Glücksspiel

Welche Lottozahlen Sie meiden sollten

Wenn am Abend zum 5000. Mal die Lottozahlen gezogen werden, sitzen wieder viele vor dem Bildschirm und hoffen auf das große Glück. Doch wer den Jackpot knacken will, sollte gewisse Zahlen meiden.

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Es gibt einen Vergleich, der den ganzen Irrsinn dieses ewigen Glücksversprechens freilegt: Am Rande einer Autobahn werden 13.983.816 Münzen aneinandergereiht. Es entsteht eine Strecke von 419,5 Kilometern, in etwa die Entfernung von Hamburg nach Köln. Eine einzige Münze wird markiert, und ein Autofahrer darf nun zu einem beliebigen Zeitpunkt stoppen und eine Münze aufheben. Die Chance, dabei ausgerechnet die markierte Münze zu erwischen, ist in etwa genauso groß wie eben das, was sich Woche für Woche seit 56 Jahren abspielt.

Am Samstag kommt es nun zu einem Jubiläum: Gegen 22.45 Uhr werden zum 5000. Mal die Lottozahlen gezogen. Moderiert wird dies wie eh und je von einer Glücksfee, die all die Unwahrscheinlichkeiten dieses seltsamen Spiels charmant weglächelt. Die anmutig eben jene Zahlen präsentiert, die zur finanziellen Erlösung führen sollen. Und am Ende der Ziehung den zumeist enttäuschten Tippern das Gefühl gibt: Beim nächsten Mal klappt es ganz bestimmt. Franziska Reichenbacher heißt die Dame derzeit, feentechnisch unerreicht bleibt hingegen Karin Tietze-Ludwig, die von 1967 bis 1998 die Ziehung präsentierte. Die Debütantin, so viel Jubiläumsehre sei geboten, war hingegen Elvira Hahn – ein Waisenmädchen, das am 9. Oktober 1955 in einem Hamburger Hotel die sechs Plexiglaskugeln zum ersten Mal hervorangelte.

Gewonnen? Ruhig bleiben

Der ganze Zauber, all die Magie und Millionärsromantik lösen sich freilich auf, wenn man die blanken Zahlen befragt. Die Gewinnwahrscheinlichkeit für sechs Richtige mit Superzahl liegt bei 1:140 Millionen. In der Geschichte der Lottoziehung wurde ein Gewinn von 75,95 Milliarden Euro ausgeschüttet. Pro Ziehung werden durchschnittlich 61,4 Millionen Tippreihen abgegeben – wie viele Spieler dahinterstecken, ist nicht zu ermitteln. Trotz aller Unwahrscheinlichkeit: Das Glücksspiel hat viele Menschen reich gemacht. „Im Lotto 6 aus 49 wurden bereits über 4800 Spielteilnehmer zu Millionären“, sagt Lotto-Sprecher Bernhard Brunner. Den höchsten Einzelgewinn bekam im Oktober 2006 ein Krankenpfleger aus Nordrhein-Westfalen: Er durfte sich über 37,7 Millionen Euro freuen. Doch nicht alle Lottomillionäre kommen mit dem Geldsegen klar.

Die Mitarbeiter der Lotterieverwaltung warnen Großgewinner deshalb vor überstürzten Aktionen und Redseligkeit. „Der Kreis derjenigen, die Bescheid wissen, sollte möglichst klein gehalten werden“, sagt Lotto-Sprecher Brunner. Aus diesem Grund sollte der steuerfreie Millionengewinn auch nicht auf das Girokonto bei der heimischen Hausbank überwiesen werden. „Trotz Bankgeheimnis wird viel getratscht“, sagt Brunner. Ein neu eröffnetes Konto bei einer anderen Bank außerhalb des eigenen Wohnorts verspricht mehr Diskretion. Auch vor einer voreiligen Kündigung der Arbeitsstelle wird gewarnt. Plötzlich Millionär: die Luxusprobleme der Glücklichen.

Zufall hat kein Gedächtnis

In einem geradezu okkulten Feld bewegt sich hingegen die Frage, welche Zahlen denn nun das Tor zum Reichtum öffnen. Die Lottoanstalten haben darauf eine klare Antwort: Mit 654 Treffern steht die 43 auf Platz eins, knapp gefolgt von der 26 und der 38. Die berüchtigte 13 hingegen verheißt auch beim Lotto Unglück: Keine andere Zahl wurde seltener gezogen. Der Wert solcher statistischen Daten ist selbstredend gering – der Zufall hat kein Gedächtnis. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Zahl, eine bestimmte Zahlenkombination gezogen wird, ist bei jeder Ziehung gleich hoch. Allerdings: Wer auf prominente Zahlen setzt, muss sich im Falle eines Gewinns das Geld mit vielen anderen Tippern teilen. So wie im April 1999: Für sechs Richtige gab es damals „nur“ 232913,70 Mark, weil sich 31 Lottospieler für die Gewinnreihe 2, 3, 4, 5, 6 entschieden hatten. „Der Mensch orientiert sich immer an anderen Menschen“, sagt der Schweizer Mathematiker Prof. Hans Riedwyl. Er gilt als „Lottologe“ und hat ein Buch geschrieben über die Macht der Lottozahlen. Seine Empfehlung ist eine Binse: Je willkürlicher der Tipp, desto größer der Geldsegen im Falle eines Gewinnes. Geburtstagszahlen sind damit natürlich tabu, Zahlen über 31 also empfehlenswert. Aber auch unbewusste Symmetrien und Muster auf dem Schein sollten vermieden werden. Zudem konnte er empirisch nachweisen: Zahlen auf der rechten Seite des Spielscheins sind beliebter als Zahlen auf der linken Seite – und daher besser zu vermeiden.

Die meisten Glücksritter gibt es in Bayern. Rund 42 Prozent der Haushalte hoffen dort auf den Jackpot, sagt Prof. Tilman Becker von der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim bei Stuttgart. Mit 40 Prozent sei auch die Quote in Berlin vergleichsweise hoch. In den ostdeutschen Ländern werde hingegen weniger gespielt. Beckers These: Das Suchtpotenzial sei im Vergleich überaus gering, der gesellschaftliche Nutzen dagegen enorm. Schließlich gehen 50 Prozent der Einsätze an den Staat und fließen auch in soziale oder kulturelle Projekte.

Eine ganz besondere Form des Lottoglücks erlebten übrigens israelische Tipper im vergangenen Jahr: Dort wurden exakt die gleichen sechs Zahlen gezogen wie im Vormonat. In der Folge stritten sich Mathematiker darüber, wie hoch denn nun tatsächlich die Wahrscheinlichkeit eines solchen Déjà-vus ist. Lottofee Karin Tietze-Ludwig würde solche statistischen Streitigkeiten charmant weglächeln.