Wegen der Tötung eines Familienvaters sind zwei Männer im Alter von 23 und 24 Jahren zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach sie am Montag des Totschlags schuldig. Die Angeklagten müssen sieben beziehungsweise acht Jahre ins Gefängnis.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie am 14. Januar 2011 nachts den 34 Jahre alten Yildirim Y. „ohne nachvollziehbaren Grund“ in Neukölln mit elf Messerstichen getötet hatten. Vorausgegangen war ein verbaler Streit nach einer Rempelei. Im Laufe der Auseinandersetzung stachen die Angeklagten dann gemeinsam auf das Opfer ein, das noch am Tatort durch Verbluten starb.

Der 23-jährige Anthony W. hatte ausgesagt, dass er und sein Kumpel Marvin K. an jenem Tag an der Goldammerstraße in der Gropiusstadt einen Bekannten besuchen wollten. Sie waren angetrunken. Der Bekannte war offenbar nicht zu Hause, öffnete jedenfalls nicht die Tür. Als sie umkehrten, stieß der 24-jährige Marvin mit dem entgegenkommenden Yildirim Y. zusammen. Worauf Marvin K. den untersetzten Gemüsehändler als „Missgeburt“ beschimpfte. Es folgte ein wütender Wortwechsel und eine Schubserei zwischen Marvin K. und Yildirim Y. Er habe daraufhin versucht, sich zwischen die beiden zu stellen und mit Worten wie „he, lasst das doch sein“ beschwichtigend eingegriffen, behauptete Anthony. Allerdings vergeblich.

Der erboste Yildirim Y. habe ihn mit einem Faustschlag zu Boden geschlagen. Von dort aus habe er gesehen, wie auch Marvin K. umgestoßen wurden. „Da sind bei mir die Sicherungen durchgebrannt“, sagte Anthony W. Er sei aufgesprungen, habe sein Messer gezogen und auf Yildirim Y. „drei oder vier Mal eingestochen“. Anschließend sei er weggerannt, habe aber noch gesehen, dass Marvin K. mit Yildirim Y. weiter rangelte. Ob der Kumpel dabei ebenfalls mit einem Messer hantierte, habe er nicht sehen können. Aber es müsse ja wohl so sein.

Ein Gerichtsmediziner zählte später elf Stiche, die Yildirim Y. in Oberkörper und in den Armen versetzt worden waren. Marvin K. bestritt jedoch, gestochen zu haben. Er besitze gar kein Messer, beteuerte er vor Gericht. Yildirim Y. habe ihn an dem Abend bei der Rangelei umgestoßen. Als er aufstand, habe ihm sein Freund Anthony W. schon zugerufen, dass er abhauen solle. Er sei dann auch wirklich losgerannt. Wenig später sei er von Anthony W. überholt worden. Dabei habe der Freund mehrfach gerufen: „Was habe ich getan... ?“ Und das Messer habe Anthony W. auch beim Rennen noch in der Hand gehalten.

Auch für seine Fingerabdrücke an einem Messerscheide, die am Tatort gefunden wurde, hatte Marvin K. eine Erklärung: Er habe sie Stunden vor der Tat in Anthony W.s Wohnung in der Hand gehabt, als er sich das Messer anschauen wollte.

dapd/sei