"Costa Concordia"

Welche Rolle die mysteriöse blonde Frau spielte

Domenica Cemortan war an Bord der "Costa Concordia", als sie unterging. Spekuliert wurde, wer die Frau ist und warum sie auf dem Schiff war. Die 25-Jährige reiste wohl als blinde Passagierin mit.

Foto: dpa, ROPI / dpa/Rolf Niemeyer, ROPI

Der Eigner des an der italienischen Küste havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ will nach dem Unglück seine Sicherheits- und Notfall-Regeln einer grundlegenden Prüfung unterziehen. Der Chef des US-Unternehmens Carnival, Micky Arison, erklärte am Donnerstag, der Unfall stelle die bestehenden Vorgaben des Konzerns in Frage. Das Unternehmen heuerte für die Revision auch externe Experten an und sprach sich zudem für eine grundlegende Überprüfung der Vorgaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation aus. Passagiere haben der Besatzung schwere Fehler bei der Reaktion auf das Unglück vorgeworfen.

"Diese Tragödie stellt die Sicherheits- und Notfall-Prozeduren unserer Firma in Frage“, sagte Firmenchef Micky Arison in Miami. Er beteuerte, die Bestimmungen in der Branche seien bereits hoch. Die Überprüfung solle aber sicherstellen, „dass sich diese Art von Unglück nicht wiederholt“.

Die 290 Meter „Costa Concordia“ hatte am 13. Januar 2011 nach einer Kursänderung des Kapitäns einen Felsen vor der italienischen Insel Giglio gerammt und war leckgeschlagen. Mehr als 4200 Menschen waren an Bord, es gab mindestens elf Tote, mehrere Menschen werden noch vermisst. Passagiere hatten von chaotischen Zuständen bei der Evakuierung berichtet.

Die Federführung bei der Überprüfung der Notfall-Richtlinien übernimmt der ehemalige Navy-Kapitän James Hunn, der nach einer 32-jährigen Karriere in der US-Kriegsmarine bei der weltgrößten Kreuzfahrt-Reederei angeheuert hatte.

In italienischen Medien wie der Zeitung „La Stampa“ hatten am Donnerstag Spekulationen über eine angeblich geheimnisvolle blonde Frau auf der Kommandobrücke der „Costa Concordia“ für Verwirrung gesorgt. Von blinden Passagieren war die Rede.

Bei der Frau handelt es sich um die 25-jährige Domnica Cermortan aus Moldawien. Sie nahm den Kapitän in Schutz. „Alle Anschuldigungen, die man heute gegen ihn hört, sind absurd“, wird sie zitiert. „Der Kapitän der 'Costa Concordia' ist der beste der Firma. Er hat alles richtig gemacht und Menschenleben gerettet. Er ist ein Held. Alle Besatzungsmitglieder haben sich professionell verhalten und Leben gerettet.“ Domnica Cemortan sagte in einem Interview: „Ich war nicht im Rettungseinsatz, weil ich vier Sprachen spreche und mich der Kapitän bat, an Deck zu bleiben, um eine letzte Ansage für die Passagiere zu machen.“

Die Ermittler wollten Cermortan als wichtige Zeugin für das Verhalten des Kapitäns Francesco Schettino während der Katastrophe vernehmen. Die blonde Balletttänzerin habe angegeben, sie sei mit Schettino zusammengewesen, als das Kreuzfahrtschiff vor der Insel Giglio einen Felsen rammte. Die 25-Jährige sei auch auf der Kommandobrücke des Schiffes gewesen. Den Berichten zufolge war die Frau weder als Passagierin noch als Besatzungsmitglied verzeichnet gewesen. Sie sei womöglich als Gast des Kapitäns an Bord gewesen.

Cermortan sagte, sie habe für die Costa-Reederei auf anderen Schiffen gearbeitet und habe an Bord der „Concordia“ ihren 25. Geburtstag feiern wollen. Zum Zeitpunkt des Unglücks habe sie mit Freunden zu Abend gegessen. Sie bestritt, dass Schettino auf der Brücke Drinks genommen habe. Um 23.50 Uhr sei sie ins Wasser gesprungen, sagte sie. „Der Kapitän hat da noch auf der Brücke gearbeitet.“

Für das Personal von Kreuzfahrten sei es kein Geheimnis, dass Kapitän und Offiziere inoffiziell Freunde oder Verwandte einladen könnten, schrieb „La Stampa“. Diese im Fall der „Costa Concordia“ zu ermitteln, könnte wichtig werden, weil es auch die Verwirrung bei der Zahl der Vermissten erklären könnte.