Geld

Inflation in Deutschland: Was bedeutet der Preisanstieg?

| Lesedauer: 6 Minuten
Was passiert bei einer Inflation?

Was passiert bei einer Inflation?

In den USA liegt die Inflationsrate mit über 4 Prozent so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Experten warnen auch in Deutschland vor einer Inflation als Folge der Pandemie. Was Inflation bedeutet, sehen Sie im Video.

Beschreibung anzeigen

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind bereits höher als ein Jahr zuvor. Wie funktioniert Inflation und welche Rolle spielen Löhne?

Berlin. Die Inflationsrate in der Eurozone steigt: Die Verbraucherpreise waren auch im Juni höher als im Vorjahresmonat. Die Europäische Zentralbank (EZB) geht von einem temporären Phänomen aus - trotzdem sind viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Sorge, dass ihre Ersparnisse bald zunehmend an Wert verlieren könnten.

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stieg die Jahresteuerungsrate im Juni 2021 in Deutschland auf 2,3 Prozent. Im Mai lag sie gar bei 2,5 Prozent. Das war den Angaben zufolge der höchste Stand seit September 2011 mit damals ebenfalls 2,5 Prozent. Im April 2021 hatte die Rate noch bei 2,0 Prozent gelegen und im März bei 1,7 Prozent.

Wie es konkret zu einer Inflation kommt, ist vielen Menschen allerdings nicht so ganz klar. Wie lautet die Definition? Welche Rolle spielen Löhne? Was ist Hyperinflation? Und wer ist von einem Anstieg des Preisniveaus besonders betroffen? Die wichtigsten Begriffe und Fakten zur aktuellen Situation.

Was versteht man unter Inflation?

Der Begriff Inflation stammt aus dem Lateinischen, inflare bedeutet aufblasen - und damit ist der Anstieg des Preisniveaus gemeint. Der Duden definiert Inflation als eine "anhaltende allgemeine Erhöhung des Preisniveaus und dadurch bedingte[n] Rückgang der Kaufkraft einer Währung". Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Die Preise steigen, das Geld verliert an Wert.

Inflation: Was ist die Lohn-Preis-Spirale?

Für das Entstehen einer Inflation ist die Geldmenge innerhalb einer Volkswirtschaft maßgeblich. Zu einer Inflation kann es etwa kommen, wenn gegenüber der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge eine zu große Menge an Geld vorhanden ist, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erklärt. Wenn die gesamtwirtschaftliche Güternachfrage das gesamtwirtschaftliche Güterangebot übersteigt und es nicht kurzfristig erhöht werden kann, kommt es zu einem Anstieg des Preisniveaus, also zur Inflation.

Daraufhin steigen auch die Löhne, etwa durch Forderungen der Gewerkschaften: Die Menschen haben dann mehr Geld, die Nachfrage nach Gütern wächst. Doch die Unternehmen haben durch die höheren Löhne steigende Kosten zu verzeichnen, was eine erneute Preissteigerung der Güter mit sich zieht - und dazu treibt die gestiegene Nachfrage die Preise zusätzlich in die Höhe. Die Löhne werden anschließend erneut erhöht. Dieser sich selbst hochschaukelnde Vorgang wird Lohn-Preis-Spirale genannt. Er führt dazu, dass sich eine Inflation ständig selbst verstärken kann.

Deutet der Anstieg einzelner Preise auf Inflation hin?

Nein. Werden einzelne Produkte kurzfristig teurer, spricht man nicht von einer Inflation, wie die Deutsche Bundesbank schreibt. Vielmehr geht es um das Preisniveau, den Durchschnitt aller Preise.

Was bedeuten Begriffe wie Inflationsrate oder Hyperinflation?

Je nach Geschwindigkeit kann von unterschiedlichen Formen der Inflation gesprochen werden, die anhand der Inflationsrate gemessen werden. Die Inflationsrate bezeichnet der bpb zufolge den prozentualen Anstieg des Preisindexes innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

  • Schleichende Inflation: Die Preise steigen in einem sehr langsamen, kaum merklichen Tempo.
  • Trabende Inflation: Die Inflation schreitet etwas schneller voran, die Rate liegt der herrschenden Meinung zufolge laut bpb zwischen 10 und 20 Prozent.
  • Galoppierende Inflation: Die Preise steigen sehr schnell, es sind Inflationsraten von über 20 Prozent zu verzeichnen.
  • Hyperinflation: Die Preissteigerungen sind enorm. Inflationsraten können 50 Prozent oder mehr betragen.

Wer ist von einer Inflation besonders betroffen?

Von den Folgen einer Inflation sind besonders die Personengruppen betroffen, deren Einkommen nicht an das steigende Preisniveau angepasst wird. Darunter fallen beispielsweise auch Bezieherinnen und Bezieher von Sozialleistungen oder Rentnerinnen und Rentner. Die Deutsche Bundesbank definiert Preisstabilität als "wichtigstes Ziel" des Eurosystems, um die Kaufkraft des Geldes zu erhalten.

Wie wirkt sich Inflation auf Sparen aus?

Bei einer Inflation verlieren Ersparnisse an Wert, wenn zu Anlageoptionen mit niedrigen Zinsen gegriffen wurde. Dies ist nicht nur beim Sparbuch der Fall, sondern auch bei den meisten Tages- und Festgeldkonten: Selbst hohe Geldbeträge werfen hier kaum Zinsen ab. Ein Vermögen, das beispielsweise über viele Jahre zur Altersvorsorge angespart wurde, könnte dann nicht mehr ausreichen. Aus diesem Grund greifen viele Menschen mittlerweile zu Geldanlageformen wie ETFs.

Kommt es 2021 wegen Corona zu einer Inflation?

Die Inflation in der Eurozone ist gestiegen: Im April 2021 lagen die Verbraucherpreise 1,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg laut einer zweiten Schätzung mitteilte. Im März hatte die Inflationsrate in den Ländern mit der Eurowährung noch bei 1,3 Prozent gelegen.

Das Inflationsziel der EZB beträgt mittelfristig knapp zwei Prozent und rückt bereits zunehmend in Reichweite. Doch Analysen deuten darauf hin, dass es in den kommenden Monaten merklich übertroffen werden könnte. Die EZB hat bereits angekündigt, ihre Geldpolitik wegen des Preisanstiegs zunächst nicht ändern zu wollen. Sie betrachtet den stärkeren Preisauftrieb als temporäres Phänomen.

Auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, ist sich sicher, dass in diesem Jahr die Inflationsraten weiter steigen werden: "Nach dem coronabedingten Preisdämpfer im letzten Jahr gibt es nun aufgrund von Impferfolgen und Lockerungen preistreibende Sondereffekte", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Wie steht es um die Inflation in den USA?

Besonders in den USA wächst aktuell die Angst vor höheren Preisen: Die Inflation hat dort im April verhältnismäßig stark zugelegt. Die Verbraucherpreise stiegen um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat - dabei handelt es sich um die höchste Inflationsrate seit September 2008. Sie übertraf selbst die Erwartungen von Ökonominnen und Ökonomen.

Bei der Preisentwicklung in den USA spielen allerdings Sonderfaktoren eine Rolle - das Preisniveau war im April des Vorjahres wegen der Corona-Krise stark eingebrochen. "Ob die Inflation dauerhaft anzieht, hängt nach unserer Einschätzung vor allem vom wichtigsten Kostentreiber, dem Lohndruck, ab", kommentieren Experten der Commerzbank die Lage gegenüber der dpa. "Dieser fällt wegen der immer noch relativ hohen Arbeitslosigkeit bisher moderat aus."

(mit dpa)