Thüringen

Mann prügelt schwangere Geliebte "versehentlich" tot

Familienvater Jens J. hatte neben seiner Ehefrau vier Geliebte, eine war von ihm schwanger. Er gestand vor Gericht, die 33-Jährige zu Tode geprügelt zu haben.

Foto: dpa / dpa/DPA

Gleich vier heimliche Geliebte hielt sich der Angeklagte Jens J. neben seiner Ehefrau. Eine von ihnen, die schwangere Bianca P., ist nun tot. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sie der 36-Jährige aus Angst um seine Ehe ermordet. Der Angeklagte selbst beteuert in seinem tränenreichen Geständnis zum Prozessauftakt am Mittwoch, er habe die 33-Jährige im Streit versehentlich zu Tode geprügelt.

Die Zuhörer im Sitzungssaal 7 des Landgerichts Mühlhausen lassen keinen Zweifel daran, dass sie der Version des 36-jährigen Familienvaters wenig Glauben schenken. Und auch Richter Gerd Funke geriet angesichts der widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten immer wieder in Rage.

Was wirklich geschah in jener eiskalten Nacht zum 18. Dezember, darüber gibt es mindestens zwei Ansichten. Jens J. schildert seine Version im Gerichtssaal mit leiser, kaum verständlicher Stimme. Die Beziehung zu Bianca P. sei eigentlich schon beendet gewesen, als er mit ihr am 17. Dezember auf einen Lkw-Parkplatz am Rande von Niedersachswerfen (Landkreis Nordhausen) fuhr.

Trotzdem habe ihn die 33-Jährige wie schon so oft dazu gedrängt, seine Ehefrau zu verlassen, um ein neues Leben mit der Geliebten zu beginnen. Bianca P. habe ihn beschimpft, dann geschlagen. Irgendwann habe er sich schließlich gewehrt. An dieser Stelle bricht J. in Tränen aus, die Verhandlung wird unterbrochen.

„Dann war alles ruhig“

Aus dem Wortgefecht wurde eine handfeste Prügelei, sagt J. nach der fünfminütigen Pause. Irgendwann sei die Situation außer Kontrolle geraten. „Es ging hin und her, dann war alles ruhig“, schildert er mit stockender Stimme. Die Frau habe plötzlich reglos in einer Blutlache im Schnee gelegen. In seiner Verzweiflung habe er ihren leblosen Körper in ein benachbartes Waldstück gezerrt und mit Zweigen bedeckt. Dann sei er zurück in ihre Wohnung gefahren. Nach dieser Lesart wäre J. des Totschlags schuldig.

Die Anklage hingegen wirft dem Familienvater Mord und Schwangerschaftsabbruch aus niederen Beweggründen vor. Demnach wollte der Angeklagte durch die absichtliche Tat seine Ehe retten. In ihren Ausführungen zeichnet Staatsanwältin Anja Deppe das Bild eines Mannes, der seine Geliebte gezielt auf den Parkplatz lotste, um sich ihrer dort zu entledigen – mit brutalen Fausthieben und Tritten.

Tatsächlich hatte J. in der ersten Vernehmung nach der Festnahme angegeben, Bianca P. habe nichts von der Ehefrau gewusst, die zum Tatzeitpunkt ebenfalls ein zweites Kind von ihm erwartete. Erst kurz vor der Tat habe sein früherer Chef ihr die Wahrheit gesagt. Im Gerichtssaal korrigiert er diese Aussage nachträglich: Seine Familienverhältnisse seien Bianca P. seit mehreren Jahren bekannt gewesen. Neu war demnach lediglich die Erkenntnis, dass es außer ihr und der gehörnten Gattin noch drei weitere Geliebte gab.

SMS vom Handy des Opfers verschickt

Bei einer von ihnen kam J. in den Tagen nach der Tat unter. Von dort schrieb er mit dem Handy des Opfers SMS an ihre Freunde und Familie, um den Eindruck zu erwecken, sie sei spontan mit einem neuen Freund in den Urlaub gefahren. Dieselbe Geschichte tischte er dem Vermieter von Bianca P. auf. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass er so seine Spuren verwischen wollte. J. entgegnet schulterzuckend, er könne sich sein Verhalten rückblickend selbst nicht erklären.

Widersprüche zu früheren Aussagen und weitere Ungereimtheiten erklärt J. wie folgt: „Ich habe eingesehen, dass die Wahrheit besser ist als die Lüge.“ Dafür erntet er höhnisches Gelächter von den Hinterbänken. Zuvor hatte Funke bereits einige Ausführungen des Angeklagten geradewegs als „Unsinn“ bezeichnet und ihm „eine perfekte schauspielerische Leistung“ bei früheren Vernehmungen attestiert.

Der Prozess soll am 28. Juli fortgesetzt werden. Dann wird J. wieder dem Mann gegenübersitzen, dessen scharfem Blick er bei der dreistündigen Verhandlung konsequent aus dem Weg gegangen war: dem Vater von Bianca P.