Vergewaltigungsvorwurf gegen Strauss-Kahn

"Dieser Typ hat viel Geld – ich weiß, was ich tue"

Ein abgehörtes Telefonat erschütterte letztlich die Glaubwürdigkeit von Strauss-Kahns Zimmermädchen. Doch das Gespräch wurde erst spät ausgewertet.

Foto: REUTERS

Nach seiner Freilassung aus dem Hausarrest hat Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn mit seiner Frau Anne Sinclair ein italienisches Restaurant in New York besucht. In dem Lokal auf Manhattans Upper East Side aßen die beiden gemeinsam mit einem befreundeten Paar, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Eine kanadische Restaurantbesucherin berichtete, ein anderes Paar sei während des Essens aufgestanden, um Strauss-Kahn und seine Frau zur Freilassung zu beglückwünschen und ihnen die Hände zu schütteln. Beim Verlassen des Restaurants gab es ein Blitzlichtgewitter der dort wartenden Fotografen, Strauss-Kahn und seine Frau lächelten jedoch nur und antworteten nicht auf die Fragen der Journalisten.

Ein Gericht in New York hatte zuvor entschieden, Strauss-Kahn wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers unter Auflagen freizulassen. Die aus Guinea stammende Hotelangestellte, die Strauss-Kahn massive sexuelle Übergriffe in einem New Yorker Hotel vorwirft, hat seit dem angeblichen Vorfall am 14. Mai laut Staatsanwaltschaft mehrfach gelogen.

Weniger als 24 Stunden, nachdem sie die Vorwürfe gegen Strauss-Kahn erhoben hatte, führte die Frau offenbar ein Telefonat mit einem wegen Drogenbesitzes im Gefängnis sitzenden Mann und besprach dabei die Vorteile eines Vorgehens gegen Strauss-Kahn.

Wie die „New York Times“ am Samstag berichtete, war es offenbar dieser Anruf, der die Ermittler hellhörig machte. Das in der Sprache Fulani geführte Gespräch sei im Gefängnis aufgezeichnet worden, aber erst am Mittwoch übersetzt worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen mit dem Fall vertrauten Justizbeamten. Demnach sagte die Frau: „Mach dir keine Sorgen, dieser Typ hat viel Geld, ich weiß, was ich tue.“

Die Ermittlungen zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den 62-jährigen Franzosen sollen aber fortgesetzt werden. Da die Justiz Strauss-Kahns Pass einbehielt, kann er sich vorläufig nur innerhalb der USA frei bewegen. Strauss-Kahn war am 14. Mai festgenommen worden. Die Anklage wirft ihm vor, eine Hotelangestellte zum Oralsex gezwungen und gewaltsam versucht zu haben, mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben.

Nach der Entscheidung des Gerichts war der frühere IWF-Chef zunächst in seine Wohnung zurückgekehrt, in der er unter Hausarrest stand. Später am Tag wurden Luftballons in die Wohnung geliefert, darunter auch eine aufblasbare Freiheitsstatue, um damit die wiedergewonnene „Freiheit“ des Franzosen zu feiern.

Die überraschende Wende im Fall des früheren IWF-Chefs hat unter seinen sozialistischen Parteifreunden in Frankreich Freude und Genugtuung ausgelöst. „Ich glaube, dass die Wahrheitsfindung in den Vereinigten Staaten vorankommt“, sagte Parteichefin Martine Aubry im nordfranzösischen Lille. „Ich würde mir aber wünschen, dass sie noch schneller vorankommt“, fügte sie hinzu.

Auf die Frage, welche Auswirkungen ein möglicher Freispruch Strauss-Kahns auf die Vorwahlen der Sozialisten zur Bestimmung eines Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im kommenden Jahr haben könnte, wollte sich Aubry nicht äußern. Die Parteichefin bewirbt sich selbst um die Kandidatur.

Der frühere sozialistische Parteichef François Hollande, der sich parteiintern ebenfalls um die Präsidentschaftskandidatur bewirbt, schlug nach Strauss-Kahns Freilassung eine Verlängerung der am 13. Juli endenden Bewerbungsfrist vor. Er habe diesbezüglich „überhaupt keinen Vorbehalt“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Wenn der Ex-IWF-Chef bei seiner nächsten Anhörung vor Gericht am 18. Juli für unschuldig erklärt werde, habe er „jede Freiheit, eine Entscheidung zu treffen“, sagte Hollande. Die Bewerbungsfrist könne „Ende Juli oder sogar Ende August“ enden. Die Termine für die Vorwahl am 9. und 16. Oktober sollten aber beibehalten werden.

Der ehemalige sozialistische Minister Jack Lang zeigte sich „sehr glücklich“ über die Entwicklung im Fall Strauss-Kahns. „Seit dem ersten Tag“ habe er „immer an die Unschuld Dominiques geglaubt“, erklärte er in einer Mitteilung. Frankreich brauche „seine Kompetenz, sein Talent und seine internationale Ausstrahlung“.

Der ebenfalls sozialistische Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë teilte AFP mit, er wünsche sich eine rasche Wahrheitsfindung, damit Strauss-Kahn „endgültig seine Ehre wieder reinwaschen kann“.