"Nichtlustig"

Tod ist sein Geschäft – Neues von Joscha Sauer

Diesen Lemmingen und Yetis sieht man doch gerne zu: Joscha Sauer ist Deutschlands derzeit wohl beliebtester Cartoonist. Nach einer längeren Zwangspause meldet sich der Zeichner jetzt mit seinen Tieren und einem neuen Comic-Band zurück. Der 30-Jährige unterbreitet seinen Fans ein unsittliches Angebot.

Als der junge Zeichner Joscha Sauer im Jahr 2000 seine Internet-Seite aus der Taufe hob, hatte er den Adressnamen fürs weltweite Web bewusst gewählt: www.nichtlustig.de Soll sich bloß keiner beschweren, wenn er über die Cartoons, die hier täglich veröffentlicht werden, nicht lachen kann.

Indes – Beschwerden gab es keine, sondern lauter begeisterte Besucher, die nicht genug bekommen konnten von Sauers zeichnerischem Independent-Paralleluniversum, in dem putzige, aber leider sehr lebensmüde Lemminge, der Tod und sein Pudel, unterbelichtete Yetis und ein in einer Wand lebender Herr ihr Unwesen treiben.

Der Erfolg ließ nicht allzu lange auf sich warten: 2004 erhielt Sauer bei der Frankfurter Buchmesse den zum ersten Mal verliehenen Comic-Publikumspreis „Sondermann“, seine bei Carlsen erschienenen Bücher haben sich mittlerweile knapp 600 000 mal verkauft – was den in Frankfurt lebenden 30-Jährigen zum wohl erfolgreichsten deutschen Cartoonisten der Gegenwart macht.

Allerdings: Nach der Veröffentlichung des Bandes „Nichtweihnachten“ 2005 musste Sauer eine Zeit durchmachen, die wirklich und wahrhaftig nicht lustig war. Eine schwere Erkrankung innerhalb des engsten Familienkreises zwang den Zeichner zu einer langen Pause, in der an geregeltes Arbeiten nicht zu denken war. Den Humor verlor Sauer jedoch nie. Der habe trotz der ständigen quälenden Ungewissheit immer eine wichtige Rolle gespielt, sagt er – „nur weil man sich drüber lustig macht, heißt das ja nicht, dass man es nicht ernst nimmt.“

Dass in dem lange erwarteten und jetzt endlich erschienenen Lachbilderbuch „Nichtlustig 4“ (Carlsen, 10 Euro) der Sensemann – einer von Sauers beliebtesten Figuren – so selten auftritt, hat denn auch nichts mit einem neu gewonnenen Respekt dem Tode gegenüber zu tun. „Ganz einfach: Er kam in den letzten Büchern zu oft vor.“

Das neue Sauer-Werk unterscheidet sich von seinen Vorgängern noch in einem anderen wichtigen Punkt. Eine derart lange zusammenhängende Bilder-Story wie hier (es geht darin u. a. um eine Zeitmaschine, Nilpferde im Postdienst sowie um Dinosaurier, die sich unentwegt Dinge ausleihen) hat es bislang bei „Nichtlustig“ noch nicht gegeben. Der Grund: Joscha Sauer trägt sich mit dem Gedanken, das Genre zu wechseln. Einen Teil der obigen Geschichte gibt es bereits als kurzen Trickfilm auf www.nichtlustig.de zu sehen. Ob Sauers Geschöpfe bald nur noch im Bewegtbild unterwegs sind, hängt davon ab, welche Finanzierungsmöglichkeiten der Zeichner findet.

Doch bis es so weit ist, nimmt Sauer bei seiner Signiertour im November erst mal wieder persönlichen Kontakt zu seinen Fans auf. Und zwar so richtig. Auf Sauers Seite kann man sich dafür bewerben, den Zeichner für eine Nacht bei sich zu beherbergen. Voraussetzung: Eine vernünftige Schlafstätte und originelle Vorschläge für die Abendgestaltung. Das kann ja lustig werden.