Britischer Lotto-Jackpot

101 Millionen Pfund gewonnen, aber den Sohn verloren

Angela und Dave Dawes haben den dritthöchsten Jackpot in der Lotterie-Geschichte geknackt. Jetzt soll mit Freunden geteilt werden. Einer aber fühlt sich verraten.

Von allen Wegen, an richtig viel Geld zu gelangen, ist der Lottogewinn sicherlich der bequemste. Selbst bei Günther Jauch muss man in seinem Quiz noch Fragen beantworten – und die sind bekanntlich manchmal ziemlich abseitig. Von der Methode, es mit harter Arbeit zu probieren, ganz zu schweigen.

Im Vergleich zu dem Gewinn von Angela und Dave Dawes aus Großbritannien wirkt die Million in Jauchs Quizshow noch dazu ziemlich mager: 101 Millionen Pfund – umgerechnet 115 Millionen Euro – räumten Angela und Dave aus dem britischen Wisbech diese Woche ab und sicherten sich damit den drittgrößten Gewinn in der Lottogeschichte.

Der Sohn geht leer aus

Vom unverhofften Reichtum in totale Euphorie versetzt, verkündete das Paar prompt, großzügig teilen zu wollen. 20 Auserwählte aus dem Familien- und Freundeskreis erhalten jeweils eine Million Pfund und werden so selbst zu Millionären. Das ist mehr als nur eine nette Geste.

Einen Namen sucht man auf der langen Liste der Beschenkten allerdings vergeblich: Steven Leeman, der Sohn von Angela Dawes aus erster Ehe. Der 17-Jährige erfuhr von dem neuen Reichtum seiner Mutter erst, als Reporter der "Sun" bei ihm und seinem Vater aufschlugen. Während sich die anderen Familienmitglieder also bereits Gedanken machen, ob sie ihre Million lieber in einen glänzenden Rolls-Royce oder ein großes Ferienhaus investieren wollen, geht Sohn Steven komplett leer aus.

Seit vier Jahren hat der Teenager keinen Kontakt mehr zu Angela Dawes, damals warf die heute 43-Jährige ihren ersten Mann John Leeman und den gemeinsamen Sohn kurzerhand aus der Wohnung. So wenigstens erzählt es der Sohn. Mutter und Kind sprechen seit geraumer Zeit kein Wort mehr miteinander. Ein paar Mal sind sie sich auf der Straße begegnet, doch immer schweigend aneinander vorübergegangen.

Es geht um Reue, nicht um Geld

Dass er keinen Cent von dem enormen Gewinn abbekommt, wiegt für Steven nach seinen Worten noch lange nicht so schwer wie die vier Jahre der Eiszeit, die zurückliegen: "Wenn sie mich anrufen und sich entschuldigen würde und mir zehn Millionen Pfund oder sogar das ganze Geld anbieten würde, ich verzeihe ihr nicht", sagte der blasse 17-Jährige gegenüber der " Sun ".

Bis heute kann er sich nicht erklären, warum seine Eltern sich überstürzt trennten, vermutet aber, dass Affären und Liebeleien von Angela der Grund waren. Unterhalt zahlte die Mutter, die ehrenamtlich bei einer Herzstiftung arbeitet, bis heute kein einziges Mal. Insgesamt würde sie ihrem Ex-Mann somit an die 20.000 Pfund für die letzten vier Jahre schulden.

Angela Dawes macht sich momentan allerdings mehr Gedanken darüber, was sie sich und ihrem neuen Mann von den 115 Millionen in der nächsten Zeit gönnen wird. Seit vier Jahren lebt das Paar gemeinsam, es will sich auf jeden Fall einige Immobilien in England und im Ausland kaufen, eine Reise nach Las Vegas – Glücksspiel, das hat Sinn – und auch in die Schweiz ist geplant. Außerdem wünschen sich die Multimillionäre eine große Traumhochzeit, die wahrscheinlich in Portugal stattfinden wird.

50 Mal den Schein kontrolliert

Dass sie beim Lottospielen einmal so viel Geld gewinnen würden, das hätten beide nie gedacht. Schließlich war der Lottoschein, der zum Gewinn führte, erst der dritte, den die beiden je gekauft haben.

Als die Dawes abends vor dem Fernseher saßen und nach und nach eine Zahl nach der anderen aufgedeckt wurde, konnten sie es kaum fassen. "Ich habe noch nie irgendetwas in meinem Leben gewonnen. Ich habe den Lottoschein in dieser Nacht 50 Mal kontrolliert", sagte die blonde Britin laut der Zeitung " The Telegraph ".

Das Gewinnerpaar will aber nicht nur die 20 engsten Freunde und Familienmitglieder an ihrem Glück teilhaben lassen, sondern auch Wohltätigkeitsorganisationen miteinbeziehen. An welche Verbände genau der 47-Jährige und die 43-Jährige spenden wollen, haben sie aber noch nicht entschieden.

Bisher haben die Dawes selbst recht bescheiden in einer Einzimmerwohnung in der kleinen Hafenstadt Wisbech gewohnt, 70 Pfund zahlten sie pro Woche an Miete. Über die Nacht haben sie nun plötzlich mehr Geld auf ihrem Konto als manch ein Weltstar aus Sport oder Musikgeschäft.

An so viel Reichtum muss man sich erst einmal gewöhnen. Völlig abheben will Dave Dawes, der als Schichtleiter in der Nahrungsmittelindustrie arbeitet, aber nicht: Für seinen Lieblingsfußballverein, den FC Chelsea, kauft er sich trotz der riesigen Geldsummen, die er nun besitzt, keine Einzelloge, sondern ein ganz normales Dauerkartenticket.

Zudem trüben die Äußerungen von Steven Leeman das Millionenglück der Dawes. Mutter Angela zeigte sich in der Öffentlichkeit bestürzt und weist jegliche der harschen Vorwürfe ihres Sohnes und des Ex-Mannes von sich.

Dem "Mirror" sagte sie: "Vieles, von dem, was über meine Scheidung gesagt wird, ist nicht richtig und sehr verletzend. Ich wollte mit meinem Sohn, den ich innig liebe, immer in Kontakt bleiben und will auf jeden Fall unsere Beziehung wiederaufbauen." Sohn Steven ist da allerdings anderer Meinung. Er bekräftigte nochmals, seine Mutter nie wiedersehen zu wollen. Auch nicht als Multimillionärin.