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Drosten in Podcast: Corona-Mutation könnte gefährlicher sein

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Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité.

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité.

Foto: Christophe Gateau/dpa

Im neuen „Coronavirus-Update“ vom NDR spricht Christian Drosten über Corona-Mutationen. Im Bezug auf Impfungen ist er optimistisch.

Berlin. Nach drei Wochen Pause startete der Podcast „Coronavirus-Update“ mit einer besonders langen 70. Folge ins neue Jahr. Fast zwei Stunden sprachen Redakteurin Korinna Hennig und Virologe Christian Drosten über die neuen Corona-Varianten aus Großbritannien und Südafrika.

Rund um die Corona-Variante B.1.1.7., die zuerst in Großbritannien auftauchte, sieht Drosten noch viele offene Fragen. „Das ist ganz schwer einzuordnen, immer noch“, so der Leiter der Virologie an der Berliner Charité.

„Ich gehe davon aus, dass wir, sagen wir, vielleicht bis Ostern oder bis Mai ganz klare experimentelle Evidenz haben, ob jetzt dieses Virus übertragbarer und gefährlicher ist oder nicht. Aber das wird einfach dauern.“

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Drosten: Corona-Varianten könnten gefährlicher sein

Zurzeit sei noch nicht sicher, wie weit die neue Variante in Deutschland verbreitet sei, so Drosten. Ernstgenommen werden müsse die Variante aber auf jeden Fall. Das würden besonders Daten aus Dänemark bestätigen. In Deutschland solle deshalb weiter nach Mutationen gesucht werden.

Nach dem Nachweis in Großbritannien wurde die Variante auch in anderen Ländern bestätigt. In Deutschland sind bislang nur vereinzelt Fälle bekannt, etwa in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen. Das Robert Koch-Institut erwartet aber, dass weitere Fälle hinzukommen.

Was die neue Variante gefährlich machen könnte, ist eine eventuell höhere Übertragbarkeit. Die Befürchtung einiger Wissenschaftler ist es, dass Infizierte im Schnitt mehr Menschen anstecken als bisher, die Variante also mit einer höheren Reproduktionszahl einhergeht. So könnte der R-Wert bei 1,5 statt 1 liegen. Sollte sich ein solches Szenario bestätigen, wäre das Drosten zufolge ein Problem.

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Impfungen helfen wohl auch gegen Corona-Varianten

Gute Nachrichten gibt es jedoch laut Drosten bezüglich der Wirksamkeit von Impfungen. „Mit Blick auf die Impfungen kann ich beruhigen: Da haben wir bezüglich des mutierten Virus aus England keine großen Sorgen", so der Virologe.

Die Immun-Aktivität nach einer Impfung sei nicht wesentlich eingeschränkt. „Es könnte höchstens sein, dass von hundert Leuten ein paar nicht vollkommen geschützt sind, sondern sie bei einer Infektion mit dem mutierten Virus ein Kratzen im Hals bekommen", so Drosten. Vor einem schweren Verlauf seien aber auch diese Patienten durch einen Impfstoff nach jetzigem Kenntnisstand geschützt.

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Zweite Corona-Impfung auch nach längerem Abstand wirksam

Bezüglich der aktuellen Diskussionen, ob die zweite Dosis des Impfstoffes später als bisher geplant gespritzt werden soll, äußert sich Drosten deutlich. „Bei den mRNA-Impfstoffen wie von Biontech oder Moderna ist die Immunreaktion auf die erste Impfung richtig stark", so der Virologe.

Durch diese Reaktion sei mit großer Wahrscheinlichkeit auch eine längere Wartezeit zwischen der ersten und zweiten Dosis möglich. Weiter hätten Wissenschaftler in Bezug auf andere Impfstoffe festgestellt, dass die Nachhaltigkeit des Immunschutzes womöglich größer sei, wenn der Abstand zwischen den beiden Impfungen innerhalb eines gewissen Rahmens vergrößert wird.

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Bei Corona-Impfungen auf die Berufe der Menschen achten

Was die Verteilung des Impfstoffes betrifft, spricht sich Drosten dafür aus, auch außerhalb von Kliniken und Pflegeheimen auf die Berufe der Menschen zu achten.

„Sobald ausreichend Impfstoff vorhanden ist, sollte man auch an die Beschäftigten denken, die nicht im Homeoffice arbeiten und nur bedingt oder gar nicht den Mindestabstand einhalten können." Beispielsweise in Schlachthöfen oder bei Paket-Dienstleistern. So könnten viele Erkrankungen verhindert werden.

Neben der Corona-Variante aus Großbritannien sollte auch eine aus Südafrika bekannte Variante „mindestens genauso beobachtet“ werden, betonte Drosten. Reiserückkehrer aus dem Land sollten nach seiner Einschätzung getestet werden. Es gebe jetzt noch ein Zeitfenster, um der Ausbreitung hierzulande vorzubeugen.

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Drosten: Deutsche müssen mit lange anhaltenden Einschränkungen rechnen

Zum Abschluss gab Drosten noch einen Ausblick auf die nächsten Wochen und Monate. „Es kann positive Überraschungen geben“, so der Virologe. Es sei jedoch naiv einfach darauf zu zählen, dass es schon gut gehen würde.

Die Menschen müssten sich darauf vorbereiten, die Einschränkungen noch länger durchzuhalten. Besonders für Schulen und Mitarbeiter im Homeoffice müssten Möglichkeiten gefunden werden, die auch bis Ostern oder noch darüber hinaus wirksam seien.

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(msb/dpa)

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