Sturm Joachim

"Deutschland hat das Schlimmste überstanden"

Mit heftigen Sturmböen und Regenfällen ist Tief "Joachim" über Deutschland gezogen. In vielen Regionen brach ein Schneechaos aus.

Orkantief Joachim hat mit heftigen Stürmen und Niederschlägen vor allem in Süd- und Mitteldeutschland Schäden angerichtet und zu teils erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt. Auf den Autobahnen bildeten sich lange Staus, einige Bahnstrecken waren zeitweise gesperrt. Weihnachtsmärkte öffneten nicht und mancherorts fiel die Schule aus.

In der Nacht zum Samstag ließ der Wind schließlich nach. Größere Schäden meldeten weder die Polizei noch die Feuerwehren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach hatte für Teile des Landes Unwetterwarnungen ausgegeben, hob diese aber zum Morgen wieder auf.

Am Freitagabend verabschiedete sich der stürmische Joachim aus Deutschland, um über Polen und die Ostsee weiter nach Osten zu ziehen. „Damit hat Deutschland das Schlimmste überstanden“, sagte Diplom-Meteorologe Robert Scholz vom DWD.

Vor allem im Süden ließ der Sturm am Freitag mit Stärke 12 die Muskeln spielen. Bayern, Thüringen und Teile Sachsen-Anhalts erlebten ein Schneechaos.

Im oberpfälzischen Pechbrunn starb ein 57-Jähriger beim Schneeräumen auf dem Gehweg seines Anwesens, wie die Polizei mitteilte. Bei Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz erlitt ein 38-jähriger schwere Verletzungen, als sein Wagen von einer Sturmböe erfasst wurde und sich überschlug. Am Schulzentrum Balingen-Frommern in Baden-Württemberg riss der Sturm ein tonnenschweres Blechdach ab. Verletzt wurde niemand. Vielerorts wurden Bäume entwurzelt. Begleitet wurde der Sturm von zum Teil starken Regenfällen. Auf der Zugspitze wurden Orkanböen mit bis zu 183 Stundenkilometern gemessen.

Zugverkehr kam zum Erliegen

In den Höhenlagen des Bayerischen Walds meldete die Polizei starke Schneefälle, Unfälle und Behinderungen im Straßenverkehr. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn war nach Angaben eines Sprechers kaum beeinträchtigt. Im Süden von Rheinland-Pfalz brachten gefährliche Windböen jedoch den regionalen Zugverkehr stundenlang zum Erliegen, erst am Nachmittag konnten die Strecken wieder freigegeben werden.

In Thüringen verursachten liegen gebliebene Lkw auf der A 71 kilometerlange Staus. In Sachsen waren Joachims Auswirkungen nur in den Höhenlagen des Erzgebirges und des Vogtlandes zu spüren. In Südhessen bescherte das Unwetter mehr als 45.000 Kindern einen schulfreien Tag. Der Unterricht in allen 122 staatlichen Schulen in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg wurde abgesagt. Auch in Teilen Unterfrankens fiel der Unterricht aus.

Am Frankfurter Flughafen kam es zu Verzögerungen, Flüge mussten aber nicht abgesagt werden. Auch Nordrhein-Westfalen blieb von Joachim nicht verschont. Auf den Autobahnen vor allem rund ums Sauerland bildeten sich lange Staus, die A 45 und die A 4 mussten zeitweise gesperrt werden. Lediglich in Norddeutschland blieb die Lage zunächst entspannt.

Weihnachtsmärkte schließen

Wegen des Orkantiefs mussten auch zahlreiche Veranstaltungen abgesagt werden. Die Weihnachtsmärkte in Karlsruhe, Friedrichshafen, Chemnitz, Freiberg und Kempten wurden vorsorglich geschlossen. Das Tollwood-Winterfestival auf der Münchner Theresienwiese öffnete aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht. Mehrere Skigebiete stellten den Liftbetrieb ein. An der Zugspitze war die Eibsee-Seilbahn nicht in Betrieb.

Unterdessen erreichte die Schlechtwetterfront am Freitagabend Tschechien und machte manche Straßen unpassierbar. Die Autobahn D8 in Richtung Dresden war am Freitag zeitweise blockiert, weil der Verkehr im Erzgebirge im Schneetreiben steckenblieb, meldete das tschechische Fernsehen.

In der Slowakei machten starke Schneefälle mehrere Bergstraßen vor allem in der Mitte des Landes unpassierbar. Besonders betroffen von Winden war der Norden des Landes um die Hohe Tatra.

Tote und Verletzte in Spanien und Frankreich

Bei einem Ausläufer des Sturmtiefs kam im Südosten Spaniens ein Rentner ums Leben. Der 70-Jährige wurde nach Angaben der Behörden in Almansa beim Einsturz des Dachs seines Wohnhauses von Trümmern erschlagen. Im Baskenland wurden neun Menschen unter anderem von herabstürzenden Teilen verletzt.

In Frankreich tobte sich „Joachim“ bereits in der Nacht auf Freitag aus. In dem Sturm strandete vor der Südküste der französischen Bretagne der unter Malta-Flagge fahrende Frachter „TK Bremen“. Die Behörden lösten Umweltalarm aus, da Öl auslief.

Das rief Erinnerungen an die Ölpest nach der Havarie der „Erika“ im Jahr 1999 wach. „Im Rumpf gibt es ein Loch, der Ölfilm ist mittlerweile einen Kilometer lang und fünf Meter breit“, sagte die Bürgermeisterin von Erdeven, Marie-Françoise Le Jossec, dem Sender BFM. Die Tanks sollten ausgepumpt werden. Der Frachter sei abgesehen von 220 Tonnen Treibstoff weitgehend leer.

In Westfrankreich fiel nach Regierungsangaben in rund 400.000 Haushalten der Strom aus, davon 100.000 in der Bretagne. In Straßburg blieb der Weihnachtsmarkt am Freitag geschlossen – auf Anordnung der Stadtverwaltung. Die bis zu 110 Kilometer starken Windböen könnten für Menschen gefährlich werden, sagte ein Sprecher. Um den 30 Meter hohen Weihnachtsbaum im Zentrum wurde eine Absperrung errichtet.

Auch in Großbritannien kehrte am Freitag der Winter ein, einige Flüge fielen aus. Im schottischen Glasgow wurden sechs Zentimeter Schnee gemessen, in Nordirland vier Zentimeter. Auch im Südosten der Region um London schneite es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

>> Zur aktuellen Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes.