Tom Wlaschiha synchronisiert in dem neuen Disneyfilm „Arlo & Spot“ einen verwirrten Dinosaurier. Mit der Berliner Morgenpost sprach der Schauspieler aus der US-Serie „Game of Thrones“ über Ängste, seine Anfänge als Künstler und das Leben als internationaler Serienstar.

Berliner Morgenpost: Sie haben einen ängstlichen Dinosaurier synchronisiert.

Tom Wlaschiha: Ja, den „Tierchensammler“. Er ist eine imposante Erscheinung, aber nicht der Mutigste. Er versteckt sich im Wald und hat eine Schar von Tieren um sich versammelt, die ihn beschützen sollen. Das ist wie im richtigen Leben. Da sind die Größten auch nicht automatisch die Mutigsten.

Ist es spannend einer Trickfilmfigur seine Stimme zu leihen?

Man bewegt sich weniger in eingeschränkten Bahnen und kann mehr ins Extrem gehen. Für den „Tierchensammler“ habe ich drei bis vier Stunden im Studio gestanden und alles mögliche ausprobiert.

Gerade drehen Sie die 6. Staffel „Game of Thrones“. Wie ist es, Serienstar zu sein?

Als ich für die zweite Staffel der Serie gecastet wurde, kannte ich sie noch gar nicht. Ich habe mich natürlich gefreut, aber es war nicht abzusehen, dass sich so ein Hype daraus entwickeln würde. Dass die Serie heute so beliebt ist, ist natürlich wahnsinnig toll. Besonders wegen der vielen Möglichkeiten, die sich daraus entwickeln. Durch den hohen Bekanntheitsgrad der Serie, liegt mein Name jetzt bei viel mehr Castern und Produzenten auf dem Tisch. Sonst habe ich aber immer noch ein ganz normales Leben. Es gibt keine Fans, die vor der Tür lagern.

Vor Ihrer Tür in Kreuzberg.

Ich wohne seit 15 Jahren in Kreuzberg, weil ich es dort am Kanal von Anfang an cool fand. Die Mischung an Leuten gefällt mir, die tollen Cafés. Ich war auch eine längere Zeit in London. Die Stadt liebe ich auch, aber das Leben dort ist sehr anstrengend, alle Menschen rennen irgendetwas hinterher und müssen viel Geld verdienen, damit sie es sich überhaupt leisten können, dort zu leben. Da ist Berlin entspannter.

Werden für Rollen in Deutschland weniger internationale Schauspieler besetzt?

Die Schwierigkeit bei den Deutschen ist oft, die Leute zu entdecken, bevor sie weggehen. Die Film- und Fernsehlandschaft in Deutschland ist etwas verkrustet. Ganz oft fehlt der Mut, auch unbekannten Leuten eine Chance zu geben. Es wird mehr auf die Quoten geschielt und auf bekannte Leute gesetzt. Man darf nicht vergessen, dass Fernsehen ein Geschäft ist. Wenn noch ein bisschen Kunst dazu kommt, ist das angenehm, aber vordergründig geht es für die Macher ums Geld.

Warum wollten Sie Schauspieler werden?

Ich konnte mir nicht vorstellen, von neun bis fünf ins Büro zu gehen. Ich habe einen Job gesucht, der abwechslungsreich ist, mich permanent überrascht, der mich herausfordert. Ich habe einen Onkel, der Opernsänger ist und der zu Ostzeiten sehr erfolgreich war. Er durfte zu Gastspielen fahren, war in New York, London, Italien. Es hat mich schon immer fasziniert, dass man mit einem künstlerischen Beruf auch einmal hinter den Vorhang schauen kann. Ich habe auch Klavier gelernt. Mir war aber schnell klar, dass ich nicht gut genug bin, um das beruflich machen zu können.

Schauspieler Tom Wlaschiha im Interview mit Morgenpost Reporterin Maria Bidian
Schauspieler Tom Wlaschiha im Interview mit Morgenpost Reporterin Maria Bidian© BM | Maria Bidian

Nach der Schauspielschule haben Sie acht Jahre am Theater gespielt.

In Dresden und in Zürich. Dann wollte ich gerne Film ausprobieren und in Berlin wohnen. Deshalb habe ich mich entschieden, aus dem Festvertrag rauszugehen und mich wieder dem Dasein als Freischaffender auszusetzen.

Wann kam der Erfolg?

Ich war an einem Punkt, an dem ich sehr unzufrieden mit den Rollen war, die mir in Deutschland angeboten wurden. Damals dachte ich mir, entweder muss ich beruflich etwas ganz anderes machen oder eine Agentur im Ausland suchen. Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe mir eine Agentur in England gesucht.

Mutig.

Ja, vielleicht. Aber das ging auch nicht von heute auf morgen. Die ersten zwei Jahre bin ich permanent hingeflogen, um Caster zu treffen. Irgendwann ist dann der erste kleine Job gekommen. Dass dann „Game of Thrones“ folgte, war wirklich ein Glücksfall. Glück gehört eben auch dazu.

Wie sieht ein Tag am Set von „Game of Thrones“ aus?

Relativ technisch. Das bringt eine so große Produktion mit sich. Teilweise wird am Tag nur eine Szene gedreht und dann kann es schon passieren, dass man acht Stunden lang nur einen Satz sagt. Dann muss man sich manchmal zwischendurch etwas wachrütteln. Man weiß ja nie, welcher Take am Ende genommen wird. In anderen Produktionen kommt man viel mehr ins Spielen, weil es schneller gehen muss und eine Szene von Anfang bis Ende gedreht wird.

Vom ängstlichen „Tierchensammler“ zu ängstlichen Menschen. Sie sind in der Nähe von Dresden aufgewachsen.

Ich glaube nicht, dass die Dresdner besonders ängstlich sind. Dresden ist leider im Moment der Ort, wo sich Menschen, die Angst vor Überfremdung haben, treffen. Natürlich stehen wir vor einer riesigen Herausforderung, aber Angst war noch nie ein guter Ratgeber.