Fernsehen

Im „Tatort“ liegt Roland Kaiser tot auf dem Seziertisch

| Lesedauer: 3 Minuten
Miriam Hollstein

Foto: WDR/Martin Menke

Schlagersänger Roland Kaiser spielt im aktuellen Münster-“Tatort“ den Schlagerstar Roman König. Thiel und Boerne müssen allerdings nicht nur seinen Tod aufklären.

Zu den Klassikern in deutschen Haushalten zählten in den achtziger Jahren neben dem Flokati-Teppich die Langspielplatte mit dem Best-of-Schlager-Mix und die Yucca-Palma. Zu letzterem gab es dann auch noch das passende Buch dazu: „Die Spinne in der Yucca-Palma“ über Wanderlegenden und die Gefahr, Erzählungen zu viel Vertrauen zu schenken.

Im Münsteraner „Tatort“ mit dem Titel „Summ, Summ, Summ“ (heute Abend 20.15 Uhr in der ARD sowie 21.45 Uhr und 23.45 Uhr in EinsFestival) und tauchen beide Elemente wieder auf, aber sie werden hier auf geradezu dadaistische Weise neu gemischt.

Die Spinne klettert diesmal nicht aus einem Gewächs, sondern aus der Bananenkiste, die Professor Boerne (Jan Josef Liefers) im Großmarkt erworben hat. Im Gegensatz zu ihren Yucca-Verwandten ist ihr Biss tödlich. Der Pathologe muss sich deshalb schleunigst ein Ausweichquartier besorgen, und Kommissar Thiel gleich mit.

Dann taucht ein veritabler Schlagerstar auf: Roland Kaiser („Santa Maria“) ist hier nur namentlich zu Roman König degradiert, scheint aber ansonsten sich selbst zu spielen.

Tote Frau in einem Supermarkt-Müllcontainer

Ein in die Jahre gekommener Meister des Weichspülgesangs, der vor allem Frauen noch immer zur Ekstase treiben kann. Eine davon liegt plötzlich ermordet in einem Supermarkt-Müllcontainer. In ihrer Tasche findet sich eine Ehrenkarte für das bevorstehende Konzert von Roman König, das dieser in seiner Heimatstadt Münster geben will.

Der Sänger hat sich dafür bereits in einem Nobelhotel einquartiert, in dem auch Professor Boerne strandet und das umgehend von Fans belagert. Als besonders hartnäckig erweist sich dabei eine Krankenschwester, die ihrem Idol per Wohnwagen hinterher reist. Fritzi Haberlandt spielt sie schön abgründig im Minirock.

Ihre Gegenspielerin ist Königs Managerin Ina Armbaum (Ulrike Krumbiegel), die mit teils rabiaten Methoden versucht, die Stalkerin fern zu halten. Kommissar Thiele (Axel Prahl) muss in einem Milieu ermitteln, das seinem eigenen Musikgeschmack so fern liegt wie sein Lieblingsverein Sankt Pauli von Bayern München.

Roland Kaisers neue künstlerische Freiheit

Ein Schlagerstar spielt einen Schlagerstar. So weit, so unoriginell. Aber dann liegt Roland Kaiser alias Roman König tot bei Boerne auf dem Seziertisch. Was nun folgt, ist die überraschende Dekonstruktion des Schlagerstar-Mythos – und das unter tatkräftiger Beteiligung von Kaiser selbst.

Offenbar hat der Sänger nicht zuletzt durch seine schwere Krankheit zu neuer künstlerischer Freiheit gefunden. Während er einerseits mit Konzerttourneen sein Image weiterhin bedient, zerlegt er es andererseits in diesem „Tatort“ mit erkennbarer Freude.

Die Anspielungen auf einen anderen Prominenten sind dabei nicht zu übersehen: Die Tote vom Parkplatz ist eine Journalistin, die den Sänger der Vergewaltigung beschuldigte. Die Causa Kachelmann lässt grüßen bis hin zu angeblichen sexuellen Vorlieben und Namensähnlichkeiten beim Opfer.

So funktioniert der Krimi auf zwei Ebenen, für Schlagerhasser und Schlagerfans. Das Geplänkel des Münsteraner Ermittler-Teams und allerlei gefährliches Getier gibt es als Zugabe obendrauf.

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