Menschen sind nicht unmittelbar gefährdet durch den Ausbruch.

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Der Mauna Loa auf Hawaii spuckt seit Tagen Feuer. Doch wie es überhaupt zu dem Vulkanausbruch kommen konnte, lässt Forscher rätseln.

Berlin/Honolulu. Er gilt als einer der größten Vulkane der Welt und spukt derzeit wieder Feuer: der Mauna Loa auf Hawaii. Seit Tagen strömt Lava aus dem Berg. Doch wie es dazu kommen konnte und warum es auf Hawaii überhaupt Vulkane gibt, ist noch immer nicht endgültig geklärt. Nun wollen Forscherinnen und Forscher den Ausbruch nutzen, um mehr über den Feuerberg und die Entstehung der Inselgruppe zu erfahren.

Vulkanausbruch auf Hawaii: Forscher rätseln über Entstehung

Der Kern ihrer Forschung ist die Tatsache, dass sich die Vulkane auf Hawaii grundlegend von denen an vielen anderen Orten der Welt unterscheiden. Denn meist liegen die Feuerberge dort, wo die Platten der Erdkruste aufeinandertreffen. An diesen Stellen kann heißes Magma, wie Lava vor dem Austritt an der Erdoberfläche bezeichnet wird, nach oben steigen und so Vulkane bilden. Auch interessant:

Der US-Bundesstaat Hawaii liegt aber weit von einer solchen Plattengrenze entfernt. Wie ist es also möglich, dass auf den Inseln dennoch zahlreiche Vulkane gibt, die sogar für die Entstehung der Inselgruppe verantwortlich waren? Wie findet das Magma seinen Weg an die Erdoberfläche, wenn diese doch eigentlich durch die Erdkruste vom flüssigen Gestein im Erdinneren abgeschirmt wird?

Hotspot-Theorie soll Vulkanismus auf Hawaii erklären

Eine mögliche Erklärung, die heute in der Wissenschaft als anerkannt gilt, fand in den 1960er Jahren der kanadische Geophysiker und Geologe John Tuzo Wilson. Seine Theorie: Hawaii befindet sich über einem sogenannten Hotspot. Lesen Sie auch: Vulkan Stromboli in Italien ausgebrochen – Warnstufe erhöht

Dabei handelt es sich um Schwachstellen in der Erdkruste, an denen besonders heißes Material aus dem Erdinneren aufsteigt und die Kruste langsam zum Schmelzen bringt. Mit der Zeit bilden sich so Kanäle, über die das Magma die Erdoberfläche erreicht – es bilden sich Vulkane.

Auch bei den Kanarischen Inseln oder den Azoren geht man davon aus, dass sie durch solche Hotspots entstanden sind. Und selbst unter Deutschland, genauer gesagt unter der Eifel, könnte es einen Hotspot geben. Das Problem: Ihre Existenz lässt sich kaum endgültig beweisen, da es bisher nicht möglich ist, Einblicke ins Erdinnere zu erhalten. Mehr zum Thema: Forscher halten Vulkanausbrüche in der Eifel für möglich

Vulkane auf Hawaii: Inselgruppe soll über Hotspot liegen

Sehr wohl möglich ist es dagegen, Forschung an der Erdoberfläche zu betreiben. Dadurch wurden zahlreiche Hinweise gesammelt, die die Hotspot-Theorie untermauern. Und auch im Fall von Hawaii deuten die Ergebnisse seismischer Messungen darauf hin, dass die Inselgruppe über einem Hotspot liegt.

Videografik: Wie es zu Vulkanausbrüchen kommt
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Die erhobenen Daten geben Aufschluss über winzige Erschütterungen im Erdinneren, aus denen sich Erkenntnisse über Magmaströmungen ableiten lassen. Weitere Informationen im Puzzle der Hotspot-Theorie liefern Satelliten, die selbst minimale Höhenveränderungen an der Erdoberfläche registrieren. Zusammen helfen beide Methode, Vulkanausbrüche vorherzusagen.

Das war auch im Fall des Mauna Loa möglich gewesen. Bereits Tage, bevor das Magma die Erdoberfläche erreichte, wurde auf Hawaii eine entsprechende Warnung ausgegeben. Nicht vorhersagen lässt sich derzeit allerdings, wie lange der Ausbruch dauern wird.

Wissenschaftler nutzen Vulkanausbruch auf Hawaii für Forschung

Wenn es nach den Forscherinnen und Forschern auf der Inselgruppe geht, dürfte er wohl noch einige Zeit dauern – zumal die Gefahr für Menschen derzeit äußerst gering ist. Denn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen den Ausbruch, um weitere Daten über den Vulkanismus auf Hawaii zu sammeln und so dessen Ursachen endgültig zu klären.

So fehlen derzeit noch Informationen, um die Hotspot-Theorie weiter zu untermauern. Immer wieder gibt es Zweifel an dem Ansatz. Zwar lässt sich durch Satellitentechnik ein Magma-Reservoir unter Hawaii ausmachen. Ein genaues Bild von den Magmaströmungen unter dem Mauna Loa konnten sich Forschende bisher aber nicht machen. Auch interessant: Forscher warnen vor Vulkanausbruch auf den Kanaren

Während des Ausbruchs könnte sich das ändern. Denn dabei entsteht unter der Erde so viel Bewegung, dass sie gut messbar wird. Letztlich können die Daten dann dazu beitragen, vulkanische Aktivitäten noch besser zu verstehen und Ausbrüche genauer vorherzusagen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.