Auktion

Schmuck von Evelyn Hamann versteigert

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Franziska Wille

Foto: ddp / DDP

Der Schmuck der Schauspielerin Evelyn Hamann ist unter den Hammer gekommen – gegen den Willen des Ex-Lebensgefährten. Zu überraschend niedrigen Mindestgeboten gab die Nichte Hamanns den Nachlass in die Auktion. Gegen die Vorwürfe, sie habe den Schmuck verramscht, wehrt sie sich.

Es ist die Szene im Zug, auf dem Weg zu Mutters 80. Geburtstag. Die Schwester sagt: „Ich freue mich über deinen hübschen Anhänger.“ Und Renate Lohse sagt: „Ja, den hat Mutter lange getragen.“

Ein Vorbote aus dem deutschlandweit bekannten Film „Pappa ante Portas“ für das, was im Auktionshaus Schopmann geschah: Dort wurde der private Schmuck der Schauspielerin Evelyn Hamann versteigert – jene Stücke, die sie lange getragen hat, bevor sie 2007 im Alter von 65 Jahren an Lymphdrüsenkrebs starb.

27 Stücke sind es, die unter den Hammer kommen, Ringe, Colliers, Ketten, Armbänder, Uhren, Ohrringe. Einfacher Schmuck – für den ganz großen Auftritt war sie nie zu haben.

Die Beschreibung der Schmuckteile samt Preisen liest sich wie die kleinen Klebezettel eines Bauchladenverkäufers: schlichtes Silber-Collier, 25 Euro. Anhänger mit Muschel-Kamee, 50 Euro. Silberring mit schwarzem Stein, 5 Euro. Silber-Clip-Ohrringe mit kleinem Kleeblatt, 10 Euro. Kette mit 26 Amethyst-Steinen, 15 Euro. Extravaganter Silberring mit barocker Zuchtperle, 20 Euro. Orientalisches Armband, 20 Euro.

Diese schon verwunderlich niedrigen Preise kommen von der jetzigen Besitzerin des Schmucks, der Nichte und Patentochter Stephanie Hamann. Nur ein Goldcollier aus 14 Karat soll nicht unter 450 Euro weggehen. „Ich möchte den zahlreichen Fans, die meine Tante zu Lebzeiten und auch heute noch verehren, die Möglichkeit geben, ein persönliches Erinnerungsstück zu erwerben“, sagte sie im Vorfeld. Ihre persönlichen Lieblingsstücke der Tante behielt sie für sich. Am Ende sollten die Stück gerade einmal 8.640 Euro einbringen.

Stephanie Hamann kann sie auch nicht verstehen, dass manche meinen, sie verramsche nun den Nachlass ihrer Tante. So Evelyn Hamanns letzter Lebensgefährte Stefan Behrens, der über seinen Anwalt mitteilen ließ, ihm blute das Herz bei dem Gedanken, dass der Schmuck an wildfremde Menschen verkauft werde. Aus rechtlicher Sicht aber konnte er den Verkauf bei Schopmann nicht verhindern. Das Auktionshaus selbst erklärt die niedrigen Preise anhand des realen Wertes des Schmucks: Evelyn Hamann trug gern Souvenirs aus dem Urlaub, das Auktionshaus kann sich nun nicht nur aufgrund der Bekanntheit der ehemaligen Trägerin über den eigentlichen Wert der Stücke stellen.

Birgit Eickbohm, die Sprecherin des Hamburger Auktionshauses, kannte Evelyn Hamann persönlich und pflegt auch zu Stephanie Hamann, die „im Süden“ lebe, guten Kontakt. Eine vermeintliche Bereicherung durch die Auktion liege allein schon der Preise wegen fern, so auch die Schopmann-Chefin Silvia Wanagat.

Schopmann ist nicht nur das älteste Auktionshaus Deutschlands sondern auch ein erfahrenes in Sachen Prominentennachlass. „Schopmann-Versteigerungen avancierten zum gesellschaftlichen Ereignis“, heißt es in der Chronik des 1823 in Stade gegründeten Hauses. Anfangs versteigerte man Schiffsladungen, Möbel und Hausrat. In den 60er Jahre etwa veräußerte das Haus die Schlieker-Werft, Wertgegenstände aus dem Besitz des letzten Zaren Nikolaus und die Einrichtung des Luxusliners „Hanseatic“. In jüngster Vergangenheit dann wurden der Nachlass von Schauspielerin Inge Meysel, des Violinisten Helmut Zacharias oder des Philosophen Friedrich Nietzsche an den Meistbietenden verkauft.

Mittlerweile sind es Schmuck, Gemälde, Kunst und Antiquitäten, die bei Schopmann über den Tisch gehen. So wie gestern bei den Stücken der großen Sketch-Mimin Evelyn Hamann. Kein Prunk, kein Protz, keine Juwelen. Und doch der Schmuck, den eine der größten Komikerinnen Deutschlands von Herzen gern getragen hat. Vielleicht ja so wie den Anhänger der Frau Mutter im großen Pappa Ante Portas.

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( mit AP )