Stars als Designer

Auch männliche Promis machen jetzt in Mode

Egal ob Jennifer Lopez, Gwen Stefani oder Madonna – ein Celebrity muss inzwischen Klamotten entwerfen. Unter diesem Druck stehen wohl auch männliche Stars. Das neue Modelabel von Oasis-Leadsänger Liam Gallagher "Pretty Green" kommt zwar erst im Juni auf den Markt, sorgt aber jetzt schon für Schlagzeilen.

So sehr gehört es schon zum „Must-Have“ für Promis, dass man bereits dafür wirbt, obwohl noch überhaupt nichts zu sehen ist: Das neue Modelabel von Oasis-Leadsänger Liam Gallagher kommt zwar erst im Juni auf den Markt, sorgt aber jetzt schon für Schlagzeilen. Schließlich sind Mode-Kollektionen von Stars "in" und er nicht der einzige, der den Schritt ins lukrative Modegeschäft wagt: Von Jennifer Lopez bis Justin Timberlake habe Stars und Sternchen bereits Modelinien auf den Markt gebracht – mit unterschiedlichem Erfolg.

Es soll sich bei dem Label von Liam Gallagher, so viel weiß man bereits, ausschließlich um „echte“ Kleidung handeln. Röhrenjeans wird es daher nicht geben, schon gar nicht Schuhe, die so spitz sind „wie ein Billard-Kö“. Wie „echt“ die Kollektion tatsächlich werden wird, bleibt abzuwarten, ist doch gerade Gallagher dafür bekannt, von anderen Stars den Look abzukupfern: etwa den fedrigen Haarschnitt von Sänger Paul Weller oder zuletzt sogar den von Elvis, samt Haartolle und Koteletten.

Der Name des Modelabels stammt sogar von einem Paul Weller Song: „Pretty Green“ von dessen Band The Jam. Auch wenn nicht genau klar ist, was von den karierten Oasis-Hemden (siehe Video „Wonderwall“), dunklen Pullis („Champagne Supernova“) und John Lennon-Brillen („Don’t Look Back in Anger“) zu erwarten sein wird, steht doch so viel bereits fest: Bei seiner Liebe zu 90er-Outfits wird es Parkas, Hüte, Strickkleidung, Jeans und Schals geben, denn wie so oft bei Promi-Designern handelt es sich bei den Entwürfen um persönliche Lieblingsstücke. „Ich mache das nicht, um irgendjemand übers Ohr zu hauen, und auch nicht wegen des Geldes. Ich mache das, weil draußen ein Mangel an Sachen besteht, die ich tragen möchte,“ erklärt Liam Gallagher dazu lässig in einem Clip auf YouTube.

Keine Angst vor "Pretty Green"


Doch egal ab Typ „Second Hand Soldier“ im Parka oder „Markthändler“ mit Lammfelljacke, zumindest für eines zeigt Gallagher ein gutes Gespür: den derzeit allgegenwärtigen „Recession Chic“. Londons Couturiers brauchen sich jedenfalls vor dem neuen Label "Pretty Green" nicht zu fürchten: „Es ist nicht John Paul Gaultier oder so etwas“, sagt Gallagher. „Wenn die Leute es mögen, cool. Wenn nicht, dann nicht.“

Von so viel Lässigkeit könnte sich manch anderer Star etwas abgucken, denn bereits zahlreiche Prominente wie Pharrell Williams, Sienna Miller, Mary-Kate und Ashley Olsen haben – mehr oder weniger erfolgreich – versucht Modelinien unter die Leute zu bringen. Kate Moss „entwirft“ bereits ihre achte Kollektion für das beliebte britische Kleidungskaufhaus TopShop. Heute reicht es allerdings nicht mehr einfach nur seinen Namen und sein Image einer bekannten Kleidungsfirma zu leihen, wie einst Madonna für H&M, ein echter Celebrity muss sein eigenes Label besitzen und selbstverständlich unabhängig von einem „Team“ die Klamotten eigens gestalten.

Ganz vorne im Modedesignerrennen: Gwen Stefani, die Sängerin (drei Grammys) gründete 2004 ihr Label L.A.M.B. - Love. Angel. Music. Baby. Mit Kleidung, Accessoires und Düften brachte die Linie in den ersten vier Jahren 100 Millionen Dollar ein. Jennifer Lopez, Modewelt-Veteranin mit ihrer 2001 mit Tommy Hilfiger's Bruder Andy gegründeten Sweetface Fashion Company, gehört bereits ein kleines Imperium von drei Marken: JLO, Sweetface and die Linie Justsweet, die bei der New York Fashion Week debütierte. Lopez selbst erntete 2006 von Industrieinsidern den prestigereichen ACE Award for excellence in accessories design.

Männer mit Modelabel

Die Lust auf selbst gestaltete Mode beschränkt sich nicht nur auf Frauen: Sänger Sean „Diddy“ Combs erfolgreiches Modelabel Sean John brachte in den vergangenen Jahren jährlich mehr als 400 Millionen Dollar in den USA ein. Inzwischen konzentrieren sich die Herren jedoch nicht mehr nur auf Männerkleidung, Rapper Jay Z entwirft mit seinem Label Rocawear längst Klamotten für Kinder. Auch andere Fashion-Bereiche erobern die Stars und so wird „Loud and proud“ Sängerin Beth Ditto im Juli Handtaschen, Schuhe und Klamotten in den Größen 42 plus für die Übergrößen-Kleidungsmarke Evans herausbringen. Andere wiederum setzten auf den Öko-Trend wie U2-Sänger Bono und Gattin Ali Hewson mit ihrer Firma Edun, mit der sie ihren Kampf gegen die Weltarmut nun mit Öko-T-Shirts und -Jeans fortführen.

Von „Inspiration“, „Selbstbewusstsein, Individualität" und „Exklusivität“ – so etwa Jennifer Lopez über ihr Label Sweetface – ist bei den Promis gerne die Rede, wenn sie ihre eigenen Kollektionen anpreisen. Bei Kate Moss beschränkte sich die Exklusivität bisher eher darauf, dass Modefans froh sein konnten, beim Ansturm auf ihre Kollektionen überhaupt ein Kleidungsstücke ergattert zu haben. Dafür sahen anschließend Tausende von jungen Frauen in ihren Moss-typischen Blümchenkleidern aus wie ein Klone des Models. Doch während Kate Moss in ihren Entwürfen wie dem engen, roten Kleid aussieht, wie in Valentino gekleidet, erscheint die Durchschnittsfrau in dem gleichen labbrigen, roten Ding, als hätte sie sich in die falsche Kleidergröße gezwängt.

„Das erste, was ich über das Tragen von Madonnas Klamotten gelernt habe, ist, dass man Madonnas Lebensstil dafür braucht,“ so Helen Pidd von der britischen Zeitung „Guardian" – sprich mit einem Omlett-Frühstück hat man verloren und im Madonna-Pencil-Skirt, „das Recht zum vollen Durchatmen eingebüßt“.

Sportkleidung aus den 30er-Jahren

Andere Celebrity-Mode mag zwar bequemer sein – ist aber ungleich lächerlicher, wie die Golfer-Hosen von "Benjamin Bixby", dem Label des Sängers André Benjamin, alias André 3000 von der Band OutKast. Zumindest umgeht André 3000 mit seiner von Sportkleidung aus den 30ern inspirierten Pullis samt Ellbogenflicken die für Promidesigner üblichen bunten T-Shirts und pelzgesäumten Fliegerjacken und zeigt eine eigene Richtung. Andere Designer verzichten hingegen ganz und gar auf eine einheitliche Richtung wie "30er" und zeigen stattdessen lieber buntes Allerlei, wie bei Gwen Stefani, deren Kollektion schon mal Chiffonkleider, Rastafari-Strickmützen und Jogginganzügen in Gelb umfasst und Stefanis Auftreten auf den roten Teppichen dieser Welt nach vermutlich möglichst gleichzeitig getragen werden sollen. Denn darum geht es nämlich bei den Modekollektionen der Promis: Aussehen wie Klone der Stars.

So auch bei der Kollektion von Sängerin Lily Allen für die Fashion-Firma New Look, bei der eine ganze Generation von britischen Teenies in Ballkleid und Turnschuhen aussahen wie die schräge Pop-Prinzessin selbst. Dass die Stars nähen oder eigenständig vernünftige Kleidung entwerfen können, erwartet keiner – auch nicht, dass sie praktisch denken. Oder wer würde einen weißen (!) Trenchcoat, wie von Madonna entworfen, schon in der U-Bahn anziehen? Da erscheinen die praktischen Klamottenvorstellungen von Liam Gallagher – Pullis und Schals, die lässig im Unterricht getragen werden könnten – geradezu als Erleichterung. Doch schließlich hat der Oasis-Barde Erfahrung mit dem Verkauf von Klamotten: Schon als junger Arbeitsloser zog er um die Häuser in seiner Heimatstadt Manchester, wo er aus einer Sporttasche Jeans und T-Shirts etwa von Calvin Klein zu verhökern versuchte.