Weltall-Tourismus

Bezos gegen Branson: Milliardäre starten Wettlauf ins All

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Tobias Eßer
Der reichste Mensch der Welt auf neuer Mission

Der reichste Mensch der Welt auf neuer Mission

Jeff Bezos gibt die Leitung des Online-Giganten Amazon ab. Der reichste Mensch der Welt will sich künftig stärker seinen Steckenpferden widmen: Wohltätigen Stiftungen und der Raumfahrt. In Kürze ist ein Flug ins All geplant. de Jeff Bezos, fondateur d'Amazon et propriétaire du Washington Post

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Drei Milliardäre suchen ihr Glück im Weltall. Richard Branson will am Sonntag den Anfang machen und in die Schwerelosigkeit fliegen.

Spaceport America/Van Horn. 
  • Am Sonntag geht es los: Milliardär Richard Branson will mit seinem Space Shuttle einen Testflug Richtung Weltall starten
  • Aber auch andere Konkurrenten stehen für die touristische Fahrt ins All in den Startlöchern
  • Alles über den Wettlauf der Milliardäre hier im Überblick

Der "Wettlauf ins All" (englisch: "Space Race") war ein zentraler Bestandteil des Kalten Krieges. Jahrzehntelang versuchten die USA und die Sowjetunion, sich gegenseitig mit neuen Rekorden im Weltall zu übertreffen. Der neue Wettlauf ins All spielt sich zwischen Privatpersonen ab - sehr reichen Privatpersonen, namentlich Jeff Bezos, Elon Musk und Richard Branson.

Alle drei sind Multimilliardäre und wollen das Weltall für Touristinnen und Touristen erreichbar machen. Und gerade der Plan von Richard Branson, am 11. Juli mit dem eigenen Raumschiff ins All starten zu wollen, dürfte dem Amazon-Gründer Jeff Bezos nicht so gut schmecken. Auch interessant: Bransons Kurztrip ins All: Hier sehen Sie den Flug live

Weltraumtourismus: Bezos, Musk und Branson wollen den Markt bestimmen

Denn Bezos wollte der erste der drei Unternehmer sein, der persönlich zu einem Flug ins All startet. "New Shepherd", die Rakete des Amazon-Gründers, hebt neun Tage nach Branson ab. Bei dem Wettstreit geht es nicht nur darum, das eigene Ego durch den ersten Weltraumflug der Multimilliardäre zu befriedigen. Lesen Sie auch: Raumfahrt: Russland will mit Atomreaktor zum Jupiter

Bezos, Musk und Branson kämpfen um die beste Ausgangsposition im Geschäft um den Massentourismus im Weltall. Und auch, wenn Branson nun zuerst ins All startet - eigentlich galt er mit seiner Firma Virgin Galactic nicht als Favorit auf den ganz großen Wurf.

Richard Branson startet vor Jeff Bezos ins All

Die Geschichte von Virgin Galactic ist gespickt mit Fehlschlägen. Im Jahr 2014 stürzte Richard Bransons "SpaceShipTwo" bei einem Testflug über Kalifornien ab, ein Pilot kam dabei ums Leben. Im Mai absolvierte das neue Raumschiff "VSS Unity" nach Angaben des Unternehmens einen erfolgreichen bemannten Weltraum-Testflug.

Virgin Galactics Raumschiff startete vom kommerziellen Weltraumbahnhof Spaceport America. Nachdem es vom Mutterschiff in etwa 14 Kilometern Höhe abgesetzt wurde, erreichte es mit eigenem Antrieb eine Höhe von 89,2 Kilometern. Ein paar Wochen nach dem Flug bekam Virgin Galactic von der US-Luftverkehrsbehörde die Erlaubnis, Touristen ins All zu bringen. Auch interessant: "Perseverance": Erstmals Sauerstoff auf Mars hergestellt

Wo das All in Abgrenzung zur Erdatmosphäre beginnt, ist international noch nicht festgelegt worden. Der Internationale Luftfahrtverband (FAI) und viele andere Experten sehen 100 Kilometer über der Erde als Grenze an. Allerdings bekamen schon Soldaten der US-Airforce die Bezeichnung Astronaut verliehen, obwohl sie "nur" eine Höhe von etwa 80 Kilometern erreichten.

Bezos-Tourist zahlte 28 Millionen Dollar für Weltraumflug

Eine gute Aussicht auf Erfolg beim Geschäft mit dem Weltraumtourismus hat auch Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der träumt laut eigener Aussage seit "seinem fünften Lebensjahr" davon, ins All zu fliegen. Deshalb hat der heute 57-Jährige vor 20 Jahren das Unternehmen Blue Origin gegründet, mit dessen Rakete "New Shepard" Bezos, sein Bruder Mark und eine 82-Jährige Ex-Pilotion auf eine Höhe von über 100 Kilometern fliegen wollen.

Ein weiterer Sitz in der "New Shepard"-Kapsel soll Blue Origins Anspruch auf die Vorreiterrolle im Weltraumtourismus zementieren: Denn neben den Bezos-Brüdern und der Ex-Pilotin fliegt ein Mensch mit, der den Platz für 28 Millionen US-Dollar (23,6 Millionen Euro) gekauft hat.

Der hohe Preis ist ein Knackpunkt des Weltraumtourismus. Da sowohl die Entwicklung, als auch die Durchführung einer Raumfahrtmission extrem teuer sind, war das Privileg des Flugs in All bisher nur trainierten Astronauten oder äußerst fitten Superreichen vorbehalten. Lesen Sie auch: USA: Geheimdienste veröffentlichen UFO-Berichte

Elon Musk: Langstreckenflüge zur ISS und zum Mond

Das wollen nicht nur Jeff Bezos und Richard Branson ändern, sondern auch Elon Musk. Der -Gründer hatte schon 2018 angekündigt, mit seiner Firma SpaceX Touristen um den Mond zu fliegen. Der erste Flug dieser Art ist für 2023 geplant, der japanische Milliardär Yusaku Maezawa soll einer der ersten Touristen werden.

Neben den Flügen um den Mond plant SpaceX zusammen mit der Nasa und dem Unternehmen Axiom Space einen touristischen Flug zur Internationalen Raumstation ISS, der im Jahr 2022 stattfinden soll. Vier Männer aus den USA, aus Kanada und Israel sollen dann dabei sein. Für ihr Ticket zahlen sie jeweils etwa 55 Millionen Euro, berichtet die dpa.

Bezos und Branson bieten Kurzflüge für 250.000 Dollar an

Experten rechnen damit, dass erfolgreiche Flüge den Markt für Weltraumflüge in Fahrt bringen könnten. Denn die Flüge, die Bransons Firma Virgin Galactic und Bezos' Unternehmen Blue Origins anbieten, sind Kurzflüge. Sie schlagen mit einem Schnäppchenpreis von "nur" 250.000 Dollar zu Buche und sind damit substanziell günstiger als die langen Flüge zum Mond oder zur ISS.

Noch günstiger fliegt wohl nur das Unternehmen Space Perspective in die Nähe des Weltalls -

Zumindest Branson scheint schon bald konkrete Pläne dazu nach außen tragen zu wollen. Im Video, mit dem er seinen Weltraumflug ankündigte, sagte er: "Wenn wir zurückkehren, werde ich etwas sehr Aufregendes ankündigen, um mehr Menschen die Chance zu geben, Astronauten zu werden." (mit dpa)