Trauer

„Biene Maja“-Sänger Karel Gott mit 80 Jahren gestorben

Karel Gott ist tot. Er wurde 80 Jahre alt. Vor kurzem war bekannt geworden, dass der Schlagersänger wieder an Krebs erkrankt war.

Karel Gott ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Karel Gott ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Vor wenigen Monaten rührtedie Welt zu Tränen, als er mit seiner 13-jährigen Tochter Charlotte einen Schmusesong aufnahm: „Srdce nehasnou“, so der Titel, übersetzt „Herzen erlöschen nicht“. Der Sänger, der in seinem Leben nicht allzu viel mit Youtube zu tun hatte, wurde plötzlich neun Millionen Mal geklickt.

Doch die Freude über den Erfolg konnte nicht darüber hinwegtäuschen, wie krank Karel Gott war. Jetzt ist Gott – die Goldene Stimme Prags – im Alter von 80 Jahren gestorben. Vor wenigen Wochen sagte er anlässlich seines runden Geburtstages noch, dass er sich nicht zurücklehnen will. Nun hat er seine letzte Ruhe gefunden.

„Mit tiefster Trauer im Herzen gebe ich bekannt, dass mein geliebter Ehemann Karel Gott uns gestern, kurz vor Mitternacht, nach schwerer und langer Krankheit verlassen hat. Er ist zu Hause von uns gegangen, in ruhigem Schlaf, im Kreis seiner Familie“, teilte seine Ehefrau Ivana Gottova am Mittwoch auf seiner Webseite mit.

Karel Gott tot – Das Wichtigste in Kürze:

  • Schlagersänger Karel Gott ist gestorben
  • Er wurde 80 Jahre alt
  • Der Sänger kämpfte wieder gegen den Krebs - er verlor den Kampf
  • Sein Tod löste große Trauer aus

Mehr als 60 Jahre stand Karel Gott auf der Bühne. Der „Mistr“ (Meister), wie man ihn in Tschechien respektvoll nannte, schien fast unsterblich. Wie ein Schock kam da im November 2015 die Nachricht, dass der Sänger an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war. Doch Karel Gott blieb tapfer, unterzog sich der Chemotherapie, lehnte eine Behandlung im Ausland ab.

Ganze Generationen verbinden Karel Gott, auch bekannt als „goldene Stimme aus Prag“ und „Sinatra des Ostens“, mit einem Lied: Die „kleine, freche, schlaue Biene Maja“ schwirrte vor vier Jahrzehnten erstmals über die deutschen Fernsehschirme.

Der tschechische Präsident Milos Zeman hat den gestorbenen Schlagersänger Karel Gott gewürdigt. Sein Tod sei eine „ungeheuer traurige Nachricht für unser ganzes Land“, teilte das Staatsoberhaupt am Mittwoch mit. „Karel Gott war ein wirklicher Künstler, der sein Leben anderen geschenkt hat“, sagte Zeman.

Karel Gotts Tod löst Trauer aus

Das sei erschöpfend, mache aber gerade den wahren Künstler aus. Der tschechische Regierungschef Andrej Babis bezeichnete Gott als einen der größten Tschechen. „Er ist gestorben, aber ich glaubte, dass er für immer sein werde.“ Mit seinen Liedern habe ihn Karel Gott seit seiner Jugend begleitet, betonte der 65 Jahre alte Politiker und Multimilliardär.

Kritiker hielten dem Sänger, der am 14. Juli 1939 zur Welt kam, seine steile Karriere in der Zeit des Sozialismus vor. Gott unterzeichnete die „Anticharta“, die sich gegen die tschechoslowakische Bürgerrechtsbewegung Charta 77 von Vaclav Havel richtete. Er war ein wichtiger Devisenbringer für das marode sozialistische Regime, das ihn mit dem Titel Nationalkünstler ehrte

Es wurde alles vergeben, als Gott am 4. Dezember 1989 während der Samtrevolution, der demokratischen Wende in der Tschechoslowakei, auf einer Kundgebung erschien. Gemeinsam mit dem Bürgerrechtler und Liedermacher Karel Kryl stimmte er vor 200 000 Menschen die Nationalhymne an. Karel Gott, der auch in Russland viele Fans hatte, sah sich immer als einen Mittler zwischen Ost und West. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Tag der Deutschen Einheit.

Besuch der BRD-Botschaft in Prag

Eine besondere Ehre war es für ihn, als er vor ein paar Jahren eingeladen wurde, in der BRD-Botschaft in Prag aufzutreten. Denn Deutschland nannte er wegen seiner vielen Freunde dort auch seine „zweite Heimat“. Karel Gott sang im Palais Lobkowicz, an der Stelle, wo 1989 Tausende DDR-Flüchtlinge auf ihre Ausreise gewartet hatten, seinen Hit „Einmal um die ganze Welt“. Dann sagte er gerührt: „Dank meinem treuem Publikum durfte ich diese Reise um die Welt mehrmals genießen - dank meinen Fans!“

Eine wichtige Stütze war ihm bei alledem seine Frau Ivana, für die der Charmeur sein ausschweifendes Junggesellenleben aufgegeben hatte. Er nannte sie seine große Liebe. Die 37 Jahre jüngere Fernsehmoderatorin hatte Karel Gott im Januar 2008 spontan in Las Vegas geheiratet. Mit ihr wurde er noch einmal Vater von zwei Töchtern. Mit der älteren der beiden, Charlotte Ella, spielte der berühmte Vater im Mai 2019 ein bewegendes Duett ein. Es mutet wie eine dunkle Vorausahnung an, wenn es da heißt: „Wenn mich der Strom fortreißt, musst du schwimmen.“

Gott erneut an Leukämie erkrankt

Vor drei Wochen hatte Karel Gott über Facebook bekannt gegeben, dass er an akuter Leukämie erkrankt sei. „Ich wollte euch nicht mit meinen Problemen belästigen, ich bin nun mal keiner, der über sein Privatleben, besonders seine Gesundheit, öffentlich selbst spricht und sich auf diese Weise bemitleiden lassen möchte“, schrieb er. Lange hatte er so gehofft, dass er seine erste Krebserkrankung am Lymphsystem überstanden hat.

Mit unvergesslichen Melodien wie „Einmal um die ganze Welt“, „Lady Carneval“ und „Fang das Licht“ sicherte sich der Tscheche auch unter den Erwachsenen ein Millionenpublikum. Der klassisch ausgebildete Tenor verdiente sich den Namen eines „Sinatras des Ostens“.

Karel Gott wieder an Krebs erkrankt

Vor Kurzem sagte Karel Gott bei einer Preisverleihung: „Ich habe mich mein ganzes Leben um Erfolg bei Kindern bemüht, denn Kinder sind ein aufrichtiges Publikum – sie sagen, was sie denken.“ Erst vor ein paar Wochen war bekannt geworden, dass Karel Gott wieder gegen den Krebs kämpfen muss.

In seinem Heimatland Tschechien war der Sänger eine Legende. Insgesamt 42-mal gewann er den Publikumspreis „Goldene Nachtigall“. Karel Gott wurde am 14. Juli 1939 im westböhmischen Pilsen geboren. Als Elektro-Lehrling mit 18 hatte er seine ersten Auftritte in Prager Tanzcafés.

Lieder von Karel Gott

Mit seiner Darbietung von „Tausend Fenster“ beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in London 1968 wurde er auch im Westen bekannt. Die Hits folgten Schlag auf Schlag:

  • „Lady Carneval“ (1969),
  • „Einmal um die ganze Welt“ (1970),
  • „Babicka“ (1979) und
  • „Fang das Licht“ (1985)

Mit der Biene-Maja-Melodie von 1977 eroberte Karel Gott die Herzen der kleinen Fernsehzuschauer. Mit seinem unverkennbaren slawischen Akzent sang er von der „kleinen frechen schlauen Biene“ mit den Kulleraugen. Als Single landete das Titellied der ZDF-Zeichentrickserie im Mai 1977 auf Platz eins der NDR-Schlagerparade. Im Jahr 2003 hatte Karel Gott einen leichten Schlaganfall überstanden.

Karel Gott – Fakten zum Sänger:

  • Karel Gott wurde am 14. Juli 1939 in Pilsen geboren
  • Eines seiner bekanntesten Lieder ist „Die Biene Maja“ von der gleichnamigen Serie
  • Karel Gott hat vier Kinder, seit 2008 ist er mit Ivana verheiratet

Seine letzte große Tournee durch Tschechien und die Slowakei war ein Triumph. Rund 12.000 Zuschauer feierten im Dezember 2014 in Prag ihren „mistr“ (Meister). Seinen 80. Geburtstag feierte er im Juli 2019, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, mit Weggefährten und Prominenten in einem Prager Theater.

Karel Gott heiratete Ivana in Las Vegas

Über seine Beziehung zu seinem Publikum sagte er einmal: „Es ist eine Art Magnetismus, eine gegenseitige Anziehungskraft, die schwer beschreibbar ist.“

Karel Gott hinterlässt vier Kinder und eine Frau

Der Frauenschwarm hatte im Jahr 2008 in Las Vegas seine 37 Jahre jüngere Freundin, die Fernsehmoderatorin Ivana Machackova, geheiratet. Mit ihr bekam er zwei Töchter, Charlotte Ella und Nelly Sofie. Er hinterlässt außerdem zwei erwachsene Töchter aus früheren Beziehungen.

Erst im Juli feierte der „Sinatra des Ostens“ seinen 80. Geburtstag. Er selbst sagte, dass an Ruhestand nicht zu denken sei. „Auf der Stelle stehen konnte ich noch nie“, sagt er. 2015 war bekannt geworden, dass Karel Gott an Krebs erkrankt war.

Strapazen der Behandlung zeigten deutliche Spuren. Er sah mitgenommen aus. In einem Interview berichtete er darüber, wie schwer der Kampf für ihn war. „Die Ärzte haben gesagt: ,Noch vor 15 Jahren würden Sie schon tot sein‘. Ich bin also nur hier, weil heute die Technik und die Chemie und die Erfahrungen der Ärzte mir mein unglaubliches Überleben ermöglicht haben.“

(bekö/dpa)