Hygienemängel

Wulffs Brötchenlieferantin muss vor Gericht

In der Bäckerei, die auch den Bundespräsidenten beliefert, gibt es offenbar gravierende Hygienemängel. Die Inhaberin aus Hannover muss vor Gericht. Nach Lebensmittelkontrollen war ihre Backstube bereits einmal geschlossen worden.

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Die Inhaberin der hannoverschen Backstube „Broterbe Gaues“, die auch das Bundespräsidialamt beliefert, muss sich am Donnerstag wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht vor dem Amtsgericht Hannover verantworten. Lebensmittelkontrolleure hatten bei Überprüfungen der Backstube im vergangenen Jahr „gravierende Hygienemängel“ festgestellt, wie das Amtsgericht mitteilte. Der 43-Jährigen droht nun eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Im Februar war die Backstube wegen mangelnder Sauberkeit der Räume und Kleidung der Mitarbeiter vorübergehend geschlossen worden. Der Ehemann der Angeklagten hatte nach den Lebensmittelkontrollen angekündigt, den Sitz der Backstube zu verlegen und Hannover zu verlassen.

Bei Gaues soll ein „subjektives Tatbestandsmerkmal“ vorliegen, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Iburg der " Hannoverschen Allgemeinen" : „Es geht darum, dass der Verbraucher Ekel oder Widerwillen empfunden hätte, wenn er von den gegebenen Umständen gewusst hätte“, zitiert die Zeitung den Oberstaatsanwalt. Als Beispiele nannte er dem Blatt verschimmelte Wände, das Herumliegen toter Fliegen oder das Reinigen von Schalen mit ausgedienten Wäschestücken. Die Qualität der Ware müsse von diesen Umständen nicht berührt sein. „Aber hätte man um diese gewusst, hätte man sie vielleicht nicht gekauft“, sagte Iburg dem Blatt weiter.

Gaues beliefert seit mehr als zehn Jahres das Bundespräsidialamt in Berlin und zudem bundesweit mehrere Spitzenrestaurants, Starkoch Johann Lafer gehört der "Hannoverschen Allgemeinen" zufolge zu den Kunden. Die Lieferungen hatten vergangenen August Schlagzeilen gemacht, weil Bäcker aus der Bundeshauptstadt die Anlieferung aus Hannover heftig kritisierten.

Das Ganze habe gar nichts mit Geringschätzung des Berliner Handwerks zu tun, betonte damals ein Sprecher des Bundespräsidialamtes. Wenn die ausländischen Staatsgäste im Schloss Bellevue bewirtet werden, sollen sie die "große Vielfalt deutscher Produkte und Spezialitäten" kennenlernen, sagte der Sprecher. Dazu zählen die Brötchen aus Hannover, die schon Wulffs Amtsvorgänger aßen. Roman Herzog hat diese kleine Tradition begründet.

Die Auswahl dieser deutschen Produkte sei aber keineswegs eine Entscheidung, die das Staatsoberhaupt persönlich treffe, sagte der Sprecher und räumte Mutmaßungen aus, der Bundespräsident protegiere zu Lasten des Berliner Handwerks einen Bäcker aus seiner niedersächsischen Heimat. Nicht Wulff, sondern Chefkoch Jan-Göran Barth bestimme, was im Schloss Bellevue bei offiziellen Essen aufgetischt wird, sagte der Sprecher. Und bei dessen Entscheidung gebe es nur ein Kriterium: die Qualität.