Weltraumtourismus

Warum Richard Branson der erste Milliardär im All sein will

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Oliver Stöwing
Amazon-Gründer Bezos will im Juli ins All fliegen

Amazon-Gründer Bezos will im Juli ins All fliegen

Amazon-Gründer Jeff Bezos will am ersten bemannten Flug seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin ins All teilnehmen. Am 20. Juli will er mit seinem Bruder Mark abheben.

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Am 20. Juli will Amazon-Chef Bezos mit seinem eigenen Raumschiff den Planeten verlassen. Ein anderer Milliardär will ihm zuvorkommen.

Spaceport America. Nur der Himmel ist die Grenze – mit dieser Phrase motivieren sich oft Menschen, die sich für Siegertypen halten. Für Multimilliardäre wie Jeff Bezos (57) oder Elon Musk (50) jedoch geht ab dem Himmel der Spaß erst los. Auf der Erde haben sie alles erreicht, jetzt wollen sie den Weltraum erobern. Tesla-Gründer Musk plant Ende des Jahres den ersten Weltraumflug mit Touristen, geht aber selber nicht an Bord. Anders Amazon-Gründer Bezos: Am 20. Juli will er beim ersten bemannten Flug seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin persönlich mit ins All fliegen und sich damit einen Lebenstraum erfüllen.

Das ließ Mega-Unternehmer Sir Richard Branson nicht auf sich sitzen. Er will mit einem Raumschiff seiner Firma Virgin Galactic bereits am 11. Juli ins All fliegen, wenn Wetter und Technik es erlauben – neun Tage vor dem Amazon-Gründer. Und auch er will beim offiziellen Jungfernflug mit an Bord, wie er jetzt bekannt gab. "Ich bin immer ein Träumer gewesen", schrieb der Brite dazu auf Twitter. Seine Mutter habe ihm beigebracht, nie aufzugeben und nach den Sternen zu greifen. "Jetzt ist es an der Zeit, diesen Traum zu verwirklichen."

Flug ins All – Richard Branson verspricht "sehr aufregende" Neuigkeiten

Schon im Mai hatte das Raumflugzeug "VSS Unity" von Virgin Galactic einen bemannten Weltraum-Testflug mit zwei Piloten absolviert. Die 18 Meter lange "VSS Unity" bietet zwei Piloten und sechs Passagieren Platz. Die Kapsel war an Bord eines Trägerflugzeugs von dem kommerziellen Weltraumbahnhof Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico gestartet. Sie erreichte eine Höhe von 89,2 Kilometern.

Neben zwei Piloten sollen nun am 11. Juli zwei Astronautinnen, ein Astronaut und Branson selbst in der Raumkapsel mitfliegen. Der Abenteurer mit Hang zur Grenzüberschreitung will dann kommerzielle Weltraumflüge anbieten, ab 2022 erwartet er die ersten Touristen im All. Auch interessant:

Branson weiß, wie man Spannung aufbaut: Nach dem Flug wolle er eine "sehr aufregende" Ankündigung machen, sagte er. Worum es ungefähr geht: Mehr Menschen sollten die Chance haben, Astronauten zu werden: "Ich bin überzeugt davon, dass der Weltraum allen gehört."

Branson stellt sich gern als Abenteurer dar

Seinem Pionierflug jedenfalls steht nichts im Wege: "Ich bin gesund, fit und bereit für den Abflug", beteuerte er, um damit Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen – am 18. Juli wird er immerhin schon 71. Dass sein gefühltes Alter Jahrzehnte darunter liegt, stellte er bereits 2019 klar. In einem Twitter-Video anlässlich seines "30., oh, sorry, 70. Geburtstags" lud er zu einem Segeltrip ein – und tanzte dabei auf dem Konferenztisch. Lesen Sie hier:

Branson mag mit seinen geschätzten sieben Milliarden Dollar Vermögen für Bezos (200 Milliarden US-Dollar) ein armer Schlucker sein, sein Erfahrungsschatz ist umso größer. Sich und sein Leben beschreibt er so: "Krawatten verabscheuender Abenteurer, immer auf der Suche nach Aufregung. Philanthrop und Unruhestifter, der daran glaubt, Ideen in Wirklichkeit zu verwandeln. Auch bekannt als Dr. Ja." Sein Krawattenhass geht übrigens so weit, dass er seinen Geschäftsführern eigenhändig den Schlips abschneidet.

Wenn andere Superreiche sich an ihren Kontoauszügen und Aktienkursen berauschen, sucht er den Kick in Abenteuern. Immer wieder überflog er Ozeane mit dem Heißluftballon und begab sich auf waghalsige Segeltrips. So richtig frei fühlt er sich bei seinem Lieblingshobby Kitesurfing – 2012 war er der älteste Kitesurfer, der je den Ärmelkanal überquerte.