Morgenpost Online: Waren Sie überrascht, dass Sie vom Feuilleton nicht geschlachtet wurden?
Atze Schröder: Tja, was soll ich sagen? Bei den Premieren, die wir in dieser Woche hatten, kamen schon etliche Leute aus dem Kino und haben gesagt: "Hätte ich so nicht erwartet!" Und eine Kollegin von Ihnen von einer großen deutschen Tageszeitung kam aus dem Kino und sagte: "Leider gut!"
Morgenpost Online: Warum richtet sich ein Atze Schröder erst einmal darauf ein, dass einen die Kritiker nicht gut finden?
Schröder: Die öffentliche Person Atze Schröder polarisiert ja schon. Und das finde ich eigentlich völlig OK. Ich bin ja auch ein Fan von Helge Schneider, der ja auch polarisiert. So funktioniert eben gute Comedy. Wenn's alle gut finden, dann war man wahrscheinlich zu seicht und zu mainstreamig.
Morgenpost Online: Da Sie gerade Helge Schneider erwähnen. Glauben Sie auch, dass es ohne seinen Adolf Hitler in "Mein Führer" einen Film wie "U 900" nicht gegeben hätte?
Schröder: Nein, kann ich so nicht unterschreiben. Drehbucharbeiten dauern ja auch immer sehr lange und wir waren ja schon mittendrin, als "Mein Führer" in die Kinos kam. Aber vielleicht sind das alles so Kleinigkeiten, die da zusammen kommen.
Morgenpost Online: Wann haben Sie gedacht: "Nun aber los, jetzt ist die Zeit reif für eine Komödie über das dritte Reich!"
Schröder: Das war für uns komischerweise gar nicht so das Thema. Unser Ziel war es nicht, eine Komödie über das Dritte Reich oder den Zweiten Weltkrieg zu machen. Es ging uns darum, eine Hommage an "Das Boot" von Wolfgang Petersen zu machen und das spielt ja nun mal in dieser Zeit. Deswegen war das von vornherein keine Diskussion. Weil es ja auch kein politischer Film ist.
Morgenpost Online: Dies hier ist kein "Best of Atze". Sondern Atze Schröder in einer Geschichte. Warum diese Reduktion?
Schröder: Das ist natürlich eine Reduktion. Aber ein "Best of Atze" hat auch nie zur Diskussion gestanden. Schon bei den ersten Ideen, als es noch nicht mal um das Thema U-Boot ging, war mir klar, dass der Witz aus der Situation kommen muss und eben nicht aus einem Gag, den Atze erzählt. Deswegen sieht der Film ja auch so toll aus. Ist ja auch relativ aufwendig produziert. Ich finde ja auch, dass es mehr ein Abenteuerfilm ist als eine Komödie.
Morgenpost Online: Man hat das Gefühl, dass Sie den Stoff für Ihre Komik auf der Straße finden.
Schröder: Richtig. Ich werde Ihnen was erzählen: Diese Woche nach der Weltpremiere von "U 900" in Essen. Ich komme aus dem Kino raus und die erste, die mir zu einem guten Film gratuliert hat, das war Ute Ohoven. Da habe ich wirklich geguckt, ob das was mit versteckter Kamera ist. Zumal auch noch ihre Tochter neben ihr stand. Das muss man nur aufnehmen, sich merken und erzählen. Das ist schon alleine lustig.
Morgenpost Online: Das darf man sich dann wirklich so vorstellen, dass Sie ein Sammler von Situationen des Alltags sind? Oder sehen Sie das und überspitzen diese Dinge dann auf der Bühne?
Schröder: Nein, muss ich gar nicht. Im Alltag entsteht die beste Komik. Für mein neues Programm "Mutterschutz" zum Beispiel hatte ich die grundlegende Idee im Zoo Duisburg gratis bekommen. Im Streichelgehege, wo die Ziegen und Schafe sind, sagt eine Mutter zu ihrem Kind: "Marvin, mach die Mäh mal ei".
Morgenpost Online: Da stellt sich wiederum die Frage, ob man sich darüber noch lustig machen kann. Ist ja auch ein bisschen traurig.
Schröder: Aber auch sehr lustig. Nach dieser Situation war mein Sinn etwas geschärft, und ich habe Ohren und Augen offen gehalten. Auf Norderney zum Beispiel habe ich eine Mutter gesehen, die hatte die Jacke des Kindes auf dem Arm und sagt zu ihm: "Timo, zieh die Jacke an. Mutti ist kalt". Da muss man nichts mehr weiter drehen. Man muss als Komiker nur die Augen aufhalten. Reicht völlig.
Morgenpost Online: "Die Arbeit im Scherzbergwerk", hat Otto Waalkes mal gesagt, "ist mühsame Plackerei". Klingt bei Ihnen nicht so.
Schröder: Nö, Otto ist, bei all seinen Verdiensten, offenbar ein Komiker der anderen Art. Ich denke, dass ich doch sehr kabarettistisch arbeite. Da muss man nur genau hingucken und das schildern. Wenn man zum Beispiel einen Mann wie Volker Pispers nimmt, ein Mann, den ich sehr verehre, der macht das auf einer anderen, auf einer sehr viel politischeren Ebene. Aber im Grunde genommen schildert der nur das, was in der Welt so vor sich geht.
Morgenpost Online: Es gibt einen großen Unterschied. Ihn nennt man Kabarettisten, Sie Komiker. Ungerecht?
Schröder: Vielleicht, aber nur ein bisschen. Ich komme da gut mit zurecht. Ich nehme halt gern die Alltagsszenen und habe nun mal die Nase am Arsch des Volkes. Das macht mir Spaß. Und solange man mich in Ruhe beobachten lässt, ist das alles in Ordnung.
Morgenpost Online: Das dürfte Ihnen gut gelingen, denn kaum jemand kennt Sie ohne Brille und Lockenpracht. Sie kämpfen regelrecht um Ihre Privatsphäre. Ist das nie zu anstrengend geworden?
Schröder: Nein, ich empfinde das auch nicht so. Ich bin auch privat sehr entspannt und locker. Ein Kollege von Ihnen hat mal geschrieben: "ich habe mit dem wahrscheinlich entspanntesten Menschen der Welt telefoniert". Das ist wirklich schon fast mein Lebensmotto: Alles entspannt!
Morgenpost Online: Aber wenn man sich anschaut, wie Sie zum Beispiel gegen Wikipedia gekämpft haben, dass dort nur Ihr Künstlername auftaucht.
Schröder: Na ja, ich habe gern meine Ruhe. Habe aber auch ein gutes Management. Die Sache mit Wikipedia, die hat sich verselbständigt. Ich finde, die hätten mich vorher mal fragen können, bevor die da Informationen reinstellen.
Morgenpost Online: Machen wir die Probe aufs Exempel: Was würden Sie sagen, wenn wir Sie bitten würden, Ihren richtigen Namen hier auf dieser Seite zu veröffentlichen. Dann würden Sie unter Umständen sagen: Kein Problem.
Schröder: Nein, dann würde ich sagen: Bitte nicht, die Situation ist sehr komfortabel. Ich gebe meinen Fans das, was sie von mir erwarten können. Und darüber hinaus kann ich mein Leben in aller Ruhe führen.
Morgenpost Online: Geben Sie uns zum Schluss noch Ihren Lieblingswitz aus dem aktuellen Programm mit in den Sonntag?
Schröder: Oh, lieber einen anderen. Den hier habe ich gerade gehört. "Der Torhüter unserer Nationalmannschaft Robert Enke ist ja wegen Handbruchs ausgefallen - wohlgemerkt vor dem Spiel gegen die Russen. Eigentlich hat man erst eine gebrochene Hand, nachdem die Russen da waren." Den finde ich ziemlich gut.








