Sie kamen in eleganten Anzügen und ganz ohne Masken: Bei einem Überfall auf einen Juwelier in London sind Räuber mit Schmuck im Wert von 40 Millionen Pfund entkommen ( rund 47 Millionen Euro).

Die beiden Gangster hatten das Geschäft des Juweliers "Graff" im noblen Stadtteil Mayfair zwar bereits am vergangenen Donnerstag ausgeraubt, doch der Wert der Beute wurde erst jetzt bekannt.

Die beiden Räuber hatten den Laden betreten, mit ihren Waffen die Angestellten bedroht und teure Ringe, Ketten, Armbänder und Uhren mitgehen lassen. Auf ihrer Flucht schossen sie zur Warnung zweimal in den Boden, bevor sie im dichten Verkehr verschwanden.

Chefermittlerin Pam Mace sprach von einem gut geplanten Beutezug und nannte die beiden Verbrecher „extrem gefährlich“. Der Juwelenraub könnte nach Polizeiangaben der größte in der britischen Geschichte sein.

Ermittler haben mittlerweile mehrere Wohnungen durchsucht. Außerdem wurde ein Mann festgenommen, der anschließend aber wieder auf Kaution freikam, wie die Ermittler mitteilten. „Nach der Veröffentlichung von Videobildern gehen die Beamten einer Reihe von Spuren nach“, sagte ein Sprecher von Scotland Yard.

Graff ist auf die Verarbeitung von Rohdiamanten spezialisiert, Besitzer Laurence Graff wird auch „Diamantenkönig“ genannt. Vor allem bei weiblichen Prominenten sind seine Schmuckstücke beliebt. Zu Graffs Kundinnen zählen Hotelerbin Paris Hilton, Sängerin Kylie Minogue und US-Talkmasterin Oprah Winfrey.

Experten gehen davon aus, dass die Räuber auf dem schwarzen Markt für ihre Beute nur einen Bruchteil des eigentlichen Werts bekommen. Zudem erinnerte ein Edelsteinfachmann daran, dass im Grunde niemand die erbeuteten Schmuckstücke offen tragen kann. „Wahrscheinlich werden die Schmuckstücke schnell auseinandergenommen, damit man sie nicht erkennen kann“, sagte Polizeiexperte Nicholas Somers in London.

Nach Somers Einschätzung könnten die Räuber etwa 4 Millionen Pfund (rund 4,6 Millionen Euro) und damit nur 10 Prozent des Verkaufspreises für ihre Beute erzielen, wenn sie sie zuvor in ihre Einzelteile zerlegen. Insgesamt waren die Täter mit 43 Schmuckstücken entkommen, die aus etwa 1500 Edelsteinen bestanden.

Nach Einschätzung der Ermittler hatten die Gangster das Juweliergeschäft in den Vorwochen mindestens einmal besucht, um ihre Tat zu planen. Auf ihrer Flucht benutzten sie mindestens drei Fahrzeuge.

AFP/APdpa/lk