Feuchttücher

London: Riesige Abfall-Insel aus Feuchttüchern in der Themse

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In der Nähe der Hammersmith-Brücke in London wächst eine Müllinsel.

In der Nähe der Hammersmith-Brücke in London wächst eine Müllinsel.

Foto: IMAGO / agefotostock

Eine Müllinsel aus Feuchttüchern: In der Nähe der Hammersmith-Brücke in London sammelt sich feuchtes Toilettenpapier. Kommt ein Verbot?

London. Ungewöhnlicher Anblick mitten in Großbritanniens Hauptstadt: Am Rand der Themse in London wächst eine kleine Insel – die allerdings nicht aus Sand oder ähnlichem, sondern aus Feuchttüchern besteht.

In der Nähe der Hammersmith-Brücke sammelt sich das feuchte Toilettenpapier an, das von Bürgern in der Toilette heruntergespült wird. Die Konsequenz der falschen Entsorgung der Tücher ist erschreckend: Die Insel ist mittlerweile so groß wie zwei Tennisfelder, Tendenz schnell steigend. Nun beschäftigt sich bereits die Politik mit der Situation.

Feuchttücher: Abfall-Insel beeinflusse Strömung

Labour-Abgeordnete Fleur Anderson wandte sich bei einer Anhörung im englischen Parlament an die Kollegen. "Ich war dort und habe darauf gestanden. Sie ist in der Nähe der Hammersmith-Brücke in der Themse. Sie ist mehr als einen Meter hoch. Und sie besteht nur aus Feuchttüchern", berichtete sie.

Durch den Anstieg der Bevölkerung in London wird das Abwassernetz immer wieder überlastet. In der Folge werden die Abwasser in die Themse abgeleitet.

Besorgniserregend: Der feuchte Papierklumpen, der täglich größer werde, beeinflusse sogar die Strömung und den Flusslauf an dieser Stelle, wie eine Umweltgruppe vor kurzem herausgefunden habe.

"Fettberge" verstopfen Kanalisation

Feuchtes Toilettenpapier entwickelt sich in Großbritannien zunehmend zu einem Problem. In England werden jedes Jahr über elf Milliarden Tücher verbraucht – und danach in der Toilette heruntergespült. Die Folgen zeigen sich offenbar nicht nur anhand der Londoner Abfall-Insel. So berichtete Anderson, dass auch die Zahl der an Stränden gefunden Feuchttücher deutlich gestiegen sei. Während es 2005 noch 1,7 Tücher auf 100 Metern Strand gewesen seien, sei diese Zahl bis 2020 mit 18 Tüchern um mehr als das Zehnfache gestiegen.

Auch die sogenannten "Fettberge" hätte erheblich zugenommen. So seien Rohre mit meterlangen Wülsten aus Fett, Haaren und Exkrementen verstopft, die laut britischer Presse regelmäßig herausgezogen werden müssten. Dabei handle es sich bei den plastikhaltigen Feuchttüchern um eine der Hauptursachen der Ansammlungen. Anders als herkömmliches Toilettenpapier löst sich dieses nämlich nicht im Wasser auf.

Umweltschutz: Neues Gesetz soll Feuchttücher verbieten

Ein neuer Gesetzesvorschlag, den Anderson eingereicht hat, soll die Tücher in der jetzigen Form verbieten. Die meisten Tücher enthielten schließlich Plastik und gehörten trotz des aufgedrückten Hinweises, dass man sie durchaus in der Toilette herunterspülen könne, in den Abfalleimer. Da die Bürger diese dennoch nicht in Mülleimern entsorgen, sehe Anderson nun die Notwendigkeit für ein Verbot.

Einige britische Hersteller reagierten bereits und fertigen ihre Produkte nun aus Bambus oder anderen Pflanzenfasern an. Sollte das Gesetz beschlossen werden, müssen auch alle weiteren Firmen nachziehen. Am 19. November soll über das Gesetz abgestimmt werden. (day)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.