Dominique Strauss-Kahn

Rauschende Nacht mit vier Prostituierten im Pool

Kaum ist eine Affäre beendet, kommt die nächste: Jetzt heißt es, ein Zuhälterring habe Strauss-Kahn Frauen besorgt – für eine Nacht auf einem Hoteldach mit Pool.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Es läuft gerade nicht besonders gut für Dominique Strauss-Kahn. Am Sonntag durfte er mit ansehen, wie François Hollande in der Stichwahl der sozialistischen Bewerber den Job ergatterte, der doch für ihn bestimmt schien: die Präsidentschaftskandidatur. Und als wenn dies nicht genug der Schmach wäre, ließ Hollande kurz darauf durchblicken, dass er im Falle eines Wahlsieges im nächsten Jahr nicht gedenke, auf die Dienste Strauss-Kahns zurückzugreifen. Vor ein paar Wochen klang das noch anders.

Kurz nach der Einstellung des Vergewaltigungsverfahrens in New York betonten alle Sozialisten, DSK werde selbstverständlich den ihm gebührenden Platz im Team finden. Der Rat des ehemaligen Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF) sei gefragt, sein Wort habe Gewicht.

Spätestens mit dem Sieg Hollandes jedoch scheint die Trauerphase abgeschlossen. DSK ist Geschichte – und just in diesem Moment häufen sich in französischen Medien raunende Berichte, dass der verhinderte Präsident womöglich in eine neue Prostitutionsaffäre verstrickt ist.

Strauss-Kahn erklärte, er wolle „so schnell wie möglich von den Richtern angehört werden“, um den „bösartigen Unterstellungen ein Ende zu bereiten“. Noch bevor Strauss-Kahn diese Erklärung über die Nachrichtenagentur AFP verbreitete, hatte sich jedoch auch François Hollande schon zu dem Fall geäußert, und zwar vorsichtshalber betont vieldeutig: „Es wäre bestürzend, wenn da auch nur ein Hauch von Wahrheit dran sein sollte“, sagte Hollande.

Prostituiertenring besorgte DSK Frauen

Seit Wochen nämlich dringen immer neue Enthüllungen aus einer Gegend ans Tageslicht, die bislang eher nicht als Veranstaltungsort babylonischer Ausschweifungen bekannt war:

In Lille ermitteln die Behörden bereits seit März gegen einen Prostitutionsring , der in der nordfranzösischen Großstadt, in der Martine Aubry Bürgermeisterin ist, regelmäßig rauschende Nächte im „Grand Hotel Carlton“ organisiert haben soll. „Bandenorganisierte, erschwerte Zuhälterei, Gründung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäscherei“ lautet der Verdacht.

All dies soll teilweise mit wohlwollender Unterstützung der örtlichen Polizei geschehen sein. Besonders aktiv involviert war dabei anscheinend der Liller Divisionskommissar Jean-Christophe Lagarde, oberster Chef der Sicherheitspolizei im Department Nord. Lagarde soll in Kürze vom Ermittlungsrichter vernommen werden, berichtet die Zeitung „Libération“.

Und genau hier kommt Dominique Strauss-Kahn ins Spiel: In den Telefongesprächen, welche die Liller Justizbehörden seit sieben Monaten überwachen, nennen die Verdächtigen Lagarde immer wieder einen „Freund von DSK“.

Die redseligste Quelle in dem dubiosen Fall ist bislang der ehemalige PR-Direktor des „Carlton“, René Kojfer, ein lokal bekannter Zampano des nordfranzösischen Nachtlebens, den die Polizei Anfang Oktober in Untersuchungshaft nahm. Kojfer soll einem Kenner der Aktenlage zufolge berichtet haben, dass der Sicherheitspolizeichef Jean-Christophe Lagarde nicht nur in Lille ein bewegtes Nachtleben führte, sondern unter anderem auch mindestens eine besonders „feine Orgie“ in Paris organisierte.

An dieser, so behauptet Kojfer angeblich, habe auch Dominique Strauss-Kahn teilgenommen: „Es handelte sich um einen Abend im Frühjahr 2010 mit DSK und vier Prostituierten in einem Hotel an einem der großen Boulevards, mit Schwimmbad auf dem Dach.“

So jedenfalls zitiert die „Libération“ ihren Informanten aus Justizkreisen. Nach Angaben des Magazins „Le Point“ soll eine 36 Jahre alte Prostituierte, die an der Veranstaltung teilnahm, den Bericht Kojfers im Groben bestätigt haben. Sie war indes nicht in der Lage, die Teilnehmer zu identifizieren. Es habe sich um zwei Herren mit „hoher Stirn“ gehandelt.

Es gab "Zimmer mit Päckchen"

In Kojfers Schilderungen geht es ansonsten eher um die heißen Nächte in Lille, an denen Strauss-Kahn jedoch nicht beteiligt war. Wohl aber der vermeintliche DSK-Spezi Lagarde, mit dem Kojfer regelmäßig telefonierte.

Lagarde habe dann zumeist „Bestellungen“ aufgegeben, das heißt eine bestimmte Anzahl von Prostituierten in verschiedene Zimmer des „Carlton“ und andere Liller Luxushotels geordert. „Zimmer mit Päckchen“ hieß dieses Arrangement in Kojfers und Lagardes Privatsprache, bei Bedarf habe Lagarde diese telefonisch bei Kojfer bestellt.

Außerdem, so erzählte Kojfer den Ermittlungsrichtern, habe der Polizist Lagarde einen regen Kontakt mit dem Besitzer einer „Hostessenbar“ im französisch-belgischen Grenzgebiet gepflegt, der auf den milieugerechten Namen „Dodo der Pökelhering“ hört. Besagter Dodo soll außerdem rege Kontakte zu weiteren Polizisten gepflegt haben.

Insgesamt wird derzeit in dem Fall gegen fünf Beamte ermittelt. Unter ihnen befindet sich ein ehemaliger Assistent des ehemaligen stellvertretenden Lyoner Polizeichefs Michel Neyret, der derzeit wegen Bestechungsvorwürfen in Untersuchungshaft sitzt. Ermittelt wird außerdem auch gegen einen angesehenen Liller Anwalt sowie gegen einen Unternehmenschef – der wiederum an der Organisation der Pariser Orgie mitbeteiligt gewesen sein soll.

Das Magazin „Nouvel Observateur“ zitierte einen Ermittler mit dem Satz, die Ermittlungen seien noch „weit entfernt vom Kern der Affäre“, es sähe jedoch danach aus, dass Dominique Strauss-Kahn darin nur eine „vollkommen nachgeordnete Rolle“ spiele.

Er werde womöglich als Zeuge vernommen, „wie viele andere“, in „naher Zukunft“ sei eine Vorladung indes „nicht vorgesehen.“ Erheblich enger könnte es jedoch für Jean-Christophe Lagarde werden, der seinen Polizeidienst vorerst ruhen lässt und in Kürze vernommen werden soll. Dass Strauss-Kahn mit Lagarde regelmäßigen Kontakt pflegte, steht nicht in Zweifel.

Laut „Libération“ hat sich Strauss-Kahn von Lagarde sogar bei der Vorbereitung seines Wahlprogramms in Sicherheitsfragen beraten lassen. Noch im vergangenen Frühjahr, kurz vor den Vorfällen im New Yorker „Sofitel“, soll Lagarde Strauss-Kahn sogar in den Vereinigten Staaten aufgesucht haben. Zumindest behauptet das René Kojfer, die mit Abstand schillerndste Figur des Liller Nachtlebens.