Hygiene

Pankow setzt wieder auf seine Ekelliste

Dem Berliner Bezirk Pankow reicht die Berliner Hygiene-Ampel nicht aus. Zusätzlich werden Lokale und Imbisse wieder mit dem "Smiley"-System bewertet – besser bekannt als Ekelliste. Deren Erfinder findet das berlinweite Ampelsystem zu undurchsichtig.

Zusätzlich zur Berlin-weiten Hygiene-Ampel kehrt Pankow in Sachen Lebensmittelhygiene ab November zu den bewährten „Smileys“ zurück. „Wir gehen keinen Sonderweg, denn das Berlin-weite System bleibt davon ja unberührt. Aber es hat noch erhebliche Lücken und die wollen wir im Bezirk füllen“, sagte Jens-Holger Kirchner (Grüne), Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung, am Dienstag.

Wesentlicher Kritikpunkt der Pankower: Die Punktzahl zwischen 0 und 80, die auf der Berlin-weiten Website für die überprüften Gaststätten abzulesen ist, sei nicht transparent genug. „Es ist für den Verbraucher gar nicht nachvollziehbar, wofür der Betrieb die Maluspunkte bekommen hat“, erläuterte Kirchner. Ab November sollen für die Pankower Betriebe nun wieder detaillierte Angaben in elf Unterpunkten auf der Bezirks-Website nachzulesen sein - vom Einhalten der Kühlkette über Mitarbeiterschulung bis zur Schädlingsbekämpfung, Zusätzlich werden lachende, neutrale und unzufriedene „Smileys“ vergeben.

Außerdem möchte Bezirksstadtrat Kirchner künftig nicht nur die Kontrollergebnisse aus reinen Gastronomiebetrieben veröffentlichen, sondern eben auch von anderen Anbietern - vom Kiosk über die Eisdiele bis hin zum Sandwich-verkaufenden Bäcker und anderen Lebensmittel erzeugenden Betrieben. „Die Infos sind ja alle vorhanden.“ Von den 6500 Lebensmittel-Betrieben in Pankow seien schließlich nur 2500 Gastronomen.

2009 hatte der Bezirk bundesweit mit dem „Smiley-System“ nach dänischem Vorbild Furore gemacht. Auf einer sogenannten Ekelliste waren Lebensmittelbetriebe, die gegen die Hygienevorschriften verstießen, sogar mit Fotos aus verdreckten Restaurantküchen vertreten. Gastronomieverbände hatten sich gegen das Verfahren gewehrt. Dennoch konnte im Sommer eine landesweite Regelung durchgesetzt werden, die mit einiger Verzögerung anlief. Auf der Seite www.berlin.de/sicher-essen sind die Hygiene-Bewertungen von mittlerweile rund 200 Lokalen nachzulesen.

Bundesweit ist die Transparenz-Initiative dagegen steckengeblieben. Die Verbraucherschutzminister der Länder votierten zwar dafür, ab Januar 2012 bundesweit eine Hygiene-Ampel für Restaurants einzuführen. Die Wirtschaftsminister lehnten das hingegen ab.

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