Aktion

Deshalb wird die Erdogan-Statue in Wiesbaden wieder abgebaut

Eine vier Meter große goldene Erdogan-Figur ist in Wiesbaden aufgestellt worden. Sie sorgte für reichlich Wirbel – am Ende zu viel.

Güldene Erdogan-Statue erhitzt die Gemüter

Im Rahmen der Wiesbadener Biennale, die traditionell gern provoziert, wurde die etwa vier Meter hohe Statue aufgestellt.

Güldene Erdogan-Statue erhitzt die Gemüter

Beschreibung anzeigen

Wiesbaden.  Die Statue des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wird nun doch wieder abgebaut. Das vier Monate Erdogan-Abbild sollte eigentlich drei Monate stehen und hatte seit der Nacht zu Dienstag für Aufregung gesorgt.

Auf Twitter wurden am frühen Mittwochmorgen Bilder gepostet, auf denen die Statue mit einem Feuerwehrkran entfernt wurde. Die Räumung des Platzes, auf dem die rund vier Meter hohe und goldfarbene Statue seit Montag stand, war nach Polizeiangaben ohne besondere Vorkommnisse verlaufen.

Erdogan-Statue sorgte für Wirbel

Am Dienstagabend hatten sich Anhänger und Gegner des umstrittenen türkischen Präsidenten Erdogan heftige Wortgefechte an der Statue geliefert. Ein Polizeisprecher berichtete von einer „leicht aggressiven Stimmung“, jedoch blieb es demnach bei einem verbalen Schlagabtausch.

Der „Wiesbadener Kurier“ zitierte Ordnungsdezernent Oliver Franz jedoch mit den Worten, zu verbalen Auseinandersetzungen seien zunehmend Handgreiflichkeiten gekommen. „Auch Stichwaffen wurden gesichtet.“

Ausgerechnet auf dem Platz der Deutschen Einheit wurde die Figur, die ihren Zeigefinger ermahnend in die Höhe streckt, in der Nacht zu Dienstag aufgestellt. Verantwortlich für die Aktion war das Kunstfestival „Wiesbaden Biennale“, das sich das Motto „Bad News“ gesetzt hatte und bewusst provozieren wollte.

Und das ist offenbar gelungen: Die Statue wurde schon kurz nach dem Aufbau beschmiert. Ausdrücke wie „türkischer Hitler“ und andere Beleidigungen waren darauf gekritzelt worden.

„Sicherheit konnte nicht gewährleistet werden“

Nun hat die Stadt reagiert – und die Statue wieder abbauen lassen. Die Sicherheit habe nicht mehr gewährleistet werden können, teilte die Stadt am späten Dienstagabend ihre Entscheidung über Twitter mit.

In den sozialen Netzwerken waren Fotos von dem 2,5 Tonnen schweren Erdogan-Abbild zum Teil wütend kommentiert worden. „Was für ein Schwachsinn“, hieß es da unter anderem. „Ich bin in einem falschen Film“, schrieb eine Nutzerin.

Stadt Wiesbaden hatte Aktion genehmigt

Die Statue wurde allerdings nicht ohne die Zustimmung der Stadtverwaltung aufgebaut. Dort hieß es, das Ordnungsamt habe die Aktion, für die das Hessische Staatstheater verantwortlich ist, genehmigt. Dabei sei ein Gesamtpaket im Rahmen der „Wiesbaden Biennale“ angemeldet worden, das einen Container und eine „menschenähnliche Statue“ umfasse, hatte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion am Dienstag gesagt.

Viele Bewohner verstanden den Grund für den Aufbau der Figur allerdings nicht. „Wir haben eine Reihe von irritierten Bürgern, die bei uns anrufen. Es ist für viele nicht erkennbar, dass es im Rahmen der Biennale läuft“, so die Sprecherin des Ordnungsamtes.

Dass es sich dabei um eine Erdogan-Statue handelt, sei der Behörde nicht bewusst gewesen. Darüber hinaus sei der in der Stadt aufgestellte Container mit „Deutsche raus“ beschriftet worden. Auch das sei den Verantwortlichen unbekannt gewesen.

„Kunstfreiheit gewähren lassen“, sagt der Bürgermeister

Der Gemeindevorstand der Stadt hatte sich Dienstagmittag mit der Thematik befasst. Dabei stand die Frage im Raum, ob die Aktion von der Kunstfreiheit gedeckt ist oder ob sogar eine Gefahr davon ausgeht. Zunächst sollte die Statue stehen bleiben. „Der Magistrat hat sich nach ausführlicher Diskussion zur im Grundgesetz verankerten Kunstfreiheit bekannt und sieht weder eine rechtliche Grundlage noch einen derzeitigen Handlungsbedarf“, hieß es nach der Sitzung in einer Mitteilung der Stadt.

„Wir haben sehr intensiv über das Kunstprojekt diskutiert“, sagte Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) am Dienstag dem „Wiesbadener Kurier“. „Allerdings diskutieren wir ständig über Freiheitseinschränkungen in der Türkei, dann sollten wir auch hier die Kunstfreiheit gewähren lassen“, sagte er weiter.

Doch schon am Dienstag war klar: „Bei konkreter Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Zusammenhang mit der Kunstinstallation werden die Ordnungsbehörden einschreiten.“ Das ist am späten Abend dann geschehen.

Der Wiesbadener Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg hatte das Aufstellen als ein Statement für die freie Meinungsäußerung verteidigt. „Wir haben die Statue aufgestellt, um über Erdogan zu diskutieren“, sagte Laufenberg am Dienstag in Wiesbaden.

Erdogan in Deutschland umstritten

Die Biennale hatte am vergangenen Donnerstag in der hessischen Landeshauptstadt begonnen und geht noch bis Sonntag.

Der türkische Präsident Erdogan, der im September Deutschland besucht, ist hierzulande umstritten. Grund dafür ist auch, dass er die Türkei immer mehr zum autoritären Staat mit ihm an der Spitze umbaut. Aber auch die Inhaftierungen von Deutschen in der Türkei sorgten immer wieder für Unruhen in der Beziehung zu Deutschland.

Davon ungeachtet genießt Erdogan bei Deutschtürken eine hohe Zustimmung.