Geiselnahme

Mörder von Karlsruhe war spielsüchtig

Ein mögliches Motiv für den Mord an vier Menschen in Karlsruhe war Spielsucht: Der Täter hatte ein Vermögen verspielt und hortete Waffen.

Der Karlsruher Geiselnehmer, der Anfang Juli vier Menschen und sich selbst erschossen hat, war spielsüchtig. Zu diesem Ergebnis kam die Ermittlungsgruppe der Polizei. Der Täter habe offenbar „über Jahre hinweg an Spielautomaten größere Summen verspielt, ohne dass allerdings eine gravierende finanzielle Notlage erkennbar gewesen wäre“, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Der 53-jährige Franzose hatte am 4. Juli bei einer Zwangsräumung in Karlsruhe den Gerichtsvollzieher, einen Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes und den neuen Wohnungseigentümer erschossen. Die bisherige Wohnungsinhaberin und Freundin des Elsässers wurde mit einem Brustschuss im Bett gefunden.

Einen Sozialarbeiter hatte der Täter laufen lassen, den Gerichtsvollzieher und den neuen Wohnungseigentümer richtete er mit Kopfschüssen regelrecht hin.

Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Spielsucht ein möglicher Tat-Hintergrund war. „Es hat in gewisser Weise sein Leben beeinflusst“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe.

Der Täter hatte Munition und sieben Waffen gehortet: eine Kalaschnikow, drei Schrotflinten (darunter eine Pump-Gun), ein weiteres Gewehr, eine Pistole und einen Revolver. Schon gleich nach der Tat hatte die Polizei eine Übungsgranate gefunden.

Nun entdeckte sie die Reste einer weiteren Übungsgranate im verkohlten Teppich, den der Mann kurz vor seinem Selbstmord angezündet hatte. Die bis zur Unkenntlichkeit verschmolzene Granate wurde mit Hilfe eines Metalldetektors aufgespürt.

Herkunft der Waffen unklar

Der Elsässer hatte französische Berechtigungen für sechs Waffen und war früher in seinem elsässischen Heimatort im Schützenverein gewesen. Mit Ausnahme der Schrotflinte, mit der er sich erschoss, hatte er alle Waffen illegal erworben. Woher, weiß man nicht. Wo die anderen fünf Waffen sind, für die er die französische Erlaubnis hatte, ist ebenfalls nicht bekannt.

Der Mann hatte mit seiner Partnerin äußerst zurückgezogen gelebt und laut Polizei keinerlei Kontakte zu Angehörigen oder Freunden gepflegt. Beide sollen schon länger nicht mehr gearbeitet haben. Er soll früher Gelegenheitsarbeiter gewesen sein; sie habe sporadisch als Arzthelferin ausgeholfen. Ob die 55-Jährige an einer Erkrankung litt, konnte nicht erklärt werden.

Alkohol als Auslöser der Tat gilt als „äußerst unwahrscheinlich“. Bei der Obduktion wurden im Blut des Mannes 0,85 Promille Alkohol festgestellt.

Weil die Frau mit den Zahlungen an die Hausgemeinschaft im Rückstand war, wurde im April die Wohnung zwangsversteigert. Die 55-Jährige sollte in eine Übergangsunterkunft der Stadt ziehen. Für den Mann war hingegen keine Übergangsbleibe geplant, weil er nicht in der Stadt gemeldet war.

Geldnot scheinen die beiden aber nicht gehabt zu haben: Vom Erlös der zwangsversteigerten Wohnung waren mehrere zehntausend Euro - Medienberichten zufolge rund 60.000 Euro - übrig geblieben. Die beim Amtsgericht Karlsruhe hinterlegte Summe war allerdings nicht abgerufen worden.

Vor einer Woche hat Baden-Württemberg mit einer Feier der Opfer des Karlsruher Geiseldramas gedacht.