Verein in Münster

Warum der Oliver keine Schützenkönigin sein darf

Ein Schwuler wird im konservativen Münster Schützenkönig. Fast alle freuen sich, dass er mit seinem Freund regiert – nur Vereinsbündnis und Kirche erheben Einspruch.

Foto: dpa / dpa/DPA

Oliver Hermsdorf aus Münster darf keine Schützenkönigin sein. Der 37-Jährige wäre es gerne geworden. Beim großen Bundeskönigsschießen der Schützenvereine im September wollte er neben seinem Lebensgefährten Dirk Winter (44) marschieren. Der Getränkehändler wurde im Juni nach 366 Schuss Schützenkönig im Stadtteil Kinderhaus und bekam viel Unterstützung, seinen langjährigen Freund Olli zur Königin zu machen.

Nicht nur die 130 Mitglieder seines Schützenvereins St. Wilhelmi waren dafür. Es gab Gratulationen und Solidaritätsbekundungen aus dem In- und Ausland. Die " Bild"-Zeitung schrieb "Schwul und cool in Münster", nach dem Königsball titelte die „Münstersche Zeitung“: „Toleranz besiegt Skepsis“.

Ja, selbst der Gemeindepfarrer meinte laut "Spiegel" zu Winter: "Öfter mal was Neues." Aber jetzt schalteten sich das Erzbistum und der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften ein.

Es spreche "nichts gegen die Mitgliedschaft homosexueller Personen" in den Schützenbruderschaften, steht in einem Brief des Präsidiums, aus dem der "Spiegel" zitiert. Nur habe das "Sakrament der Ehe eine wesentlich tiefere Bedeutung als jede andere Lebenspartnerschaft."

Kurzum: Sowohl beim Landesbezirks-Königsschießen in Horstmar als auch beim Bundeskönigschießen in Harsewinkel darf Oliver Hermsdorf nicht dem schwulen Schützenkönig herlaufen. Davor und dahinter ginge, aber nicht daneben. Das wäre der Vorschlag des Bundespräses des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften und des Weihbischof im Erzbistum Köln.

Das schwule Paar will sich offenbar der Vorschrift beugen. Dirk Winter war vor zehn Jahren schon einmal Schützenkönig – und auch damals schon mit Oliver Hermsdorf zusammen. Zur Königin nahm er damals eine Bekannte. 2011 hätte nicht nur er mehr Toleranz für die Vereinstradition erwartet.