Das starke Schneetreiben hat in Deutschland zu zahlreichen Unfällen und Verkehrsbehinderungen geführt. Der schwerste Unfall ereignete sich auf der Autobahn 45 nahe Münzenberg im Wetteraukreis. Dort rasten am Dienstag bis zu 100 Autos ineinander.

Nach ersten Angaben eines Polizeisprechers wurden viele Menschen verletzt, mehrere davon schwer. Die Autobahn ist in beiden Richtungen voll gesperrt. Die Sperrung dürfte mehrere Stunden andauern. Schweres Schneetreiben hatte zuvor bereits zu zahlreichen Unfällen geführt.

Wegen starken Schneefalls ist der Flughafen Frankfurt am späten Dienstagvormittag geschlossen worden. Das teilte der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte, in Frankfurt mit. Seit 11.20 Uhr gebe es keine Starts und Landungen, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Der Flugverkehr solle voraussichtlich um 13.30 Uhr wieder aufgenommen werden. „Dann sollen die Schneefälle deutlich aufhören“, sagte Schulte.

Der Flugverkehr sei wegen der verschneiten Landebahnen eingestellt worden. Die Räumfahrzeuge kämen derzeit mit dem Räumen nicht nach, sagte Schulte. Auch die Crews der Fluggesellschaften hätten wegen des Winterwetters Probleme, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Zuvor hatte Schulte bereits angekündigt, dass 200 bis 300 Flüge ausfallen. Wie viele Flüge von und nach Berlin betroffen sind, war zunächst unklar. Grund für die Einstellung des Flugbetriebs waren demnach neben den Schneefällen auch starke Schneeverwehungen auf den Start- und Landebahnen.

Leichte Milderung am Wochenende

Heftiger Schneefall und eisige Temperaturen – der „Märzwinter“ breitet sich in ganz Deutschland aus. Am Dienstag bekamen der Westen und die Mitte eine kräftige Ladung Schnee ab, im Norden herrschten durchweg Minustemperaturen, nur im Süden zeigte das Thermometer immer noch Plusgrade. Auch dort zieht im Laufe der Woche Frost ein. Erst am Wochenende erwarten die Meteorologen eine leichte Milderung – aber nach richtigem Frühling sieht das auch noch nicht aus. Die Entwicklung der Pflanzen ist gestoppt.

Von „Märzwinter“ sprechen die Meteorologen, wenn ein Kälteeinbruch den Frühling im März noch einmal ausbremst. „Das ist gar nicht so selten“, sagte Meteorologe Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Dienstag. Dieses Mal ist es aber nicht nur die Kälte, sondern auch der Schnee. Das liege daran, dass Tiefdruckgebiete mit feuchter Luft auf die kalten Luftmassen treffen – das Ergebnis seien ergiebige Schneefälle.

Der heftige Kälteeinbruch hat die Vegetation ausgebremst. Pflanzen, die schon aus der Ruhe erwacht waren, machen jetzt Pause. „Das Wachstum wird aufgehalten“, sagte DWD-Agrarmeteorologe Ekko Bruns. Die meisten Knospen sind noch geschlossen, so dass sie keinen Schaden nehmen. Frühblüher wie Schneeglöckchen stecken Minusgrade weg. Auch auf den Feldern sollte nichts passieren, denn die Entwicklung war noch nicht weit fortgeschritten, und die Schneedecke schützt vor großer Kälte. Und wenn es dann endlich wärmer wird, holt die Natur rasch auf: „Bei langen Wintern geht alles schneller“, sagte Bruns.

Flugzeug rutscht in Paris-Orly von der Landebahn

Wegen der starken Schneefälle rutschte am Dienstag ein Flugzeug mit 140 Menschen an Bord am Pariser Flughafen Orly von der Piste. Die Maschine der Fluggesellschaft Tunisair sei bei der Landung um 11.15 Uhr verunglückt, hieß es am Flughafen Orly. Es habe „keine Verletzten“ gegeben. Grund seien die schlechten Wetterverhältnisse gewesen.

Nach Angaben eines Sprechers der Pariser Flughäfen wurden die Passagiere sicher aus der Maschine gebracht. Nach seinen Angaben war die genaue Ursache des Unglücks noch unklar; der Pilot sollte dazu befragt werden.

Ungewöhnlich starke Schneefälle legten am Dienstag vor allem den Norden und Westen Frankreichs lahm. Verkehrschaos herrschte aber auch im Großraum Paris.

dpa/AFP/ap