Skandal in Großbritannien

Staatsminister entsorgt Regierungspapiere im Park

An fünf Tagen beobachteten Reporter, wie Oliver Letwin, ein Vertrauter des britischen Premiers, durch St. James's Park schlenderte und offenbar vertrauliche Dokumente wegwarf.

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Oliver Letwin, Staatsminister beim britischen Premier und ein enger Vertrauter von David Cameron, ist in einen ungewöhnlichen Skandal verwickelt: Er hat offenbar vertrauliche Dokumente der Regierung in einem öffentlichen Park weggeworfen, statt sie wie vorgeschrieben zu zerstören. Das berichtet der "Daily Mirror".

An fünf Tagen beobachteten Reporter des Blattes den Politiker, wie er durch den St James’s Park in der Nähe des Regierungssitzes in der Downing Street Nummer 10 schlenderte, mit seinem Handy telefonierte und immer mal wieder Papiere in öffentliche Abfalleimer warf.

Dabei handelte es sich um vertrauliche Dokumente – etwa um Korrespondenz zur nationalen Sicherheit und zur Arbeit der Geheimdienste. Cameron und der frühere Premier Tony Blair werden namentlich genannt. Einmal, so berichten die Reporter, habe Letwin ein Bündel Papiere sogar einem Müllsammler direkt in die Hand gedrückt. Vor dem Entsorgen habe er die Papiere nicht geschreddert, nur ab und zu zerrissen.

Fall schlägt hohe Wellen

Der 55 Jahre alte Letwin ist einer der engsten Berater des konservativen Ministerpräsidenten Cameron.

In Großbritannien schlägt der Fall hohe Wellen. Labour-Chef Ed Miliband beschuldigte den Minister, wichtige Dokumente mit Missachtung zu behandeln. Camerons Büro ließ mitteilen, es werde ermittelt, ob sich sensible Unterlagen unter den im Park Fortgeworfenen befänden.

Letwin reagierte gelassen auf die Aufregung. Über eine Sprecherin ließ er mitteilen, er erledige einen Teil seiner Arbeit morgens früh im Park, bevor er ins Büro gehe, und werfe auch manchmal Kopien von Briefen weg. Diese seien allerdings keine sensiblen Dokumente.