Benzinpreis

Tankrabatt endet: Das kommt ab September auf Autofahrer zu

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Sebastian Kohler
Ende des Tankrabatts: Was Autofahrer bald erwartet

Ende des Tankrabatts: Was Autofahrer bald erwartet

Das Ende des Tankrabatts naht und Sprit droht, wieder teurer zu werden.

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Nur noch bis Monatsende läuft der Tankrabatt. Die Spritpreise steigen bereits seit Tagen wieder, aber wann kommt der große Preissprung?

Berlin. Der Tankrabatt ist neben dem 9-Euro-Ticket eine der großen Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation. Ab dem 1. September entfällt allerdings die Ermäßigung für Kraftstoffe und Autofahrer müssen sich wieder auf steigende Spritkosten gefasst machen. Doch bereits jetzt registriert der ADAC eine "spürbare" Preissteigerung. Als sicher gilt, dass die Spritkosten steigen.

Wie hoch die Kosten für Benzin und Diesel klettern, hängt von mehreren Faktoren ab. Vieles spricht dafür, dass ein besonders großer Preissprung vorerst ausbleibt. Aber es gibt auch Warnsignale.

Rein rechnerisch sparen sich Autofahrer pro Liter Benzin noch bis Monatsende 35,2 Cent beziehungsweise 16,7 Cent beim Diesel. Schienen die Mineralölkonzerne zum Zeitpunkt der Senkung auf Kraftstoffsteuer und Mehrwersteuer Anfang Juni die Gewinne noch in die eigene Tasche zu stecken, sanken die Verbraucherpreise nach einem Aufschrei von Politik und Verbraucher Mitte des Monats deutlich.

Doch bereits zwei Wochen vor dem Auslaufen der Vergünstigungen zogen die Preise wieder an. Warum?

Tankrabatt: Benzin und Diesel kosten ab September wieder mehr

Ein Grund ist die gesteigerte Nachfrage. Viele Autofahrer sehen derzeit die Chance, den Tank noch einmal zu vergünstigten Konditionen vollzumachen. In den vergangenen zwölf Tage legten Benzin E5 und E10 infolgedessen um durchschnittlich sechs Cent pro Liter zu, der Diesel kletterte sogar um rund 12 Cent.

Addiert man die wieder einsetzenden Steuern zu den aktuellen Durchschnittspreisen, müssten Autofahrer kommenden Monat 2,18 Euro für Benzin beziehungsweise 2,05 Euro für E10 sowie 2,14 Euro für den Liter Diesel zahlen.

In diesen Ländern ist Tanken diesen Sommer teuer
In diesen Ländern ist Tanken diesen Sommer teuer

Neben dem großen Ansturm auf Shell, Aral und Co. ist die Entwicklung des Rohölpreises für die jüngste Preissteigerung verantwortlich. Um 10 Dollar zog der Weltmarktpreis an. Die gesteigerte Nachfrage könnte bis Monatsende sogar noch einmal zulegen. So warnt der Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen UNITI vor langen Wartezeiten an der Zapfsäule und Kraftstoffengpässen.

Große Nachfrage – Spritpreise legen bereits jetzt zu

Günstige Prognosen gehen davon aus, dass die Preise nicht sofort zu Septemberanfang sprunghaft steigen. Der Grund dafür ist derselbe, weshalb es im Juni einige Tage dauerte, bis die Reduktion im Juni beim Verbraucher ankam: Noch sind die Speicher der Mineralölunternehmen gefüllt – und zwar zu den Einkaufspreisen mit Steuererleichterung. Der Wettbewerbsdruck könnte auch bis in die erste Septemberwoche hinein für eine moderate Spritpreisentwicklung sorgen.

Wie "Bild" berichtet, geht der Branchenverband Fuels & Energie (en2x) allerdings vom Gegenteil aus. Wegen des aktuell großen Ansturms könnten sich die Kraftstoffdepots schneller leeren als üblich und der große Preissprung bereits zu Monatsanfang den Geldbeutel belasten.

Mineralölkonzerne wirtschaften in die eigene Tasche

Optimisten verweisen dagegen auf die Prognose der OPEC. Der Verband der erdölfördernden Länder hat die Kalkulation für die Nachfrage bereits zum dritten Mal in Folge nach unten korrigiert, was zu Vergünstigungen führt. Grund für die negativen Aussichten ist die weltweit schlechte Wirtschaftskonjuktur und damit eine schwindende Nachfrage.

Obwohl die Kurve auf dem Markt wieder nach oben zeigt, liegt der Preis für das Barrel Öl bei etwa 92 Dollar – deutlich unter dem Stand von Juni. Ein Anlass zur Hoffnung also. Kritiker sehen darin aber auch den Beweis, dass die Mineralölkonzerne den Tankrabatt zum Teil doch in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Branche macht Rekordgewinne auf dem Rücken der Verbraucher

Ein weiteres Indiz hierfür sind die Rekordgewinne, die die Branche in den Krisenzeiten einheimsen konnte. Wie die ADAC-Sprecherin Katharina Lucà der "Augsburger Allgemeinen" sagte, haben sich die Gewinnmargen in der Branche seit Jahresbeginn "verfünffacht". Auch der Automobilclub gibt zu, das Zustandekommen der Kraftstoffpreise nicht vollends nachvollziehen zu können.

Entmutigend ist außerdem eine Ankündigung der Bundesbank. Sie rechnet mit einer zweistelligen Teuerung im Herbst im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum. Infolgedessen könnte die Preisschraube auch an der Zapfsäule wieder schneller rotieren und zu neuen Rekordpreisen beitragen.

Niedrigwasser im Rhein sorgt für horrende Preise im Süden

Auch die Klimakrise schlägt sich deutlich auf den Spritpreis nieder. Zumindest im Süden Deutschlands sorgt die anhaltende Dürre für höhere Spritpreise. Aufgrund des Niedrigwassers im Rhein leidet die Binnenschifffahrt. Einkäufer müssen sich mit kleineren Ladungen begnügen und obendrein noch Strafzahlungen seitens der Schifffahrtbetriebe in Kauf nehmen.

Die Tankstellenbetreiber geben die gesteigerten Logistikkosten schon jetzt an die Endverbraucher weiter. Wie der "Stern" berichtet, rufen einzelne Tankstellen im Münchener Stadtgebiet für Diesel bereits Preise jenseits von 2,14 Euro auf, während Berliner Autofahrer mit 1,88 Euro noch gut bedient sind.

Wann tankt man am günstigsten?

Die Preisschere macht sich innerhalb der Republik nicht nur im Nord-Süd-Gefälle bemerkbar, sondern weist auch innerhalb eines Tages Schwankungen auf. Am meisten kostet der Sprit zur morgendlichen Stoßzeit um 7 Uhr. Wer dagegen zwischen 19 und 21 Uhr tankt, beweist einer Auswertung des ADAC zufolge ein gutes Timing.

Sparer sollten einen großen Bogen um Autobahntankstellen und Autohöfe machen. Bis zu 30 Cent weniger kostet der Liter abseits von Autobahnen. Trotzdem können sich deutsche Autofahrer im europäischen Vergleich glücklich schätzen. Gemessen an der Kaufkraft zahlen Konsumenten fürs Tanken nur in Österreich, Belgien, der Schweiz und Luxemburg weniger.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.