Unwetter "Joachim"

Orkan bringt Schneechaos und kilometerlange Staus

Mit bis zu 130 Stundenkilometern fegt Orkantief "Joachim" über Deutschland. Auf Autobahnen kam es zu kilometerlangen Staus, ein Hotel musste evakuiert werden.

Orkantief Joachim hat am Freitag mit Sturm, Regen und Schnee in weiten Teilen Süd- und Mitteldeutschlands Schäden angerichtet und zu teils erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt. Weihnachtsmärkte öffneten nicht und mancherorts fiel die Schule aus. Die heftigsten Stürme wurden aus dem Südwesten gemeldet. Besonders in Mitteldeutschland wurde starker Schneefall verzeichnet. Im Laufe des Nachmittags sollte das Orkantief weiter nach Nordosten ziehen. Bereits in der Nacht zu Freitag hatten die Unwetter in Frankreich erhebliche Schäden angerichtet.

Lange Staus auf Autobahnen

In Süd- und Mitteldeutschland waren zahlreiche Straßen zeitweise nicht passierbar. Auf der A 71 in Thüringen verursachten liegen gebliebene Lkw kilometerlange Staus. Auch auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen bildeten sich lange Staus. Die A 45 und die A 4 mussten zeitweise gesperrt werden. In Rheinland-Pfalz musste die A 61 vorübergehend gesperrt werden. Im Süden des Bundeslandes brachte der Orkan den regionalen Bahnverkehr zum Erliegen. Viele Strecken wurden gesperrt. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn war nach Angaben eines Sprechers hingegen kaum beeinträchtigt.

Am Frankfurter Flughafen kam es zu Verzögerungen. Wegen der Sturmwarnung könnten die Bodendienste nicht planmäßig arbeiten, sagte ein Flughafen-Sprecher. Es könne es zu kleineren Verspätungen kommen, mit Flugausfällen sei aber nicht zu rechnen.

In Karlsruhe, Friedrichshafen und Chemnitz wurden aufgrund der Sturmwarnung vorsorglich die Weihnachtsmärkte geschlossen.

Unwetter beschert 45.000 Kindern schulfreien Nachmittag

In Südhessen bescherte das Unwetter mehr als 45.000 Kindern einen schulfreien Nachmittag. Ab 11 Uhr wurde der Unterricht in allen 122 staatlichen Schulen in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg abgesagt. Zudem gab es in Hessen ergiebige Schneefälle.

Über den Brocken im Harz zog das Orkantief laut Deutschem Wetterdienst mit bis zu 130 Stundenkilometern. Das Hotel auf dem 1.141 Meter hohen Berggipfel wurde evakuiert. Auch über den Schwarzwald fegte das Tief mit Orkanstärke hinweg. Auf dem Belchen wurden nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia 126 Stundenkilometer gemessen, auf der Bühlerhöhe 120 Stundenkilometer. Im Nordwesten Baden-Württembergs entwurzelte der Sturm Bäume und riss Bauzäune um. Begleitet wurde der Sturm von zum Teil starken Regenfällen.

Im südlichen Rheinland-Pfalz wurden am Vormittag wegen der Gefahr von herunterstürzenden Ästen und Bäumen viele Strecken für den Regionalverkehr gesperrt. In Kaiserslautern wurden S-Bahn-Gleise durch umgestürzte Bäume blockiert. Wegen der starken Niederschläge warnten die Behörden vor Überschwemmungen an der Mosel und der Nahe.

In Sachsen musste der Grenzübergang nach Tschechien im erzgebirgischen Reitzenhain aufgrund starker Schneeverwehungen geschlossen werden. Auch im Vogtland meldete die Polizei Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume und kleinere Unfälle.

Frachter strandet vor französischer Küste

In der Nacht zu Freitag hatte das Sturmtief die französische Küste erreicht. Vor der Bretagne strandete der 109 Meter lange Frachter „TK Bremen“ mit 19 Mann an Bord. Ein Hubschrauber vom Typ NH 90 der französischen Marine rettete die Männer von Bord des Schiffes unter maltesischer Flagge, wie der Préfet Maritime in Brest erklärte. Einer der Öltanks des leeren Frachters wurde beschädigt. Öl verschmutzte den Strand bei Etel, südlich von Lorient, wie die Zeitung „Ouest-France“ berichtete. In Straßburg stoppte die Stadt den Weihnachtsmarkt aus Sicherheitsgründen. Auch der Schlosspark von Versailles wurde am Freitag bis auf weiteres geschlossen.

Bei rund 400.000 Haushalten im Westen des Landes fiel obendrein der Strom aus, wie der Radiosender „France Info“ berichtete. Auch der Auto- und Zugverkehr wurde erheblich behindert. Probleme gab es auch auf den Flughäfen von Brest, Nantes und Rennes.