Zahl der Fälle steigt rasant

38-Jährige stirbt in Kiel durch EHEC-Erreger

EHEC hat das siebte Todesopfer gefordert: Die Frau kam mit Nierenproblemen in die Klinik, doch "alles war schon zu spät". Derweil stellt sich heraus, dass Spanien doch keineswegs Gurkenbetriebe geschlossen hat und munter weiterliefert.

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Der gefährliche Ehec-Erreger gibt den Behörden weiter Rätsel auf, die daher keinen Grund zur Entwarnung sehen.

Video: Reuters
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Die Welle mit dem gefährlichen Durchfallerreger EHEC hat in Norddeutschland ein weiteres Todesopfer gefordert. Eine Frau aus Osdorf (Kreis Rensdsburg-Eckernförde) war am 14. Mai erkrankt und starb nun in Kiel an Nierenversagen, sagte der Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses, Roland Ventzke, den „Kieler Nachrichten“. „Doch als die Frau zu uns auf die Intensivstation kam, war im Grunde schon alles zu spät“, betonte er.

Die 38-Jährige war zunächst in Eckernförde behandelt und am 20. Mai mit schweren Nierenproblemen nach Kiel verlegt worden. „Sie hatte keine Vorerkrankungen“, sagte eine Sprecherin des Städtischen Krankenhauses am Samstag auf dapd-Anfrage. Ihr Zustand sei bereits bei der Einlieferung in Kiel kritisch gewesen. Am Donnerstagabend sei sie gestorben.

Damit sind in Deutschland bisher mindestens sieben Menschen durch den gefährlichen Darmkeim gestorben. Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr. Doch es ginbt auch positive Meldungen.

Einer 58-jährigen EHEC-Patientin im Karlsruher Klinikum geht es etwas besser. „Es besteht keine akute Lebensgefahr mehr“, sagte eine Kliniksprecherin am Samstag. „Aber die Patientin wird nach wie vor beatmet. Eine Prognoseaussage kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht treffen.“ Die Frau aus der Pfalz war mit HUS in die Karlsruher Klinik eingeliefert worden. Sie hatte zuvor nach Angaben der Klinik viel Rohkost gegessen. Ein 31-jähriger Patient war am Freitagabend aus dem Karlsruher Klinikum entlassen worden. „Der Patient steht aber nach wie vor in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt“, sagte die Kliniksprecherin.

Unterdessen läuft die Suche nach der Herkunft des Erregers weiter auf Hochtouren.

Infos zum Erreger: >>> So schützen Sie sich vor EHEC

Die spanischen Behörden haben Informationen der EU-Kommission dementiert, wonach zwei Agrarbetriebe in Südspanien wegen EHEC-Verdachts vorübergehend geschlossen worden seien. In den beiden Betrieben in den Provinzen Almería und Málaga seien lediglich bestimmte Mengen von abgeernteten Gurken vorsichtshalber sichergestellt worden, die möglicherweise mit den in Deutschland aufgetretenen EHEC-Infektionen in Verbindung stehen könnten, teilte das Gesundheitsministerium der Region Andalusien in der Nacht zum Samstag in Sevilla mit.

Die Produktion in den beiden Betrieben sei in keiner Weise gestoppt worden. Die EU-Kommission hatte am Freitag mitgeteilt, die Betriebe seien vorübergehend geschlossen worden. Experten entnahmen in den Agrarbetrieben Boden-, Wasser und Produktproben. Diese werden derzeit analysiert. In Spanien gab es nach Angaben der Madrider Regierung bisher keine Fälle von EHEC-Erkrankungen.

Hierzulande hat der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL) hat das staatliche Krisenmanagement im Kampf gegen die Ausbreitung des gefährlichen Ehec-Erregers kritisiert. Die Zusammenarbeit zwischen den Lebensmittel-Überwachungsbehörden der Länder, dem Bundeslandwirtschaftsministerium und der Wirtschaft habe „nicht optimal“ funktioniert, sagte ein BVL-Sprecher der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es habe an zügiger Bereitstellung von Informationen gehakt. „Obwohl wir in der Lebensmittelkette das letzte Glied vor dem Verbraucher sind und deshalb hohe Verantwortung tragen, haben wir vom EHEC-Darmkeim erst aus den Medien erfahren“, sagte der Sprecher.

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