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Drosten: Gefahr durch indische Mutation nicht unterschätzen

| Lesedauer: 5 Minuten
Duygu Ayrikcil
Coronavirus: Das passiert bei einer Mutation

Coronavirus: Das passiert bei einer Mutation

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die in Indien entdeckte Covid-19-Mutation B.1.617 als "besorgniserregend" ein. Die Auswirkungen einer Mutation variieren stark.

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In der neuen Ausgabe des "Coronavirus-Updates" bewertet Virologe Christian Drosten die bundesweite Entwicklung - und mahnt zu Vorsicht.

Berlin. 
  • In seinem neuen Corona-Podcast sprach Christian Drosten über die indische Mutation
  • Drosten warnte davor, die Gefahr zu unterschätzen
  • Zudem sprach der Virologe auch über das schnellere Impftempo in Deutschland - stellte aber auch eine Forderung

"Man muss das vielleicht auch mal sagen, dass ja jetzt, nach den ganzen Anfangsschwierigkeiten, Deutschland im europäischen Vergleich ganz vorne dabei ist mit dem Impffortschritt. Das läuft jetzt schon sehr schnell bei uns", sagt Christian Drosten, Virologen und Leiter der Virologie der Berliner Charité, gleich zu Beginn der 90. Ausgabe seines "Coronavirus-Updates" zuversichtlich. Zum aktuellen Zeitpunkt spreche vieles dafür, dass die Krankheitsschwere im weiteren Verlauf bundesweit abnimmt und die Pandemie im Sommer neu betrachtet und bewertet werden kann.

Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf jetzt 41
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Allerdings unterstreicht Drosten im NDR-Podcast auch den erheblichen Einfluss der strengen Maßnahmen, die zuletzt bundesweit eingeführt wurden. Öffentlichen Stimmen, welche die sinkenden Inzidenzen auf den sogenannten Temperatureffekt zurückführen, widerspricht er. Als Beispiel nennt der Corona-Experte den steigenden Trend in Dänemark sowie die Fallzahlen in Griechenland, die trotz wärmeren Temperaturen im Mai in die Höhe geschossen waren. "Man kann nicht davon ausgehen, dass die Temperatur alles erledigt", resümiert Drosten.

Corona in Großbritannien: Zehnmal höhere Viruslast bei britischer Variante

Auch die Lage in Großbritannien wird im neuen "Coronavirus-Update" betrachtet. Laut des Forscherteams der Charité ist die britische Virusvariante B.1.1.7 tatsächlich infektiöser als andere Viren. Grund dafür sei die höhere Viruslast. Die Studie habe bei B.1.1.7-Infizierten eine zehnmal größere Menge an Erbgutkopien gezeigt. "Man hat ja in England die Inzidenz extrem stark gebremst durch den Dritte-Welle-Lockdown, der wirklich nötig geworden ist und der in England extrem konsequent verfolgt und dann gemeinsam mit der Impfung umgesetzt wurde", geht Drosten zudem auf den Shutdown in Großbritannien ein.

Auch wenn die Kontrollmaßnahmen Wirkung gezeigt haben, sei die Gefahr durch die dort neu verbreitete Mutante nicht zu unterschätzen: "Was wir in England haben, ist eine Situation, wo dieses B.1.617.2 Virus in letzter Zeit ziemlich massiv eingetragen wurde aus Indien." Zwei aktuellen Untersuchungen aus Großbritannien zufolge liegt die Nachweishäufigkeit dieser Variante mittlerweile bei über 50 Prozent. Demzufolge gehen die Forscher davon aus, dass sich diese Mutante trotz der deutlich gesunkenen Inzidenzwerte um 50 Prozent schneller verbreiten könnte als die vorherrschende Variante B.1.1.7. In Deutschland liegt die Verbreitung laut RKI-Angaben nur bei zwei Prozent.

Indische Mutante: Schutzwirkung der Impfungen stark herabgesetzt

Zwar gibt es laut Drosten bisher keinen Nachweis, dass die indische Variante kranker macht - den Daten der Gesundheitsbehörde Public Health England zur Impfwirkung mit Biontech und Astrazeneca zufolge ist die Schutzwirkung der Impfungen gegen die indische Mutante allerdings stark herabgesetzt. Die Schutzwirkung der Erstdosis betrage nur 31 Prozent - zum Vergleich: Bei B.1.1.7 seien es zumindest 51 Prozent. Nach der zweiten Dosis sei der Immunschutz gegen die Mutante aus Indien hingegen nicht mehr beeinträchtigt.

Daraus zieht Drosten triviale Schlüsse: "So schnell wie möglich durchimpfen." In Großbritannien haben derzeit etwa 40 Prozent der Bevölkerung den vollen Impfschutz - in Deutschland stellt diese Quote lediglich die der Erstimpfungen dar. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) werden rechnerisch jede Sekunde acht Menschen geimpft.

Viruslast bei Kindern: Altersgruppen laut Drosten etwa gleich ansteckend

Drosten stellt in der aktuellen Podcast-Folge zudem die Studie der Berliner Charité vor, die am Dienstag im Fachmagazin "Science" erschienen ist. Unter Drostens Leitung wurde die Viruslast von mehr als 25.000 Corona-Infizierten analysiert. Was die Anzahl der Erbgutkopien von Sars-CoV-2 in PCR-Proben betrifft, habe es keinerlei nennenswerte Unterschiede zwischen den Altersgruppen gegeben.

"Die Ursprungsinterpretation zur Verteilung der Viruslast in den Altersgruppen hat sich gar nicht geändert", bestätigt Drosten. Die Infektiosität sei bei allen Altersgruppen etwa gleich stark ausgefallen. Eine Ausnahme hätten lediglich kleine Kinder bis fünf Jahren dargestellt - allerdings sei dabei zu beachten, dass die Rate von nicht optimalen Abstrichen aus dem tiefen Nasen-Rachen-Bereich bei jüngeren Kindern ebenfalls größer ist.

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