Das Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo ist am Freitag Ziel eines schweren Bombenanschlags geworden. Dabei sind nach Polzeiangaben sieben Menschen getötet und 15 verletzt worden, mindestens zwei davon schwer.

Zwar konnte die Polizei kurz nach der Explosion keine Angaben zu deren Ursache machen. Jedoch fand sich zwischen den Regierungsgebäuden ein Autowrack. Nach den Eindrücken von Augenzeugen kann es sich dabei um die Überreste einer Autobombe handeln. Die Polizei bestätigte diese Vermutung am Nachmittag.

Die norwegische Tageszeitung „VG“ berichtete auf ihrer Internetseite, im Regierungsviertel seien praktisch alle Fenster zerstört, die Luft sei voller Staub und Rauch. Im Wirtschafts- und Handelsministerium seien alle Fenster zerstört. Blutende Menschen mit Schnittwunden liefen umher, Kinder schrien, viele seien in Panik. Zahlreiche Feuerwehr- und Krankenwagen seien im Einsatz. Die Polizei schicke die Menschen weg aus dem Regierungsviertel in angrenzende Bezirke. Über dem Zentrum von Oslo stand eine Rauchsäule.

Durch die Wucht der Detonation seien Fenster des Verlagsgebäudes der größten norwegischen Boulevardzeitung „VG“ erstört worden. Überall lägen Glasscherben. „Das ist das totale Chaos“, sagte die Journalistin. Bilder im Internet zeigten schwere Zerstörungen. Augenzeugen sprachen nach Angaben der norwegischen Zeitung „Aftonbladet“ von einer Autobombe.

Laut NRK ereignete sich die Explosion gegen 15.30 Uhr Ortszeit aus noch unklarer Ursache offenbar in der Nähe des Finanzministeriums und in unmittelbarer Nähe des Regierungssitzes. Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg hielt sich zum Zeitpunkt der Explosion nach Angaben seines Büros seinem Terminkalender zufolge nicht im Regierungssitz auf. Die Nachrichtenagentur NTB berichtete, Stoltenberg sei in Sicherheit.

„Das ganze Gebäude bebte, wir dachten zunächst an ein Erdbeben“, sagte ein NRK-Journalist, der sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Nähe des Büros der „VG“-Zeitung aufhielt. „Alle Rettungskräfte sind vor Ort und die Polizei versucht, sich eine Überblick über die Situation zu verschaffen“, erklärte eine Polizeisprecherin dem Bericht zufolge. Die Brand- und Rettungszentrale habe mitgeteilt: „Wir wissen nur, dass eine schwere Explosion im Zentrum von Oslo gab. Das Schadensausmaß ist groß, und wir haben alle Kräfte im Einsatz.“

Die Zeitung „Dagbladet“ berichtete online, die Ermittler gingen davon aus, dass das Öl- und Energieministerium (OED) das Ziel des Attentats war. „Es sieht aus, als ob es direkt vor unseren Büros passierte“, sagt Håkon Smith-Isaksen vom OED.

Die Polizei befürchte zunächst, es könnte noch weitere Bomben gegeben haben. Teile der Innenstadt wurden gesperrt. Die Menschen wurden im Rundfunk aufgefordert, der Gegend fernzubleiben. „Die Leute stehen unter Schock, viele wurden ins Krankenhaus gebracht“, sagte der Organist des Osloer Doms, Magne Draagen.

Das Nato-Mitglied Norwegen war in der Vergangenheit öfters Ziel von Drohungen des Islamisten-Netzwerks Al Kaida wegen seiner Beteiligung am internationalen Afghanistan-Einsatz. Zudem nimmt Norwegen an dem Einsatz gegen Libyens Machthaber Muammar Gaddafi teil, der mit Anschlägen in Europa gedroht hatte.

Ein Mitarbeiter von Control Risks, einer Fachagentur für Sicherheitsrisiken, sagte in einer ersten Einschätzung: „Es ist sehr schwer zu sagen, was passiert ist. Es gibt sicherlich keine norwegischen Terroristengruppen, auch wenn es einige Festnahmen mit Al-Kaida-Bezug in der vergangenen Zeit gegeben hat.“ Es sei zu früh, um irgendwelche Rückschlüsse aus der Explosion zu ziehen.

dpa/rtr/AFP/toto