Racheakt

Jugendliche wegen Anzeige mit Messern attackiert

Nachdem zwei Jugendliche einen Einbruch anzeigten, wurden sie offenbar von Angehörigen der Verdächtigen mit Messern überfallen. Ein 16-Jähriger erlitt einen Stich in die Lunge und musste auf der Intensivstation behandelt werden.

Eine Anzeige bei der Polizei hätte einen 16-Jährigen aus Reinickendorf beinahe das Leben gekostet. Nach einem Einbruch in die Wohnung ihrer Eltern am Montagvormittag entdeckten der Jugendliche und sein ein Jahr älterer Bruder mehrere Tatverdächtige in der Nähe des Wohnhauses und alarmierten die Polizei. Eine Überprüfung der Verdächtigen durch die Beamten blieb jedoch ohne Ergebnis. Stunden nach dem Vorfall wurden die Brüder von 20 Personen, offenbar Angehörigen der Verdächtigen, mit Messern und anderen Waffen attackiert . Ein Messerstich traf die Lunge des 16-Jährigen. Er wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht mehr.

Von den Tätern fehlt jede Spur

Nach ersten Erkenntnissen wurden bei dem Einbruch in die Wohnung der türkischen Familie am Eichborndamm Schmuck, Bargeld und Elektrogeräte gestohlen. Kurz nach der Tat bemerkten die Brüder und weitere Anwohner mehrere Frauen südosteuropäischer Herkunft in der Nähe des Wohnhauses. Zeugen gaben an, bei den Frauen handele es sich um Angehörige einer Roma-Großfamilie, die seit Mitte September in einem Haus an der Scharnweberstraße lebt. Vor diesem Haus hielten sich am Montagabend aus noch unbekannten Gründen auch die beiden türkischen Brüder auf, als gegen 18 Uhr plötzlich eine größere Gruppe aus dem Gebäude stürmte und die beiden Jugendlichen umringte. Zeugen des Geschehens sagten am Dienstag gegenüber Morgenpost Online, die etwa 20 Personen, darunter auch etliche Frauen, seien „Messer und Säbel schwingend“ aus dem Haus gestürmt, hätten die Opfer angegriffen und seien dann in mehreren großen Pkw, angeblich BMW der 7er-Reihe geflohen. Während sein Bruder unverletzt blieb, brachten Rettungskräfte den 16-Jährigen auf die Intensivstation eines Krankenhauses. Die Ermittlungen zu dem Einbruch und den mutmaßlichem Racheakt hat ein Fachkommissariat der Polizeidirektion 1 (Nord) übernommen, von den Tätern fehlt jedoch bislang noch jede Spur.

Anwohner berichteten am Dienstag von mehreren Zwischenfällen seit dem Einzug der Großfamilie in das Wohnhaus an der Scharnweberstraße Mitte September. In der gesamten Umgebung sei es seither wiederholt zu Pöbeleien, Drohungen und Übergriffen gegen Anwohner und Geschäftsleute gekommen, klagte eine Nachbarin. Man fürchte eine weitere Eskalation einer Situation, die die Anwohner ohnehin schon als bedrohlich empfänden, erklärte die Frau.