Mit ihrer blonden Mähne, den langen, perfekt gebräunten Beinen und dem etwas zu pinkfarbenen Lippenstift könnte Petra Ecclestone die europäische Antwort auf Paris Hilton sein. Vergleiche mit der amerikanischen „Skandalerbin“ hört die jüngste Tochter von Formel-1-Boss und Selfmade-Milliardär Bernie Ecclestone indes nicht gern. Die 21-jährige Londonerin ist schließlich nicht nur viel reicher als die Platinblondine aus Beverly Hills; sie vermarktet auch mehr als nur sich selbst: Seit zwei Jahren hat sie ihre eigene Herrenmodelinie, „Form“ , die sich nicht nur dem Namen nach auf die Formel 1 bezieht.

Auch die Designs orientieren sich an den Rennsportuniformen der 60er- und 70er-Jahre, an Legenden wie James Hunt oder Jackie Stewart. Die körperbetonten, perfekt verarbeiteten Jacken, Pullis und Hemden aus feinster Wolle, Kaschmir oder Leinen gab es bislang nur im Londoner Luxuskaufhaus Harrod’s und in Boutiquen in Monte Carlo und Dubai. Künftig wird Form auch im Berliner Departmentstore The Corner zu haben sein. Deshalb sitzt Petra – schwarze Overknee-Stiefel, Leoparden-Top, sehr viel Massivgold an Armen und Fingern – jetzt auf einem goldgestreiften Sofa im Hotel de Rome am Gendarmenmarkt und zwirbelt ihre Locken.

„Man ist schließlich auf der Welt, um sein Gehirn zu benutzen“, sagt sie auf die Frage, warum jemand wie sie, deren Vater mit einem geschätzten Vermögen von 2,6 Milliarden Euro zu den reichsten Menschen der Welt zählt, überhaupt arbeitet. „Ich will wenigstens versuchen, im Leben etwas zu erreichen.“ Ein Studium brauche sie dafür nicht, kreativ sein könne man auch ohne Abschluss, sagt die Einserschülerin, die ihr Label gleich nach der Schule gründete. Das mag naiv klingen oder arrogant, ist aber vermutlich nur ehrlich gemeint: Gezahlt hat nun mal der Papa.

Überhaupt ist Petras Label, wie so vieles im Hause Ecclestone, eine family affair : Die Schnitte besorgte bis vor Kurzem der Savile-Row-Schneider Edward Sexton, der seit 40 Jahren die Maßanzüge von Bernie Ecclestone fertigt. Er schneiderte schon für die Beatles und die Rolling Stones – und leistete auch Stella McCartney Starthilfe für ihr Label. Inzwischen arbeite man nicht mehr zusammen, erzählt Petra. Sexton denke zu sehr an die Kunst und zu wenig ans Geschäft, und das sei „nicht sehr praktisch“. Hier meint man, ihren Vater sprechen zu hören, ein genialer Vermarkter, der als städtischer Gasarbeiter anfing und die Formel 1 zum weltweiten Mega-Business entwickelte.

Er wird auch die modischen Ambitionen seiner Tochter als das begriffen haben, was sie sind: Das Hobby eines geliebten und verwöhnten Mädchens, das mit zehn Jahren seine erste Dior-Modenschau besuchte und sich als Teenager gemeinsam mit der zwei Jahre älteren Schwester Tamara vor allem dem Ausbau ihrer Kleidersammlung widmete („größer als die von unserer Mama!“) – und eine weitere gute Gelegenheit, das eigene Geschäftsfeld zu erweitern. Was offenbar prächtig gelingt, denn ab Januar 2010 wird es unter dem schlichten, aber natürlich naheliegenden Namen „Petra“ auch eine Damenkollektion aus dem Hause Ecclestone geben.

Vielleicht ist Bernie Ecclestone – immerhin schon 78 – auch deshalb wieder mit dabei, als man abends im „Corner“ eine Party gibt, um den prominenten Neuzugang in der Herrenabteilung zu feiern. Während die Gäste den eigens für diesen Anlass herbeigeschafften Red-Bull-Boliden befühlen und die Preisschilder mit dem Siegerkranz-Logo bestaunen (Jacken ab 2000, Strickpullis ab 500 Euro), zieht die Ecclestone-Karawane vorüber: erst die turmhohen Töchter Petra und Tamara, dahinter Petras Freund James Stunt, ein Londoner Playboy, der mit Gelfrisur und Cappuccino-Teint ein wenig an Sebastian Kamps erinnert. Nur Mutter Slavica fehlt – das imposante kroatische Ex-Model ist seit März nach 24 Jahren Ehe von Bernie Ecclestone geschieden.

Und vielleicht wirkt der winzige Bernie Ecclestone auch deshalb ein bisschen traurig, als er die Gruppe nach einer Stunde aus dem Laden schiebt. Vielleicht demonstriert er aber auch nur seinen väterlichen Beschützerinstinkt, der immer noch greift, wie Petra Ecclestone am Nachmittag erzählt hat: „Mein Vater nimmt immer noch meine Hand, wenn ich über die Straße gehen will. Ich werde wohl für immer daddy’s little girl bleiben.“