Entführung

Polizei rettet Behinderte aus Kellerverlies

Vier Amerikaner sollen geistig Behinderte jahrelang in einem Keller weggeschlossen haben. Gleichzeitig kassierten sie deren Sozialhilfe. In dem Haus in Philadelphia lebten zudem unterernährte Minderjährige.

Ein Kidnapping-Fall um vier in einem Kellerverlies eingesperrte Behinderte in Philadelphia nimmt immer größere Ausmaße an: Die Polizei befreite auch zehn Kinder aus der Obhut der mutmaßlichen Haupttäterin, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten. Außerdem sei eine vierte Verdächtige festgenommen worden.

Vier in einem verschmutzen Keller eingesperrte Erwachsene zwischen 29 und 40 Jahren waren am Wochenende durch Zufall in dem Haus in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania entdeckt worden. Die geistig Behinderten lebten in dem Kellerraum nach Polizeiangaben mit zwei Hunden unter widrigsten Bedingungen. Bei ihrer Befreiung seien die drei Männer und die Frau in jämmerlichem Zustand vorgefunden worden: Sie hatten nichts zu essen, als Toilette diente ein Eimer.

Auch die befreiten Kinder lebten offenbar in dem Haus. Sie waren den Angaben zufolge zwischen zwei und 19 Jahren alt und zum Teil unterernährt. Unter ihnen sei auch die im Jahr 2009 als vermisst gemeldete Nichte der Hauptverdächtigen Linda Weston, teilte die Polizei mit.

Derzeit liefen Untersuchungen, um die Kinder zu identifizieren, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft von Philadelphia. Es sei nicht auszuschließen, dass einige der Kinder entführt worden seien. Zwei Kinder seien möglicherweise von der gefangen gehaltenen Frau zur Welt gebracht worden. „Wir wissen das noch nicht sicher und müssen einen DNA-Test machen, um das herauszufinden“, sagte die Sprecherin.

Offenbar strichen die mutmaßlichen Kidnapper die Sozialleistungen der eingesperrten Menschen ein. Die Polizei entdeckte bei Weston insgesamt 50 Ausweisdokumente und Sozialversicherungsnummern. Dutzende Menschen in mehreren Bundesstaaten könnten den mutmaßlichen Tätern demnach zum Opfer gefallen sein, die Fälle reichen bis in die 90er-Jahre zurück. Die Ermittlungen konzentrieren sich neben Philadelphia auf die Bundesstaaten Florida, Texas und Virginia. Weston saß bereits acht Jahre im Gefängnis, weil sie 1981 einen in ihrer Wohnung gefangenen 25-jährigen Mann verhungern ließ.

„Das ist eine sehr traurige Geschichte“, sagte ein Polizeisprecher. „Das ist eines der schlimmsten Dinge, die ich jemals erlebt habe.“ Die Polizei nahm am Mittwoch auch die 32-jährige Tochter von Weston fest, ihr werden unter anderem Entführung und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Auch Westons Freund und ein weiterer Mann waren zuvor festgenommen worden.

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