Biopic

Madonna verfilmt sich selbst – und weckt böse Erwartungen

Superstar Madonna bringt ihr Leben auf die Leinwand – und gibt Einblicke in ihre Arbeit. Doch Filmexperten fürchten einen Megaflop.

Weltstar und Stilikone: Madonna im Porträt

Madonna ist seit Jahrzehnten ein Weltstar – und auch mit über 60 Jahren noch wild und wunderbar. Die Sängerin überzeugt durch Musik und Provokationen. Wir zeigen im Video Bilder ihres bunten Lebens.

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Berlin. Popstar Madonna macht Homeoffice: Mit Laptop sitzt die 62-Jährige auf ihrer cremefarbenen Couch in ihrem Anwesen in den Hamptons bei New York, neben ihr die mit einem Oscar ausgezeichnete Autorin Diablo Cody („Juno“). Sie lässt sich die Nägel machen, monologisiert über sich selbst, springt zwischen den Themen. Die beiden Frauen verfassen ein Drehbuch über Madonnas Leben.

Einmal fragt die Sängerin: „Machen wir eine Serie oder einen Film?“ „Einen Film“, klärt Cody sie auf. „Warum machen wir keine Serie? Dann könnte ich die ganze Geschichte erzählen“, fragt Madonna. „Nun, weil ich für einen Film gebucht wurde“, erläutert Cody matt.

Bereits 2017 hatte das Filmstudio Universal verkündet, ein Drehbuch namens „Blond Ambition“ über das Leben der Sängerin verfilmen zu wollen. Madonna reagierte zornig: „Nur ich kann meine Geschichte erzählen. Jeder andere, der das versucht, ist ein Scharlatan und ein Narr“, sagte sie. Sie weigerte sich, die Rechte an ihren Hits abzutreten. Ein Madonna-Biopic ohne „Like a Virgin“ oder „Like a Prayer“? Undenkbar.

Überraschenderweise kündigte Universal jetzt doch einen Film über Madonna an – mit Zustimmung der Popkönigin: „Ich möchte meinen unglaublichen Lebensweg als Künstlerin, Musikerin, Tänzerin – und als Mensch, der versucht hat, sich in dieser Welt zu behaupten – vermitteln“, erklärte sie.

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Madonnas erster Film wird verrissen und floppt

Denn die Popkönigin hatte zuvor mit den Filmbossen hart verhandelt – und ihnen abgerungen, dass sie Regisseurin, Co-Autorin und Co-Produzentin des Streifens wird. Auf Meetings mit Madonna soll ungefähr eine Stimmung herrschen wie in einem Hamsterkäfig, in den sich eine Kobra eingeschlichen hat, berichten Insider.

Doch das Zugeständnis sorgt für hochgezogene Augenbrauen: Denn Madonna, berühmtester Popstar der Welt, hat eine übersichtliche Vita als Regisseurin. 2011 kam „W. E.“ in die Kinos, eine Schmonzette über die Liebe zwischen König Edward VIII. und Wallis Simpson. „Ein Film über eine Frau auf einem Shoppingtrip“, urteilte ein Kritiker beim „Hollywood Reporter“ – „Madonna sollte nie wieder erlaubt werden, in die Nähe einer Regiestuhls zu kommen“, schrieb ein anderer.

Ein weiteres Problem: Eine Regisseurin Madonna ist an ihrem Sujet zu dicht dran. „Natürlich kennt niemand ihre Geschichte besser als sie selbst“, sagt Dirk Libbey vom Magazin „Cinemablend“. „Und sie hat wahrscheinlich die Absicht, eine ehrliche Version über ihr Leben zu drehen, bei der sie zwangsläufig nicht immer gut wegkommt – doch ihre Perspektive wird immer voreingenommen sein.“

Auch Elton John hatte Einfluss auf „Rocketman“, den Musicalfilm über sein Leben – der Popstar setzte allerdings durch, dass auch seine dunklen Stunden gezeigt wurden. Madonna dagegen stilisiert sich gern als Weltverbesserin – ohne Selbstironie, dafür mit Pathos. „Niemand tut, was ich tue“, sagte die sechsfache Mutter einmal. Ja, es habe Freiheitskämpferinnen wie Simone de Beauvoir und Angela Davis gegeben, aber die hätten keine Kinder gehabt.

Madonna manipuliert ihr Image

Auf den zahlreichen Videos, die Madonna über ihre Sofa-Filmarbeit auf Instagram stellt, wird schon einmal klar: Die Sängerin macht es ihrer Co-Autorin nicht leicht. So sind sie uneinig, ob der Film bei ihrem ganz großen Durchbruch Mitte der 80er-Jahre enden soll oder erst Ende der 90er-Jahre, als sie erstmals Mutter wurde und mit dem Album „Ray of Light“ ihren kreativen Höhepunkt feierte.

Nur Cody scheint dabei so etwas wie eine Handlung im Kopf zu haben, wird aber zur Protokollantin degradiert und muss Sätze mitschreiben wie: „Dann fiel eine Pizza Margherita auf meine Brüste.“

Ihr trockener, manchmal herablassender Humor und ihre kühle Boss-Attitüde, für die Fans ihre Queen so lieben, wirkt hier deplatziert – die beiden Frauen scheinen keine wirkliche Verbindung aufzubauen.

Doch vielleicht überrascht Madonna. Es wäre nicht das erste Mal. Filmexperte Caspar Salmon schreibt im „Guardian“: „Das Faszinierendste an dem Film, so propagandistisch er wohl auch wird, wird sein, dass wir einen Einblick darin bekommen, wie sie ihr Image manipuliert.“

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