Komplott gegen Strauss-Kahn

Journalist will Beweise für DSK-Intrige vorlegen

Der Enthüllungsjournalist Edward Epstein hält die angebliche Vergewaltigung eines New Yorker Zimmermädchens durch Dominque Strauss-Kahn für eine gezielte Intrige gegen den ehemaligen IWF-Chef und will dafür Beweise vorlegen. Doch wer hinter dem Komplott stecken soll, lässt er offen.

Ist Dominique Strauss-Kahn doch Opfer eines Komplotts geworden? Das ist die Frage, die in Paris heftig debattiert wird, nachdem ein Artikel des amerikanischen Enthüllungsjournalisten Edward Epstein für erhebliche Aufregung gesorgt hat. Epstein, der sich durch Bücher über die Ermordung Kennedys und Attentatsversuche auf Fidel Castro in verschwörungtheorieaffinen Kreisen einen Namen gemacht hat, hatte in der „New York Review of Books“ auf Ungereimtheiten in den Ermittlungen wegen der angeblichen Vergewaltigung eines Zimmermädchens hingewiesen. Strauss-Kahn wird vorgeworfen, im New Yorker „Sofitel“ im Mai Nafissatou Diallo zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben.

Da die Staatsanwaltschaft die Glaubwürdigkeit der Zeugin für erschüttert hält, wurde das Strafverfahren im August eingestellt. Ein Zivilprozess ist anhängig. Strauss-Kahn kostete der Skandal seinen Posten als IWF-Direktor und die Präsidentschaftskandidatur. Epsteins Artikel schildert nun in betont sachlichem Ton mehrere dubiose Punkte – die Spekulationen Tür und Tor öffnen. Denn der Text suggeriert die Möglichkeit, dass Sicherheitskräfte der französischen Hotelkette Sofitel mit Kontakten zu Geheimdienstkreisen und zur französischen Regierung kollaboriert haben könnten, um Strauss-Kahn zu Fall zu bringen.

Nach Epsteins Recherchen soll Strauss-Kahn am Morgen des 14. Mai über eine Bekannte, die bei der französischen Regierungspartei UMP arbeitete, die Information erhalten habe, dass sein Blackberry abgehört werde und sein SMS-Verkehr im Elysée bekannt sei. Wenige Stunden später, um 12.51 Uhr, wurde eben dieses Mobiltelefon nach dem Zusammentreffen Strauss-Kahns mit dem Zimmermädchen auf mysteriöse Weise „stillgelegt“ – und ist seither verschwunden. Strauss-Kahn selbst meldete den Verlust telefonisch im Hotel – und konnte deshalb noch am Flughafen verhaftet werden. Eine solche Stilllegung – die die Lokalisierung des Gerätes unmöglich macht – könne nur durch einen „Unfall“ oder von einem Experten erreicht werden, schreibt Epstein.

Besonders fragwürdig findet der Autor das Verhalten der Sicherheitskräfte. Epstein hatte Zugang zu den Überwachungsvideos des Hotels und will gesehen haben, wie der Sicherheitsangestellte, der Nafissatou Diallo nach dem Vorfall befragte, mit einer „unbekannten dritten Person“ einen dreiminütigen Freudentanz aufführt, nachdem die Polizei verständigt wurde. Der Hotelkonzern hat die Existenz dieser Sequenz zunächst bestritten, dann erklärt, sie dauere „höchstens 8 Sekunden“, und der Jubel der Mitarbeiter stünde „in keiner Beziehung“ zum Fall Diallo.

Brisante Kontakte des Präsidenten

Sein Artikel wirft zudem die Frage auf, ob Nicolas Sarkozy möglicherweise weit früher über die Ereignisse im Bilde war als bislang bekannt. Während sich das Drama in Manhattan entfaltete, saß der französische Präsident auf der Tribüne eines Fußballstadions in Paris. Mit ihm in der Loge saß der oberste Sicherheitsdirektor der Accor-Gruppe, zu der die Sofitel-Kette gehört, René-Georges Querry. Querry wiederum ist eng befreundet mit Ange Mancini, dem Geheimdienstkoordinator des Präsidenten. Querry bestritt am Wochenende jedoch, in den Fall Diallo/DSK eingegriffen zu haben.

Epstein weist außerdem darauf hin, dass das Hotelzimmer, das Nafissatou Diallo unmittelbar nach dem Vorfall auf demselben Flur betreten hat, von der Polizei nicht als Teil des Tatorts auf Spuren untersucht wurde, weil Diallo nicht ausgesagt hatte, es betreten zu haben. Die Hotelleitung weigert sich aus Gründen der Vertraulichkeit, den Namen des Gastes preiszugeben. Bei aller Begeisterung über mögliche Komplotte kann Epstein nämlich eine Frage nicht beantworten: Warum sollten sich Regierungskreise die Mühe machen, „DSK“ eine komplizierte Falle zu stellen? Zu diesem Zeitpunkt musste so gut informierten Kreisen klar sein, dass die Prostitutionsaffäre in Lille, die „DSK“ sich allein eingebrockt hatte, ihn als Präsidentschaftskandidaten erledigen würde.