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Drosten über Delta: Warum die Inzidenz wieder steigen dürfte

| Lesedauer: 5 Minuten
"Besorgniserregend": Delta-Variante des Coronavirus breitet sich aus

"Besorgniserregend": Delta-Variante des Coronavirus breitet sich aus

Die Delta-Variante des Coronavirus, die als besonders ansteckend gilt, breitet sich weltweit aus. Auch Immunologen in Deutschland warnen, dass sie spätestens im Herbst die dominierende Variante in der Bundesrepublik sein könnte.

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Im neuen Coronavirus-Podcast spricht Virologe Christian Drosten darüber, wie sich die Delta-Variante in Deutschland ausbreiten dürfte.

Berlin. 
  • In einigen Ländern steigen die Corona-Zahlen wieder, was an der Delta-Variante liegt
  • Auch in Deutschland breitet sich die Delta-Variante aus. Das thematisiert auch Christian Drosten in der neuesten Ausgabe seines NDR-Podcasts
  • Kann Deutschland mit der Situation dort verglichen werden? Drosten ist zuversichtlich, dass die Ausgangslage in Deutschland eine andere ist

In Großbritannien spannt sich die Corona-Lage wieder an: Dort hat die ansteckendere Delta-Variante innerhalb nur weniger Wochen trotz fortgeschrittener Impfquoten die Vorherrschaft übernommen.

Die Inzidenzen stiegen wieder auf 20, dann über 70. Lockerungen wurden deshalb wieder gestoppt. Droht in Deutschland die gleiche Entwicklung, auch wenn der Wert der Delta-Variante derzeit laut RKI noch bei sechs Prozent liegt?

Drosten: Inzidenz in England wegen Delta wieder höher

Darüber sprach Virologe Christian Drosten ausführlich im 94. Coronavirus-Podcast des NDR am Dienstagabend. Mit Blick auf die Verbreitung in Deutschland sagte der Charité-Virologe: "Man muss befürchten, dass der Anteil inzwischen gestiegen ist. Die Frage ist natürlich: Geht er Richtung zwölf Prozent?" Denn besonders wichtig sei, ob der Delta-Wert in Deutschland in dieser Woche sichtbar steige. Zuvor hatte sich die Zahl innerhalb von einer Woche verdoppelt.

Das wäre ein sehr schlechtes Signal. "Dann müssen wir in der Woche darauf befürchten, dass wir wieder eine Verdoppelung sehen würden", so Drosten. Das sei zwar lediglich ein Szenario, keine Vorhersage. Aber wenn die Entwicklung so weiterginge, müsste man befürchten, dass sich die Lage in Deutschland ähnlich entwickelt wie anderswo - zum Beispiel eben wie in Großbritannien. Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen wieder bei über 100. Auch in Portugal steigen die Zahlen wegen der Delta-Variante wieder stark an.

Drosten wies aber auch darauf hin, dass die Bevölkerungsstruktur in England anders sei. So gebe es zum Beispiel größere indische Communities, die eine Rolle bei der Verbreitung der zunächst in Indien nachgewiesenen Variante gespielt haben dürften. Lesen Sie auch: "Troll Dich!": Drosten streitet auf Twitter mit RKI-Forscher

Drosten: Der Sommer kann ganz gut werden in Deutschland
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Corona in Deutschland: Sommerferien könnten helfen

Der Virologe sah auch Zeichen der Zuversicht. "Aber es gibt auch gute Gründe zu denken, dass dieser Schritt in Deutschland nicht notwendig sein wird und die Verbreitung hierzulande vielleicht anders verläuft", sagte Drosten. Einer der Hauptgründe ist: Zu der Zeit, als die Inzidenz in England wieder hochging, lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 25 - und da lag sie schon seit mehreren Wochen konstant. "Man habe also nicht so weit runtergebremst, wie wir das in Deutschland jetzt gemacht haben", führte er aus. "Wir liegen aktuell bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 8,0." Lesen Sie auch: Corona-Impfungen bei Kindern - So läuft es in den USA

Ein weiterer möglicher Vorteil: In Deutschland beginnen in den Bundesländern jetzt nach und nach die Sommerferien. Daher könne sich die Delta-Variante vorübergehend nicht über die Klassenzimmer verbreiten.

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Prof. Dr. Christian Drosten - Infos zum Virologen

  • 2003 war Drosten einer der Entdecker des Sars-Virus
  • Von 2007 bis 2017 war er Leiter der Virologie in Bonn, seit 2017 arbeitet er an der Charité in Berlin. Er leitet dort das Institut für Virologie
  • Drosten wurde bereits mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

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Vierte Welle? Inzidenz im Herbst dürfte steigen

Unterm Strich sieht der Virologe also für den Sommer eine bestenfalls relativ unbeschwerte Zeit auf Deutschland zukommen. "Bei anhaltend niedrigen Inzidenzen könnte es sein, dass wir im Sommer in eine Ruhezone reinkommen, bei der es uns erst einmal relativ egal sein kann, ob die Delta-Variante da ist oder nicht", sagte Drosten. Auch interessant: Coronavirus: Delta-Variante – so gefährlich wird Olympia

Ein dunkleres Bild zeichnet er allerdings vom Herbst, wenn auch kein dramatisches. Drosten sei sich sicher, dass die Inzidenzen in Deutschland im Herbst wieder ansteigen. "Weil ich nicht daran glauben kann, dass die Erwachsenen dann zu 100 Prozent doppelt geimpft sind", begründete er das. Es werde immer Menschen geben, die sich nicht impfen lassen wollen oder nicht können. Und: Im Labor sehe man, dass Patienten mit der Delta-Variante eine höhere Viruslast hätten. "Wir müssen jetzt das Bewusstsein für die Impfung in der Bevölkerung stärken", forderte der Virologe deshalb. (les)

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