Ex-Präsident

Bill Clinton wird 75: Der steinige Weg des Ex-Präsidenten

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Dirk Hautkapp
Bill Clinton bei einer Buchvorstellung 2018 in Florida: Der Ex-Präsident kann sich über lukrative Verträge freuen.

Bill Clinton bei einer Buchvorstellung 2018 in Florida: Der Ex-Präsident kann sich über lukrative Verträge freuen.

Foto: NurPhoto / NurPhoto via Getty Images

Bill Clinton sorgte als Präsident für wirtschaftlichen Aufschwung – und zog sich aus jeder Affäre. Jetzt wird der Mann aus Arkansas 75.

Washington. Der Start verhieß gar nichts Gutes. William Jefferson Blythe III. wurde am 19. August 1946 im 6000-Einwohner-Kaff Hope (wie Hoffnung – was für eine Ironie) im Südwesten des damals bitterarmen Bundesstaates Arkansas in prekäre Lebensverhältnisse hineingeboren.

Der leibliche Vater William Jefferson Blythe jr., der aus diversen früheren Ehen mindestens zwei weitere Kinder hatte, starb bereits drei Monate vor der Geburt des Sohnes bei einem Verkehrsunfall. Mutter Victoria musste sich finanziell allein durchschlagen und ließ ihren Spross bei den Großeltern zurück.

Bis sie mit Roger Clinton zusammenkam. Dessen Familiennamen nahm „Little Billy“ 1950 an. Der Mann war Alkoholiker reinsten Wassers. Und zuweilen gewalttätig. Widrige Ausgangsposition. Aber Bill Clinton rettete sich, wie auch im späteren Leben, sozusagen selbst. Mit Büchern, dem Saxofon. Und mit der Fähigkeit, jederzeit Menschen für sich einzunehmen. Freunde wie Feinde.

Aus diesem Holz werden amerikanische Präsidenten geschnitzt. Mehr zum Thema:Viel Pathos, keine Einblicke: Das ist Bill Clintons Thriller

Bill Clinton feiert seinen 75. Geburtstag

Nummer 42 wird am 19. August 75 Jahre alt. Weil ihm Stipendien zuteil wurden, studierte Clinton Jura an den Eliteuniversitäten Harvard und Oxford. In der Unibibliothek traf er vor 50 Jahren „ein Mädchen mit dichtem blondem Haar, einem breitem Lachen und großem Selbstbewusstsein“ – Hillary Rodham.

Früh entdeckte Clinton sein politisches Talent. Es besteht bis heute aus der Begabung, Lebensmut zu spenden, auch wenn die realen Verhältnisse zum Himmel schreien. Mit seinem Markenzeichen – unverbesserliche Zuversicht – bewarb er sich 1974 als Demokrat um einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington, noch ohne Erfolg.

Als Entschädigung stattete ihn sein landwirtschaftlich-konservativer Heimatbundesstaat mit dem Gouverneursposten in Little Rock aus. Da war Clinton erst 32. 1975 heiratete er Hillary Rodham. 1980 kam Tochter Chelsea zur Welt.

Nur Kennedy war bei Amtsantritt jünger

Zwölf Jahre später, erst 44 Jahre alt, schlug er Amtsinhaber George H. W. Bush und zog ins Weiße Haus ein. Nur John F. Kennedy war jünger bei Amtsantritt. 2001 löste der andere Bush, George W., ihn ab.

In seiner Amtszeit ereignete sich nach dem Bankrott des Ostblocks ein gewaltiger Wirtschaftsboom. Es gelang Clinton, mit sparsamer Haushaltspolitik und sprudelnden Steuereinnahmen Etatüberschüsse zu erzielen, wo vorher dreistellige Milliardenlöcher klafften. Das schafft Respekt. Auch beim politischen Gegner, den Republikanern. Lesen Sie hier:Reiche Freunde der Clintons werden zum Problem im Wahlkampf

Die politisch-religiöse Rechte neidete dem Emporkömmling aus armen Verhältnissen aber Lebenslust und Liberalität. Sie schäumte geradezu, als Clinton auf die Frage, ob er schon mal Marihuana geraucht habe, keck antwortete: „Ich habe nicht inhaliert.“

Der Amtsenthebung nur knapp entkommen

Affären wie Troopergate und Whitewater setzten sich im kollektiven Bewusstsein fest. Noch fester später der Name Monica Lewinsky. Die Affäre mit der Praktikantin aus dem Weißen Haus wurde ihm fast zum Verhängnis.

Clinton konnte ein Amtsenthebungsverfahren wegen Falschaussage nur knapp vermeiden. In dieser Phase prägte sich sein Spitzname ein: „Comeback Kid“. Unkaputtbar. Viele Amerikaner wussten, dass sie einen Bruder Leichtfuß gewählt hatten. Aber sie verziehen ihm vieles. Auch interessant:Monica Lewinskys neue Sicht auf die Affäre mit Bill Clinton

Mit Buchverträgen und Rednerhonoraren (zeitweilig 350.000 Dollar für ein Stündchen) wurde Clinton durch Amt und Politik steinreich. Zu seinem 60. Geburtstag spielten die Rolling Stones auf.

15 Jahre später ist alles eine Kategorie gesetzter. „Wir feiern auf Long Island bei New York“, sagte Clinton, sichtlich gealtert, mit seiner markanten Reibeisenstimme neulich im Frühstücksfernsehen. Die wichtigsten Gäste: Gattin Hillary, Tochter Chelsea und die Enkelkinder.