Atomkraftwerk Fukushima

Japan hat Kernschmelze laut THW-Chef verhindert

Eine Kernschmelze in dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist verhindert worden. Das sagte Albrecht Broemme, Deutschland-Chef des Technischen Hilfswerks (THW), Morgenpost Online.

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Die japanische Regierung schließt nicht aus, dass es in zwei Atomreaktoren zu einer Kernschmelze gekommen ist.

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Nach Angaben des Deutschland-Chefs des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme, ist die Gefahr einer Kernschmelze in dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima gebannt worden. Broemme sagte Morgenpost Online, dass eine Kernschmelze nicht mehr zu stoppen gewesen wäre, hätte sie tatsächlich begonnen. „Unseren Erkenntnissen nach, die sich durch Auswertungen und Gespräche mit Experten ergeben, drohte eine Schmelze, die aber in beiden Blocks verhindert werden konnte. Im Moment droht eine Kernschmelze wahrscheinlich nicht.“ Dies sei auch ein Grund, dass die etwa 40 Mitarbeiter des THW weiterhin im Einsatz seien, sonst würde man ihre Leben nicht gefährden wollen. Seine Kollegen konnten Fahrzeuge anmieten und versuchten, in die Einsatzgebiete zu kommen. Vier blieben an der deutschen Botschaft.

Satellitenansicht des Atomkraftwerks Fukushima 1

Lage des Atomkraftwerks Fukushima 1

In drei Reaktoren des Kernkraftwerks, das direkt an der Küste errichtet wurde, ist nach dem verheerenden Erdbeben vom Freitag die Kühlung ausgefallen. Aus einem Gebiet von 20 Kilometer um das Kernkraftwerk, das etwa 270 Kilometer nördlich von Tokio liegt, wurden inzwischen 170.000 Menschen in Sicherheit gebracht.

Die japanischen Behörden haben auch für das Atomkraftwerk Onagawa den nuklearen Notfall ausgerufen. Das teilte das Land der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien mit. Der Betreiber habe die Situation als niedrigste Stufe des nuklearen Notfalls eingeschätzt. Man habe die drei Reaktoren in dem Atomkraftwerk aber unter Kontrolle. Die Ausrufung des nuklearen Notfalls sei eine Konsequenz daraus gewesen, dass in der Gegend um das Atomkraftwerk Onagawa Radioaktivitätswerte über dem Grenzwert gemessen wurden, teilten die japanischen Behörden der IAEA mit. Man untersuche momentan die Ursache. Experten hatten zuvor berichtet, dass die Radioaktivität in dem Gebiet auch von dem gut 150 Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima stammen könnte.

Die Angaben der japanischen Regierung zum Stand der Dinge in der Atomanlage Fukushima widersprechen sich. Ein Regierungssprecher dementierte am Sonntag zwar eigene Angaben, wonach es auch im Reaktor 3 des Atomkraftwerks Fukushima Eins eine „teilweise“ Kernschmelze gegeben habe. Ministerpräsident Naoto Kan bezeichnete die Lage im Umkreis von Fukushima aber als alarmierend. In der 150 Kilometer entfernten Provinz Miyagi maßen Experten eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal und führten dies auf die Explosion in Fukushima vom Samstag zurück.

Wie bereits am Reaktor 1 sei im Reaktor 3 die Kühlfunktion ausgefallen, erklärte der Regierungssprecher. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen, so Yukio Edano. Zuvor hatte er erklärt, es sei zu einer „teilweisen“ Kernschmelze gekommen. Dass es im Reaktor 1 schon zu einer Kernschmelze kam, hält die Atomsicherheitsbehörde für sehr wahrscheinlich. Durch Salzwasserzufuhr seien die Brennstoffstäbe inzwischen wieder im Wasser, führte der Sprecher aus. Es könne sein, dass sich dadurch Wasserstoff unter dem Dach angesammelt habe. Doch selbst wenn es wie beim Block Nummer 1 zur Explosion komme, könne der Reaktor dem widerstehen. 80.000 Menschen im Umkreis von 20 Kilometern mussten ihre Häuser verlassen.

In der nordöstlichen japanischen Provinz Miyagi messen Atomexperten eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tohoku. Ein Sprecher des Unternehmen sagte, die Reaktoren in der Region seien stabil. Um das AKW Onagawa sei eine erhöhte Radioaktivität festgestellt worden. Man gehe davon aus, dass dies nicht von dem Reaktor stamme. Es bestünden keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, hieß es. Experten vermuten, dass der Wind Radioaktivität aus der Provinz Fukushima herübergeweht habe.

Nach Angaben des Reaktor-Betreibers Tepco geht durch die erhöhte radioaktive Strahlung am betroffenen Meiler Fukushima Daiichi derzeit keine unmittelbare Bedrohung für die Gesundheit aus. Bei dem Unfall wurden nach japanischen Angaben 22 Menschen radioaktiv belastet. Fast 200 hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Umkreis von zehn Kilometern des Kraftwerkes auf. Mittlerweile wurde dort eine 20 Kilometer umfassende Sperrzone eingerichtet. Auch ein nahe liegendes Kraftwerk wurde weiträumig abgeriegelt. Das Atomkraftwerk war bei einem Erdstoß der Stärke 9,0 am Freitag schwerbeschädigt worden. Es war das bislang stärkste Beben in der Geschichte Japans. Der dadurch ausgelöste Tsunami verwüstete weite Teile im Nordosten des Landes.